Achava

Von Erfurt nach Eisenach

Martin Kranz lädt gemeinsam mit der Bach-Biennale Weimar und der Gedenkstätte Buchenwald zu einer »Gesprächswanderung« nach Weimar ein. Der Intendant der Achava-Festspiele will die Erinnerung an das Morden im KZ Buchenwald auf diese Weise mitten in die Stadt holen. Beginnen soll die Wanderung am Bahnhof. Sie ist Teil der weit mehr als 40 Veranstaltungen der Achava-Festspiele in Thüringen, die vom 19. bis zum 29. September stattfinden.

Dass sie gerade in Eisenach, in der Nähe von Hessen und am Rande Thüringens, eröffnet werden, hat vor allem einen Grund: Die Hauptspielstätte in Erfurt ist abhan-dengekommen. Die wunderbare Kirche auf dem Petersberg wird restauriert, und das einstige Heizhaus hat den Besitzer gewechselt.

Lutherhaus Eisenach taugt gerade in diesem Jahr auf den ersten Blick als Alternative. Denn die Evangelische Kirche Mitteldeutschland erinnert an das »Eisenacher Entjudungsinstitut«, das 1939 von elf evangelischen Landeskirchen gegründet wurde. Dazu eröffnet das Lutherhaus in Eisenach am 19. September seine Ausstellung. Dass Margot Käßmann in diesem Jahr während der Achava-Festspiele in Eisenach predigen wird, hat durchaus symbolischen Charakter. Sie hat bereits in den vergangenen Jahren von der notwendigen Entschuldigung der evangelischen Kirche gegenüber jüdischen Gemeinden während des Nationalsozialismus gesprochen.

Für den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringens, Reinhard Schramm, gehören die Achava-Festspiele neben den jüdisch-israelischen Kulturtagen und natürlich dem Yiddish Summer Weimar zum festen kulturellen Alltag Thüringens. »Genau deshalb muss die Grenze zwischen den jüdisch-israelischen Kulturtagen und Achava sichtbar bleiben«, mahnt er an.

Phantastischer Realismus Das sieht Intendant Martin Kranz nicht anders. »Auf Dauer wollen wir Erfurt als zentralen Ort behalten«, versichert er. Genau deshalb gibt es in der Thüringischen Landeshauptstadt auch in diesem Jahr einige Veranstaltungen – beispielsweise die Ausstellung von Arik Brauer in der Erfurter Kunsthalle. Der Wiener Künstler gilt als der bedeutendste Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Und auch die Uraufführung der Messe Missa Cum Jubilo des Domorganisten Silvio von Kessel im Erfurter Dom gehört zu den Höhepunkten von Achava.

Da viele Veranstaltungen in Eisenach stattfinden, sind die Festspiele auf neues Publikum angewiesen. Das Programm soll in diesem Jahr vor allem Interessierte auch aus Hessen ansprechen – für sie ist das Eröffnungskonzert mit Avi Avital gewissermaßen vor der Haustür. Das Programm, ein Mix aus Konzerten und Diskussionen, enthält auch in diesem Jahr wieder neben Stadtführungen und einem großen Straßenfest Angebote für Kinder und Jugendliche.

Feigenbaum Erneut gibt es Gespräche unter dem Feigenbaum, denn der interkulturelle und interreligiöse Dialog soll auch zu den fünften Achava-Festspielen einen ebenso zentralen Platz einnehmen wie Zeitzeugen und Workshops mit Helmut Eisel (Klarinette), Timna Brauer (Gesang) und Jascha Nemtsov unter dem Motto »Schüler und Meister im Einklang«. Schüler und international gefeierte Künstler begeben sich entsprechend der Bauhaus-Idee auf eine musikalische Entdeckungsreise und stellen das Ergebnis im Abschlusskonzert in Weimar vor.

Die Schirmherrschaft hat erneut Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, übernommen. Für Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow sind die Achava-Festspiele »ein kultureller Glücksfall für unser Land«. Und für Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, setzt Achava »ein Zeichen für vielfältige Gesellschaft und kulturelle Verständigung«. Im kommenden Frühjahr wandelt Achava mit einer Reise nach Israel auf den Spuren des Bauhauses.

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