Stuttgart

Wie eine Familie

Musik verbindet und fördert die Integration: Am 9. Juli geben die Musiker ein weiteres Konzert. Foto: Brigitte Jähnigen

Diesmal trug sie die richtigen Schuhe. Elegante Pumps, mattschwarz, acht Zentimeter hoch der Absatz, an den Spitzen sanft gerundet. »Du bist eine Sängerin«, hatte ein Lehrer der jungen Frau Mut gemacht, als sie sich vor einiger Zeit bei einem anderen Wettbewerb vorstellte. »Doch vorher hatte er meine Schuhe heftig kritisiert«, verrät Maria Meltz in Stuttgart. Dass neben einer guten Stimme auch das passende Outfit wichtig ist, war der jungen Musikerin damals noch nicht klar – sie hatte zum Gesangsvortrag Winterschuhe an.

Maria singt, solange sie denken kann. Zuerst im Chor, später als Solistin. Mit ihrer emotionalen Stimme und natürlichen Ausstrahlung begeisterte die 20-Jährige aus Trier auch in Stuttgart Publikum und Fachjury. Helene Schneiderman und Julia Forgács-Vamosi, die für den Fachbereich Gesang in der hochkarätig besetzten Jury saßen, bestärkten Maria in ihrem Entschluss, den Gesang zu ihrem Beruf zu machen – ihr Vortrag wurde mit einem ersten Preis bedacht.

dreivierteltakt Vor wenigen Tagen hat sich Maria Meltz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main beworben. Dort studiert schon Alexandra-Sophie Uchlin, Marias Freundin. »Sonja«, wie Maria ihre Freundin nennt (»Wir sind beide Russinnen«), war mit Mikail Ashkenazi nach Stuttgart gekommen. Er begleitete Alexandra-Sophie bei ihrem mehrsprachig vorgetragenen Programm aus vier Musikjahrhunderten auf dem Flügel. Auch »Sonja« erhielt einen ersten Preis.

Dass Sänger nicht immer wissen, wie sie ihre Hände beim Gesangsvortrag bewegen sollen – dieses Problem hat die erst neunjährige Jennifer Kunke bereits gelöst. Zu Wolfgang Amadeus Mozarts »Komm, lieber Mai« führte sie ihre Hände im Dreivierteltakt, und bei Tofig Guliyevs Lied »Ne Gordis« kommentierten ihre Hände die Geschichte. Beifall und strahlende Gesichter begleiteten den Vortrag der jungen Sängerin. Die Jury ehrte sie mit einer »lobenden Anerkennung«.

Musik verbindet, Musik fördert die Integration, Musik stiftet Freundschaften: »Seit 25 Jahren haben wir eine erfolgreiche jüdische Tradition in Deutschland, der Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb hat ganz gewiss dazu beigetragen«, sagte Margarita Volkovo-Mendzelevskaya. Eine Wettbewerbsfamilie über Deutschland hinaus sei entstanden, und immer neue Freundschaften würden geknüpft, so die Pianistin, Initiatorin und künstlerische Leiterin. Jüngere Teilnehmer hören älteren zu, sind fasziniert von der Virtuosität der reifen Vorträge.

begabung Mit Hanan Becher und Ofer Stolarov kamen zwei hochkarätige junge Pianisten nach Stuttgart. Hanan Becher (geboren 1997) lebt in Kiryat Ono und studiert an der Jerusalem-Akademie für Musik und Tanz. Er leistet seinen Militärdienst und ist als begabter Student in einem besonderen Programm integriert – ab 14 Uhr ist er für seine Studien freigestellt.

Ofer Stolarov (geboren 1994), der ebenfalls an der Jerusalem-Akademie für Musik und Tanz studierte, hat seinen Militärdienst abgeschlossen und bewarb sich erfolgreich an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. »Ich denke, das ist die beste Hochschule für Klavier in Deutschland, vielleicht sogar weltweit«, sagte Stolarov.

»Sehr glücklich« sei er gewesen, als einer von sieben Studenten von insgesamt 300 Bewerbern angenommen worden zu sein. Auch wenn Ofers Familie aus St. Petersburg stammt, sein Freundeskreis ist multinational und multikulturell. »Wir machen keine Unterschiede, Deutschland ist freundlich und warm zu mir«, sagte der 23-Jährige.

jury Mit ihren hoch anspruchsvollen Vortragsprogrammen erspielten sich Hanan und Ofer den ersten Preis mit außergewöhnlichen Leistungen. Außerdem sind sie zum Konzert mit der Internationalen Musikakademie Nigun nach Stuttgart eingeladen. »Hanan ist absolut gründlich, sein Spiel von hoher Intelligenz, das hört man in jeder Interpretation der Kompositionen«, begründete Margarita Volkova-Mendzelevskaya, der als Jurykollegen für Piano Maria Walzer aus Wien, Leonid Schick aus Forst, Olga Rissina-Morenova aus Karlsruhe und Vadim Monastyrski aus Jerusalem zur Seite standen.

Auch der Pianist Julian Burdenko aus Uhldingen, die Violinistin Anna Milman aus Madrid und der Klarinettist Jakov Galperin aus Neuhaus an der Pegnitz gewannen einen ersten Preis mit außergewöhnlichen Leistungen. Ein Wiedersehen mit allen Preisträgern gibt es am 9. Juli um 15 Uhr im Festsaal der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg.

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