Hamburg

»Seid stolz darauf, jüdisch zu sein!«

ZWST-Präsident Abraham Lehrer hält die Eröffnungsrede des Jugendkongresses. Foto: Jan Feldmann

Der Jugendkongress unter dem Motto »Strong. Jewish. Here.« ist am Donnerstagabend in Hamburg eröffnet worden. Bis zum 1. März wollen sich die etwa 400 Teilnehmer, junge Jüdinnen und Juden im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, austauschen, vernetzen und miteinander diskutieren. Die Tagung findet bis zum 1. März statt und wird von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) in Kooperation mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland ausgerichtet.

Bei der Eröffnungsveranstaltung sagte ZWST-Präsident Abraham Lehrer den Teilnehmern des Jugendkongresses: »Drei Tage lang könnt ihr in einem geschützten Raum eure Gefühle und Meinungen äußern.« Lehrer stellte die Veranstaltung in den Kontext des wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Juden würden zunehmend isoliert und von Nichtjuden gemieden, sagte der ZWST-Präsident und Vizepräsident des Zentralrats. Einen »schlimmsten« Antisemitismus gebe es dabei nicht, so Lehrer, es sei »wie Pest oder Cholera«.

Zentralratspräsident Josef Schuster nannte in seiner Rede den Jugenkongress »eine Feier der jüdischen Zukunft in Deutschland«. Auch er betonte, dass seit dem 7. Oktober 2023 »die Sicherheit jüdischen Lebens nicht mehr selbstverständlich« scheine. Doch müsse es »lebendig und sichtbar bleiben«, so Schuster. Hier habe vor allem die junge Generation eine ganze besondere Verantwortung. »Ihr sollt mitdenken und mitgestalten, denn auf euren Schultern liegt die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.«

»Seid stolz darauf, jüdisch zu sein«, gab Ron Prosor, der Botschafter Israels in Berlin, den Teilnehmern des Jugendkongresses mit auf den Weg. Es sei nachvollziehbar, dass viele Juden in Deutschland Angst haben, sich offen als jüdisch zu zeigen, sagte Prosor. Der 7. Oktober 2023 habe nicht nur in Israel, sondern auch in der Diaspora »tiefe Wunden geschlagen«. Doch Stärke bedeute, »sich von der Angst nicht bestimmen zu lassen«, so der Botschafter. Es sei wichtiger denn je, selbstbewusst jüdisch zu sein.

Veranstaltungen mit Politikern, Aktivisten und Journalisten

Hamburg ist zum zweiten Mal Gastgeber der bundesweit größten Konferenz für jüdische junge Erwachsene. Der Kongress verstehe sich als Forum für eine Generation, die sich als aktiver Teil der deutschen und europäischen Zivilgesellschaft sehe und Verantwortung übernehmen wolle, sagten die Organisatoren im Vorfeld. Zugleich reagiere die Veranstaltung auf eine spürbar gestiegene Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland.

Geplant sind Gespräche, Workshops, Exkursionen und Diskussionen mit jungen Journalisten, Politikern sowie Aktivisten. An einer Podiumsdiskussion unter dem Titel »Demokratie im Stresstest« beteiligen sich der Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), Ron Dekel, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die EU-Koordinatorin zur Bekämpfung von Antisemitismus, Katharina von Schnurbein, die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor sowie der SPD-Politiker Ralf Stegner.

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Am Samstag erwarten die Juko-Teilnehmer unter anderem Workshops mit der Autorin Ronya Othman zur Situation von Minderheiten in Syrien, der Knesset-Abgeordneten Pnina Tamano-Schata über Frauen in Führungsrollen oder dem Journalisten Frederik Schindler über sein neues Buch zum AfD-Politiker Björn Höcke.

Am Sonntag findet eine Podiumsdiskussion zum Thema Wehrpflicht und Bundeswehr statt. Ebenfalls Teil des Programms ist die Vollversammlung der Jüdischen Studierendenunion Deutschland. ja/kna

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