München

Verbunden aus Überzeugung

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch inmitten der Geehrten und der beiden IKG-Vizepräsidenten Peter Guttmann (3.v.l.) und Yehoshua Chmiel (r.) Foto: IKG München u. Obb./Andreas Gregor

Mit spürbar großer Dankbarkeit und einem deutlichen politischen Signal hat die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern erneut Ehrenpreise verliehen. Im Rahmen eines festlichen »Mittagessens mit Freunden« im Restaurant Einstein würdigte der Vorstand Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft, die in schwerer Zeit, vor allem nach dem 7. Oktober 2023 verlässlich und in herausragender Weise an der Seite der jüdischen Gemeinschaft standen und stehen.

Geehrt wurden der Zweite Bürgermeister der Landeshauptstadt München Dominik Krause, Stadträtin und Fraktionsvorsitzende der Fraktion Grüne/Rosa Liste/Volt Mona Fuchs, Stadtrat Michael Dzeba (CSU), der Münchner Polizeipräsident Thomas Hampel, der Leitende Polizeidirektor der Polizeiinspektion 11 (Altstadt) Sandro Heymig, der Leiter des Münchner Amts für Wohnen und Migration Gerhard Mayer, Ursula Meier-Credner und Petra Schreieck für die »Omas gegen Rechts« sowie Stadträtin Micky Wenngatz (SPD) für den Verein »München ist bunt!«, dessen Vorsitzende sie ist. In Abwesenheit wurden der Kabarettist Christian Springer sowie Markus Werner für den Motorradclub Kuhle Wampe ausgezeichnet.

Auch der beharrliche Einsatz von Uschi Glas, die sich vor allem bei der Aktion »Run for their Lives« engagiert hatte, wurde noch einmal hervorgehoben.

»Run for their lives«: Lob für Uschi Glas‘ Engagement

Die Präsidentin der Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, fand eindringliche Worte. Mit Blick auf den 7. Oktober 2023 sagte sie: »Der Angriff erfolgte in Israel – aber sein Ziel waren jüdische Menschen überall.« An die Geehrten richtete sie sich in Dankbarkeit: »Sie waren da, als wir Sie gebraucht haben. Sie standen an unserer Seite nicht aus Gefälligkeit, sondern weil Sie verstanden haben, dass es nötig war: für die jüdische Gemeinschaft, für den Zusammenhalt in unserer Stadt und für unser freiheitliches Gemeinwesen.« Knobloch erinnerte daran, wie fragil jüdische Sicherheit nach wie vor ist: »Wir bleiben das erste und wichtigste Ziel des Terrors.« Umso wichtiger seien Freunde und Verbündete in Stadtpolitik und Stadtgesellschaft.

Zu ihnen zählt Bürgermeister Dominik Krause. Seit vielen Jahren unterstützt er Initiativen gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Im Rathaus wie in der Öffentlichkeit setzt er sich für eine klare Haltung gegen Judenhass ein und stärkt Netzwerke zwischen Stadt und Zivilgesellschaft.

Das gilt auch für die Grünen-Politikerin Mona Fuchs. Zuletzt kritisierte sie gemeinsam mit ihrem CSU-Stadtratskollegen Michael Dzeba den Umgang der Münchner Kammerspiele mit Antisemitismus-Vorwürfen gegen einen Künstler. Fuchs betonte nach der Preisverleihung: »Das, was wir politisch für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus tun, ist keine außergewöhnliche Leistung, sondern eine Selbstverständlichkeit – eigentlich das demokratische Minimum.«

Alle anwesenden Stadträte hätten, so Knobloch, »auf der richtigen Seite gestanden – nicht als Parteipolitiker, sondern als Demokraten«

Michael Dzeba selbst, religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion, gehört seit Langem zu den Unterstützern der Kultusgemeinde und positioniert sich deutlich. Alle anwesenden Stadträte hätten, so Knobloch, »auf der richtigen Seite gestanden – nicht als Parteipolitiker, sondern als Demokraten«.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet die Kultusgemeinde mit dem Münchner Polizeipräsidenten Thomas Hampel. Dass München die sicherste Stadt in Deutschland ist, hat gerade für die jüdische Gemeinschaft eine besondere Bedeutung. Rund um die Uhr schützt die Münchner Polizei jüdische Einrichtungen. Stellvertretend wurden dafür der Polizeipräsident und der Leiter der Polizeiinspektion 11 Sandro Heymig geehrt.

»Sie waren da, als wir Sie gebraucht haben. Sie standen an unserer Seite«, sagt Charlotte Knobloch.

Stadträtin Micky Wenngatz und der Verein »München ist bunt!« sind verlässlich und auch spontan zur Stelle, wenn es um den Kampf gegen Judenhass geht. Immer wieder hat die Vereinsvorsitzende auch Aktionen gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus organisiert. Gerade nach dem 7. Oktober 2023 hat »München ist bunt!« gegen Judenhass mobilisiert und Auseinandersetzungen innerhalb des progressiven Lagers nicht gescheut.

Deutliche Zeichen setzen auch die »Omas gegen Rechts«. Ursula Meier-Credner und Petra Schreieck engagieren sich in der Arbeitsgruppe »Solidarität mit Jüdinnen und Juden«. Als im Juli letzten Jahres ein israelfeindliches Bündnis an Schabbat just zur Gebetszeit zu einer Demonstration in Sichtweite der Synagoge mobilisiert hatte, riefen »die Omas« gemeinsam mit »München ist bunt!« zu einer Menschenkette um die Ohel-Jakob-Synagoge auf.

Auch die in Abwesenheit geehrten Preisträger sind verlässliche Freunde der jüdischen Gemeinschaft. Der Kabarettist Christian Springer macht immer wieder mit öffentlichen Aktionen und in der von ihm gegründeten Initiative »Schulterschluss« auf den Brandanschlag auf das Seniorenheim in der Reichenbachstraße vor nunmehr 56 Jahren aufmerksam. In seinen Programmen, Büchern und in öffentlichen Auftritten greift er antisemitische Verschwörungsmythen pointiert an. Auf der Bühne wie im gesellschaftlichen Diskurs wirbt er für demokratische Verantwortung.

Der Motorradclub »Kuhle Wampe« beschützt jedes Jahr an Jom Kippur symbolisch die Synagoge.

Der Motorradclub Kuhle Wampe unter der Ägide von Markus Werner schließlich beschützt jedes Jahr an Jom Kippur symbolisch die Synagoge.
bekenntnis Eugen Alter, Mitglied des Vorstands der Kultusgemeinde, brachte es mit folgenden Worten auf den Punkt: »Dieser Preis ist kein Orden für schöne, leere Worte, sondern für gelebte Solidarität und Engagement. Wer heute an unserer Seite steht, verteidigt nicht nur jüdische Menschen, sondern Freiheit und Demokratie.«

So wurde die Preisverleihung zu mehr als einer Ehrung – sie war ein eindrucksvolles Bekenntnis zu Verantwortung, Zivilcourage und demokratischem Zusammenhalt in einer Stadt, die sich ihrer Geschichte bewusst ist und ihre Gegenwart aktiv gestaltet.

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