Lörrach

Tora als Zeichen der Hoffnung

Rabbiner Moshe Flomenmann präsentiert die Torarolle in der Schule. Foto: privat

Lörrach

Tora als Zeichen der Hoffnung

Die Kultusgemeinde lässt eine historische gerettete Rolle restaurieren. Demnächst wird sie im Landtag vollendet

von Christine Schmitt  19.10.2026 13:09 Uhr

»Es gab Menschen, die mutig genug waren, sie zu retten.« Wenn Rabbiner Moshe Flomenmann gefragt wird, was er an einer mehr als 200 Jahre alten Torarolle und ihrer Geschichte besonders schätzt, kommt seine Antwort prompt. Für ihn sei sie mehr als eine historische Schriftrolle, sondern ein Symbol für Mut, Erinnerung und Hoffnung. Der 44-Jährige ist nicht nur Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach, sondern auch Landesrabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG) und Polizeirabbiner von Baden-Württemberg.

Nach überlieferten Berichten sei die Sefer Tora noch vor den Novemberpogromen von 1938 in Sicherheit gebracht worden. Vermutlich überdauerte sie die Schoa auf einem Dachboden. Nun soll sie am 9. November im Stuttgarter Landtag vollendet werden.

Für den Rabbiner ist das mehr als ein religiöser Festakt, es ist auch ein gesellschaftliches Zeichen: »Während die Nazis jüdisches Leben in Deutschland auslöschen wollten, wird heute im Parlament eines demokratischen Staates eine neue Torarolle vollendet.« Das mache deutlich, dass jüdische Geschichte nicht mit der Schoa endet, sondern jüdisches Leben auch heute selbstbewusst gestaltet und an kommende Generationen weitergegeben wird, so der Rabbiner.

Der Landtag unterstützt die Initiative finanziell und ideell. Am 15. November soll die Tora dann in Lörrach feierlich eingebracht werden. Bis zur Restaurierung war es allerdings ein langer Weg. Als die wiederentdeckte Torarolle vor 18 Jahren von einer Privatperson in die Synagoge zurückgebracht wurde, befand sie sich in schlechtem Zustand. Vor allem das Pergament waren stark beschädigt.

Berichten zufolge wurde die Tora noch vor den Novemberpogromen in Sicherheit gebracht.

Ein Sofer, ein Toraschreiber, wurde in Israel beauftragt

Auf Initiative von Rabbiner Flomenmann entwickelte die jüdische Gemeinde Lörrach gemeinsam mit Rami Suliman, dem Vorsitzenden der IRG Baden, das Projekt »Tora Altnaj«.

»Der Name verbindet zwei Gedanken: Die Tora ist alt, doch ihre Botschaft bleibt stets neu. Zugleich verweist der hebräische Ausdruck ›Al Tenai‹ (unter der Bedingung) auf die Verantwortung jeder Generation, die Tora nicht nur zu empfangen, sondern sie zu bewahren, zu leben und an die nächste Generation weiterzugeben.«

Ein Sofer, ein Toraschreiber, wurde in Israel beauftragt, ein »neues, den religiösen Vorschriften entsprechendes Pergament« zu schreiben. Die ursprünglichen Torahölzer (Ez Chajim) wurden sorgfältig restauriert und bleiben erhalten.

Auch wenn das Pergament erneuert wurde, bleiben die Geschichte, die Erinnerung und die besondere Bedeutung der über 200 Jahre alten Torarolle bewahrt. So verbindet die restaurierte Torarolle ihre historische Vergangenheit mit einer lebendigen jüdischen Zukunft. Die beschädigten Pergamente sollen als Zeugnis jüdischer Geschichte erhalten bleiben und demnächst in einem Museum ausgestellt werden.

Flomenmann wollte jedoch nicht, dass das Projekt allein Sache von Erwachsenen und Fachleuten bleibt. Auch deshalb beteiligten sich Schülerinnen und Schüler der Montfort-Realschule in Zell im Wiesental an der Aufarbeitung der historischen Holzrollen. Die Jugendlichen beschäftigten sich nicht nur handwerklich mit der Torarolle, sondern erfuhren auch, welche Bedeutung sie für das jüdische Leben hat.

»So wird Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern aktiv weitergegeben«, sagt Rabbiner Flomenmann. »Diese Torarolle ist für mich ein Hoffnungsträger. Sie zeigt, dass es auch in dunklen Zeiten hellere Momente gibt.«

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