Jewrovision

Vorfreude trotz Absage

Wenn am 3. März in der Münchner Zenith-Halle die Jewrovision 2012 startet, werden unter den Zuschauern auch einige sein, die ein bisschen traurig auf die Bühne schauen. Das Team vom Nürnberger Jugendzentrum »Mehalew«, zu dem auch einige Mitglieder der Fürther Gemeinde gehören, musste seinen geplanten Auftritt absagen.

»Das war schon echt höhere Gewalt: Einer unserer Sänger ist schwer erkältet, ein anderer schreibt ausgerechnet an diesem Tag eine wichtige Abiklausur«, bedauert German Djanatliev, Religionslehrer und Leiter des Jugendklubs. »Die Tanzchoreografie war auch schon fertig, aber in so kurzer Zeit Ersatz für den Sänger zu finden, ist natürlich unmöglich.«

Klassiker Immerhin kann er nun Einzelheiten über den geplanten Showact verraten – wenn auch nicht alle. »Wir hatten zur Melodie des Klassikers We will rock you einen eigenen Text geschrieben. Modern sollte es sein, aber eben auch zum Thema ›Wurzeln‹ passen.« »Back to the roots« lautet schließlich das Motto der diesjährigen Jewrovision.

»Aber es gilt ja immer: Alles, was man macht, macht man nicht umsonst«, findet German Djanatliev und betont: »Aus der Gruppe, die auftreten sollte, hat sich in den vergangenen Monaten ein richtiges Team gebildet. Das nun nicht wieder auseinandergehen wird. Auch die Tanzlehrerin, die wir engagiert hatten, wird weiter mit den Jugendlichen arbeiten.«

Man werde nun eben als Zuschauer anreisen. »Wir fahren mit 19 Personen vor Ort in die bayrische Hauptstadt. Und wir werden Spaß haben.« Er erhoffe sich für die Jugendlichen, »dass sie neue Kontakte schließen und andere junge Juden kennenlernen, damit sie ihre jüdische Identität weiterentwickeln können – und damit auch ein klares Nein zur Assimilation sagen.«

Probe In München wird schon seit Mitte Oktober für die Jewrovision geübt, wie Shelley Schlafstein erzählt. Denn gerade als Gastgeber wolle man eine gute Show bieten – und vielleicht sogar am Ende den ersten Platz belegen. »Im vergangenen Jahr wurden wir Zweite, nun wollen wir zeigen, dass wir kein One-Hit-Wonder sind. Und wir wollen natürlich auch beweisen, dass unsere Stadt zu Recht Austragungsort der Jewrovision geworden ist.«

Knapp 20 junge Münchner Juden werden auf der Bühne stehen, so viel wird vorab verraten, »uns war es auch wichtig, so viele Kinder wie möglich einzuspannen«. Ursprünglich waren sogar noch mehr Teilnehmer gecastet worden, »aber einige erkannten schnell, dass sie neben der Schule gar nicht die Zeit für die Proben hatten. Dafür unterstützen sie uns nun eben auf andere Art.«

Moderne Mit ihrem Beitrag wollen die Münchner »zeigen, wo die Wurzeln sind, und dass das jüdische Leben in Deutschland eben nicht nur aus Klischees besteht, sondern eine Identität der Moderne ist, die man heutzutage problemlos ausleben kann, ohne sich verstecken zu müssen.« Und so werde mit dem ausgewählten Lied auch der Halt, den viele durch ihre Jüdischkeit bekommen, vermittelt. Welcher Song das ist, bleibt aber ein großes Geheimnis, »die Konkurrenz muss nicht alles wissen«, meint Schlafstein und lacht.

Das Motto der Jewrovision werde sich übrigens auch in den Kostümen widerspiegeln, deutet sie an. »Wir werden nicht mit Lametta und Glitzer protzen, sondern haben versucht, die Bühnenkleider back to the roots zu gestalten.« Die Vorfreude sei schon jetzt riesengroß, verrät Schlafstein. »Außerdem ist es sehr schön, die Fortschritte der Kinder zu sehen, wie sie ihren eigenen Ansprüchen genügen wollen.«

So ist es wohl auch kein Wunder, dass die Frau, die im Alter von 15 vor elf Jahren an der allerersten Jewrovision in Bad Sobernheim teilnahm, zwar letztes Jahr ankündigte, diesmal nicht mehr dabei sein zu wollen, aber nun doch wieder aktiv geworden ist. »Mal schauen, was dann im nächsten Jahr ist.«

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