Integration

Sportliche Mission

Makkabi versucht, seine Mitglieder in die jüdische Gemeinschaft einzubinden

von Elke Wittich  13.12.2010 17:46 Uhr

Die Regeln sind überall gleich: Daher ist Kicken erst einmal einfacher als Reden.

Makkabi versucht, seine Mitglieder in die jüdische Gemeinschaft einzubinden

von Elke Wittich  13.12.2010 17:46 Uhr

Wenn es in Talkshows und Politikerreden um das Thema Integration geht, dauert es meist nicht lang, bis das Stichwort Sport fällt. In den Aufzählungen der Klubs, die sich besonders darum bemühen, Migranten aufzunehmen, kommen die jüdischen Makkabi-Vereine dann meist allerdings nicht vor. Dabei bieten gerade sie doch den Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion eine sportliche Heimat. Gehört Integration ausdrücklich zu den Zielen von Makkabi oder eher sportliche Leistungen?

Geborgenheit Doch, man habe »viel geleistet in den vergangenen Jahrzehnten. Makkabi ist ein großes Vehikel der Integration, vor allem dann, wenn es für Zuwanderer noch sprachliche Barrieren gibt«, sagt Mordechai Tichauer, von allen kurz Motti genannt. Vor allem für die jungen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion seien die jüdischen Vereine »ein Türöffner, sich in die jüdische Gemeinschaft hineinzuintegrieren«, beschreibt der mittlerweile zum Sportdirektor der Maccabi Europa Exekutive Avancierte. Dabei gehe es nicht nur darum, Hilfestellung beim Lernen der neuen Sprache zu leisten, sondern eben auch darum, »durch den Sport jüdische Werte zu vermitteln. Wir sind keine Rabbiner auf dem Fußballplatz«, sagt Tichauer, »aber wenn ein Jude bei Makkabi spielt, dann ist er zu Hause. Die Begriffe Heimat, Judentum, Zionismus, das alles macht Makkabi aus.«

In anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in den baltischen Staaten, seien die Vereine für das Heranführen junger Juden an die Traditionen allerdings »noch wichtiger als hier, wo es gut funktionierende Gemeinden gibt«. Für alle Vereinsmitglieder, egal aus welchem Land, gelte aber gleichermaßen: »In dem Moment, wo man einen Makkabi-Stern auf der Brust trägt, ist man ein Repräsentant des jüdischen Volkes, man trägt eine Verantwortung.«

Neuaufbau Doch Makkabi-Vereine gibt es nicht überall. Gerade in Städten mit kleineren jüdischen Gemeinden fiele diese Integrationsmöglichkeit weg. Und wenn man einen Verein neu gründen wolle, so rät Tichauer dazu, ihn »langsam aufzubauen«. Man müsse erst Sportler akquirieren und zunächst Einzelsportarten anbieten, erst dann sollte man daran denken, auch Mannschaftssportarten zu betreiben.« Wichtig sei, fügt Tichauer hinzu, »sich nicht auszugrenzen, sondern mitzumachen auf der lokalen Ebene«.

Es habe sich in Deutschland zwar schon viel verändert, sagt der aktiver Tennisspieler, »Wir sitzen nicht mehr auf gepackten Koffern, wir sind hier, weil wir jüdisches Leben gestalten wollen, und Makkabi ist ein guter Weg dazu. Unsere Mission ist es schließlich, jüdische Identität und jüdische Kontinuität zu stärken.« Und das sei bei den Zuwanderern bislang ganz gut gelungen.

Alon Mayer, Präsident von Makkabi Frankfurt, dem größten deutschen Verein der jüdischen Sportfamilie, pflichtet Tichauer bei: »Neben der Zentralwohlfahrtsstelle hat Makkabi wohl die vielleicht wichtigste Rolle bei der Integration der Zuwanderer.« Das Schöne am Sport sei schließlich, dass »Herkunft und Muttersprache egal sind, die Regeln sind schließlich international«.

Verantwortung Die russischsprachigen Kinder und Jugendlichen, die vor zehn oder 15 Jahren zum Sporttreiben in den Verein kamen, seien »nun Funktionäre, Trainer, Betreuer, leiten ganze Mannschaften oder gar Abteilungen«. Entsprechend positiv fällt Mayers Fazit aus: »Man kann sagen, sie sind in die Gesellschaft und in die Verantwortungsübernahme integriert worden.« Dabei habe man keineswegs extra unter den Zuwanderern geworben, »das war nicht nötig, die Mund-zu-Mund-Propagada hat gereicht«.

Natürlich, gibt Mayer zu, sei die Konkurrenz zu den nichtjüdischen Vereinen groß, »denn wir sind nun einmal kein Ortsverein, sondern ein Glaubensverein, und existieren auch erst seit 1965«. Im Gegensatz zu alteingesessenen Klubs kennt man in Frankfurt den Luxus der kurzen Wege nicht. »Wir haben keinen festen Stadtteil, in dem wir mit allen Sportarten ansässig sind, wir sind über Frankfurt verstreut, aber den altersbedingten und geografischen Nachteil machen wir eben mit Qualität wett.«

Schabbatruhe Dazu gehört auch, dass man vor allem Kindern und Jugendlichen »Jüdischkeit näherbringen will. Wir halten beispielsweise die Hohen Feiertage ein und spielen dann nicht. Am Freitagabend werden unsere Trainingseinheiten eingestellt.« Die Kinder wachsen zudem automatisch in die Gemeinde hinein, »immer wieder kommen sie mit Jüdischkeit in Berührung, und das nicht aufgezwungen, sondern beiläufig mitgenommen«, erklärt Mayer.

Man werde beispielsweise zu Bar und Bat Mizwa anderer Vereinsmitglieder eingeladen. »Und statt Weihnachtsfeiern, wie sie die anderen Vereine haben, richten wir eben Chanukkafeste aus.« Makkabi rede nicht nur von Integration, sondern lebe sie auch, fügt Mayer hinzu, denn in den Vereinen treiben Juden, Christen und Muslime gemeinsam Sport, was eben auch dazu führe, dass das Verständnis für das Judentum verbreitet werde.

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