Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Rabbiner Avraham Golovacheov

Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. Vor 18 Jahren war er als Chabad-Gesandter in die deutsche Hauptstadt gekommen

 07.04.2026 09:31 Uhr

Rabbiner Avraham Golovacheov ist am Montag im Alter von 43 Jahren verstorben. Dies teilte die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin mit. »Wir sind erschüttert und tief betroffen über sein vorzeitiges Ableben«, heißt es in einer Mitteilung.

Noch am Abend wurde der in einen Tallit gehüllte Sarg in der Synagoge an der Münsterschen Straße aufgebahrt. Die ganze Nacht hindurch sagten dort Rabbinerkollegen und Gemeindemitglieder Tehillim. Am Vormittag fand die Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße statt.

Golovacheov wurde 1983 im ukrainischen Cherson geboren. Für die Rabbinerausbildung ging er nach Israel, New York und Moskau. Vor 18 Jahren kam er gleich nach seiner Hochzeit als Chabad-Gesandter nach Berlin. Seine Frau Chana arbeitet seitdem als Lehrerin in der Jüdischen Traditionsschule. Er nahm vielfältige Aufgaben in der Gemeinde wahr.

Rabbiner Teichtal nennt Golovacheov »eine herausragende Persönlichkeit«

Rabbiner Golovacheov war für die Verwaltung des vor 15 Jahren gegründeten Rabbinatsgerichts zuständig. Er kümmerte sich bei diesem Bet Din unter anderem um Hochzeiten und Scheidungen oder um Klärungen der jüdischen Zugehörigkeit. Mehrere Monate hatte er dazu auch in einem israelischen Rabbinatsgericht verbracht. »Er war beim Oberrabbinat in Israel für seine fachliche Arbeit sehr geschätzt. Und in Deutschland war er vielleicht der beste Experte für Birur Yahadut, also die Überprüfung des jüdischen Status«, sagt Rabbiner Yehuda Teichtal, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin. »Er hat bei uns praktisch die Kultusabteilung geleitet.«

Rabbiner Golovacheov war Leiter des Verlages »Jüdisches«, den er selbst aufgebaut hat.

Zudem leitete Rabbiner Golovacheov die russischsprachigen Programme der Gemeinde. Viele Jahre hat er dort unterrichtet. Und er war Leiter des Verlages »Jüdisches«, den er selbst aufgebaut hat. Er überwachte nicht nur die Übersetzung und Veröffentlichung vieler Publikationen klassischer und moderner jüdischer Texte. »Er erledigte auch die Verwaltungsarbeit, kümmerte sich um die Druckgrafik und den Versand der Bücher.«

Rabbiner Golovacheov sei kein Mensch vieler Worte, sondern der Tat gewesen, einer, der eher hinter den Kulissen gewirkt habe, so Teichtal. »Er war ein unglaublicher Mensch, eine herausragende Persönlichkeit. Er war ein Mensch, den wirklich alle sehr, sehr geliebt haben.«

Vergangenen September wurde seine Erkrankung bekannt

Seine besondere Persönlichkeit sei auch deutlich geworden, als er, bereits von Schmerzen gezeichnet, nie ein negatives Wort verlor. »Und auch die Ärzte haben nicht verstanden, wie er bis zuletzt gegen die Krankheit gekämpft hat. Die letzten Wochen waren wirklich ein Wunder.«

Noch im September vergangenen Jahres, kurz nachdem seine schwere Erkrankung bekannt wurde, fand eine feierliche Einweihung einer neuen Torarolle statt, gewidmet seiner schnellen und vollständigen Genesung. Die Gemeinde hatte bis zuletzt für ihn gebetet. Nun sind die Trauer und Anteilnahme groß.

Und die Gedanken sind bei der Familie. Rabbiner Golovacheov hinterlässt seine Frau und die sechs Kinder Shterna Sara, Sholom Dovber, Shmuel, Mendel, Schneur und Yossi. Die älteste Tochter ist 15 Jahre alt, der jüngste Sohn kam erst vor ein paar Wochen zur Welt. Zu ihrer Unterstützung wurde bereits eine Online-Spendenaktion initiiert. »Das ist eine schreckliche Situation. Er hat sein Leben der Gemeinde gewidmet. Und jetzt ist es die Verantwortung von uns allen, seiner Familie zu helfen«, sagt Rabbiner Yehuda Teichtal. ddk

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026

Erinnerung

Kunst mit Haltung

Das musikalisch-szenische Projekt »Und dennoch morgen« der Europäischen Janusz Korczak Akademie feierte im Gasteig Premiere

von Ellen Presser  28.06.2026

Israeltag

Wenn Freunde feiern

Rund 2000 Münchnerinnen und Münchner kamen auf dem Odeonsplatz zusammen, um ihre Solidarität mit dem jüdischen Staat zu demonstrieren

von Ellen Presser  27.06.2026

Porträt der Woche

Einfach sie selbst

Hannah Kruse ist Lehrerin, engagiert sich politisch und lebt seit ihrer Transition als Frau

von Alicia Rust  27.06.2026

Glosse

Danke, Felix!

Acht Jahre lang hat Felix Klein die wohl anstrengendste Religionsgemeinschaft dieser Welt ertragen. Nun scheidet er aus dem Amt. Eine etwas andere Würdigung

von Leeor Engländer  27.06.2026