Hochschule

»Spaltung statt Austausch«

Michael Ilyaev ist Vorsitzender der Jüdischen Hochschulgruppe Düsseldorf. Foto: Privat

Hochschule

»Spaltung statt Austausch«

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fordert den akademischen Boykott Israels. Der jüdische Student Michael Ilyaev erklärt, warum er das für falsch hält

von Joshua Schultheis  15.04.2026 16:21 Uhr

Herr Ilyaev, das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf hat sich für einen Abbruch aller akademischen Kooperationen mit israelischen Einrichtungen ausgesprochen. Wie bewerten Sie das Zustandekommen dieses Beschlusses?
Ich war selbst als Gast bei der Abstimmung am Montagabend anwesend. Dass es eine Mehrheit für den vom Düsseldorfer Ableger der israelfeindlichen Boykott-Bewegung BDS eingebrachten Antrag geben würde, habe ich erwartet. Immerhin ist der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband (SDS), der der Linkspartei nahesteht, mit sieben von 17 Sitzen die stärkste Kraft im Parlament. Dass dann aber so viele Hände hochgegangen sind, hat mich doch überrascht. Nur die drei Vertreter des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und der Liberalen Hochschulgruppe haben dagegen gestimmt.

Was genau kritisieren Sie an der Boykott-Forderung?
Zunächst ist das Argument der Antragsteller, israelische Hochschulen seien nicht unabhängig von der Regierung, schlicht falsch. In Israel herrschen Demokratie und akademische Freiheit. Außerdem ist der Draht nach Israel für die Heinrich-Heine-Universität in mehrfacher Hinsicht wichtig: Zum einen profitiert die Forschung in Düsseldorf von der Kooperation mit israelischen Einrichtungen, nicht zuletzt an der medizinischen Fakultät, an der ich selbst studiere. Zum anderen gibt es einen regen Studierendenaustausch mit Israel, was zu mehr Verständnis zwischen beiden Ländern beiträgt. Im Gegensatz dazu setzt der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments statt auf Austausch auf noch mehr Hass und Spaltung.

»Unsere Rektorin Anja Steinbeck hat israelfeindlichen Umtrieben früh deutliche Grenzen gesetzt.«

Wie hat sich die Stimmung auf dem HHU-Campus infolge des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs verändert?
Unsere Rektorin Anja Steinbeck hat israelfeindlichen und antisemitischen Umtrieben früh deutliche Grenzen gesetzt. Auch deshalb ist die Situation an der HHU nicht ganz so schlimm wie an anderen Hochschulen. Es gab zwar ein »propalästinensisches« Protestcamp, zu Übergriffen kam es aber zum Glück nie. Für uns jüdische Studierende war ein Fall jedoch sehr besorgniserregend: Im Juli 2024 wurden in einem Hörsaal mehrere antisemitische Kritzeleien wie »Happy Holocaust« oder »Juden – Gas« entdeckt. Der Urheber ist bis heute unbekannt. Nach dem Waffenstillstand in Gaza dachte ich eigentlich, die Lage beruhigt sich. Nun wurde ich eines Besseren belehrt.

Wie hat die Universitätsleitung auf die Boykott-Forderung reagiert?
Die Rektorin hat sofort das richtige Signal gesendet: In einer Pressemitteilung hat sie einen akademischen Boykott entschieden abgelehnt und sich für die Fortführung des Austauschs mit Israel ausgesprochen.

Mit dem Medizinstudenten der Heinrich-Heine-Universität (HHU) und Vorsitzenden der Jüdischen Hochschulgruppe (JHG) Düsseldorf sprach Joshua Schultheis.

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026

Interview

»Ich kann daraus lernen«

Rabbiner Avigdor Moshe Nosikov hat eine ungewöhnliche Umfrage durchgeführt: Wie zufrieden sind die Mitglieder der Dortmunder Jüdischen Kultusgemeinde mit seiner Arbeit?

von Christine Schmitt  18.06.2026

Berlin

Kampflibellen am BER

Bei der gerade zu Ende gegangenen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Schönefeld haben auch israelische Firmen die neueste Technik vorgestellt. Ein Besuch zwischen Kraftstofftanks und Drohnenabwehr

von Leon Stork  18.06.2026

Nordrhein-Westfalen

Landtag ehrt Sieger von »Shalom - Jüdisches Leben heute«

Mehr als 2200 junge Menschen haben mit mehr als 450 Beiträgen jüdisches Leben greifbarer gemacht

 17.06.2026