Chanukka

Wärme, Glanz und Hoffnung

Es funkelt, es glitzert, es leuchtet. Der Hubert-Burda-Saal hat sich für den Chanukka-Ball am vergangenen Sonntag herausgeputzt. Er ist in das elegante Gewand einer Schneeflocke gehüllt. Eine Bühne ist aufgebaut mit einer riesigen Leinwand, die zwischen Chanukkia-Bildern, blinkenden Farbspielen und »Chanukka Sameach«-Schriftzügen wechselt. Auf den weiß gedeckten runden Tischen stehen transparente Kerzenleuchter und weiße Zweige, die mit Lichterketten geschmückt sind.

»Es ist unglaublich, wie es aussieht. Bei einem Fest gibt es oft Blumen auf den Tischen«, sagt Larysa. Sie lebt seit sechs Jahren in München, ist oft zu Gast im Gemeindesaal, doch an diesem Abend hat sie ihn fast nicht wiedererkannt. »Die minimalistische Dekoration mit den kleinen Lichtern auf jedem Tisch passt perfekt zu Chanukka, dem Lichterfest. Anat Rajber versteht ihr Handwerk.« Sie liebt die gemeinsamen Feste mit der Gemeinde. Doch dieses würde sie besonders froh machen.

»Wir sind wie eine Kerze. Wir können die Dunkelheit erleuchten.«

Rabbiner Shmuel A. Brodman

Nicht nur der Saal funkelt an diesem Abend, auch seine Gäste. Elegant, chic und in glitzernder Garderobe wird auf der Tanzfläche ab 19 Uhr gefeiert und getanzt. »Pailletten in allen Farben«, sagt Caroline, die selbst ein Kleid mit grünem Schmuck trägt. Eigentlich war geplant, dass die Showband die Gäste erst zum Tanzen animiert, wenn das erste Licht der Chanukkia brennt. Aber es geht schon vorher los. Die Freude, gemeinsam feiern zu können, ist zu groß, sie lässt sich kaum bändigen.

begrüssung Als die Moderatorin Ilanit Spinner den offiziellen Teil des Abends beginnen will, muss sie mehrere Male auf der Bühne zur Begrüßung ansetzen, weil das Fest zu diesem Zeitpunkt schon in vollem Gange ist. »Sheket«, ruft sie bestimmt, »es gibt noch genügend Möglichkeiten, ausgiebig zu tanzen!« Sie bleibt charmant, und man ahnt, dass sie sich insgeheim darüber freut, zur Ruhe rufen zu müssen, weil die Stimmung so ausgelassen ist.

Gerade aus Israel zurückgekommen, begrüßt Charlotte Knobloch die Gäste zum gemeinsamen Fest. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern freut sich über die Anwesenheit des Vorstands, der Generalkonsulin Carmela Shamir, des Antisemitismusbeauftragten der bayerischen Justiz, Andreas Franck, des Stadtrats Michael Dzeba und über alle, die gekommen sind. »Chanukka ist ein Fest, das man am besten gemeinsam feiert«, sagt Knobloch. Am liebsten hätte sie die Wärme und das Licht aus Israel in das eisig-kalte München mitgebracht.

»Gegen die dunkelste Zeit des Jahres und ihre Kälte und Trostlosigkeit setzen wir Wärme, Glanz und vor allem: Hoffnung.« Es sei die Hoffnung, die man sich selbst geben würde. »Der Geist der Makkabäer, die einst für das jüdische Volk gekämpft und dabei einen unmöglichen Sieg errungen haben, lebt bis heute in uns fort.«

krisen »Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist«, zitiert Ilanit Spinner den ersten Ministerpräsidenten Israels, David Ben Gurion. Nach den schweren, dunklen Zeiten der Pandemie, der Krise und des Krieges wünscht sie sich, dass an diesem Abend alle Realisten sind und gemeinsam an Wunder denken.

»Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist«, zitiert Ilanit Spinner David Ben Gurion.

Ein Wunder für Rabbiner Shmuel Aharon Brodman ist, dass Charlotte Knobloch mit 90 Jahren nicht alt geworden, sondern jung geblieben sei. »Wir sind wie eine Kerze. Wir können die Dunkelheit erleuchten«, sagt der Rabbiner. »Doch lasst uns nicht diejenigen vergessen, die gerade im Dunkeln sind.«

Nachdem er mit dem Schamasch die erste Chanukkakerze entzündet und die Band und Luisa Pertsovska ihn am Klavier bei »Maos Zur« und »Hanerot« begleitet hat, ist die Tanzfläche spätestens beim Hora-Medley außer Rand und Band.

tanzfläche Die Leiterin des religiösen Erziehungswesens, Miriam Braun, ist als eine der Ersten auf der Tanzfläche. »In meiner Jugend bin ich oft auf Tanzabende gegangen. Ich liebe Standardtanz und war häufig im Bayerischen Hof auf Winterbällen und erst diese Woche bei einer Batmizwa.« Besonders auf das gemeinsame Tanzen hat sich Yulia Lerner gefreut. Sie unterrichtet Hip-Hop, Ballett und Turnen.

»Die Musik ist eine 15 von 10«, sagt Iris, während sie mit Joel und Denise in der Schlange zum Dessert ansteht. Es gibt frische Crêpes, hausgemachtes Eis und frisches Obst. »Rafael Mirila ist mein Lieblings-DJ«, sagt Joel, und die beiden überlegen gemeinsam, welches Lied sie sich wünschen könnten. Denise hat um Mitternacht Geburtstag. Noch ein Grund mehr zu tanzen. Doch daran mangelt es an diesem Abend ohnehin nicht.

Nur einmal bleibt die Tanzfläche für einen Moment leer – als das Buffet eröffnet wird und alle ihre Teller mit israelischem Salat, Lachs und Latkes beladen. »Man hat versucht, uns umzubringen, wir haben überlebt, lasst uns essen«, sagt Ilanit Spinner und lacht. Sie hat recherchiert, dass die 24 Millionen Sufganiot, die in den acht Festtagen in Israel verspeist werden, etwa zehn Milliarden Kalorien hätten. Für den Chanukka-Ball wurden 330 gebacken. »Wir werden jeden Einzelnen auf der Tanzfläche abtrainieren!«

Programm

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Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

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