Service

Pessach im Paket

In diesem Jahr ist alles anders. Denn um das Coronavirus einzudämmen, sind alle aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Das heißt für viele Juden, den Pessach-Gottesdienst online zu verfolgen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sederabende, die sonst in großer Runde gefeiert werden, nicht stattfinden können, denn es gilt, Abstand auch zu seinen Liebsten zu halten.

In einer solchen Situation sind die Pessach-Pakete und -Boxen ein wahrer Lichtblick. »Bei uns haben nun auch Eltern für ihre Kinder Pakete bestellt«, sagt Marat Schlafstein, Mitarbeiter beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Aktion ist ein gemeinsames Projekt der Zentralwohlfahrtsstelle und des Zentralrats. 1300 Pakete sind bisher bestellt worden, 300 mehr als in den vergangenen Jahren.

Kidduschwein Ein solches Paket enthält Mazze, Mazzemehl, eine Flasche Kidduschwein, eine Dose israelische Salzgurken und eine Packung Osem Mazzeball-Mix. Kostenpunkt: knappe acht Euro. Wer eine Pessach-Haggada dazu erwerben möchte, zahlt fünf Euro mehr.

Die ersten Pakete für junge Leute zwischen 18 und 35 wurden schon vor Wochen versendet.

Denn wenn die jüngere Generation – diese Aktion ist ein Angebot für junge Leute zwischen 18 und 35 Jahre – schon nicht nach Hause fahren kann, so ist sie doch mit dem Inhalt des Pakets für Pessach gut versorgt. Seit einigen Jahren gibt es das Angebot, das gern in Anspruch genommen wird. Die ersten Pakete wurden schon vor Wochen im Lager in Ludwigsfelde bei Berlin gepackt und verschickt.

https://www.instagram.com/p/B-Xe6Udoulh/

Bis Anfang dieser Woche wurden Bestellungen berücksichtigt. »Wir wollen ja sichergehen, dass die Pakete rechtzeitig ankommen«, sagt Marat Schlafstein. Außerdem werden den Paketen Informationen über Veranstaltungen der ZWST und des Zentralrats beigelegt. »So bringen wir Pessach zu Ihnen nach Hause«, heißt es.

Mischpacha Ein Erfolgsschlager sind auch die Pessach-Boxen für junge Familien, die über das Zentralratsprogramm »Mischpacha« angeboten werden. »Mit Ba­bys und Kleinkindern ist es nicht immer einfach, an alles zu denken, was für die Feiertage beachtet werden muss. Die MischpaBoxen bieten daher eine optimale Unterstützung zur Vorbereitung auf die Feiertage«, sagt Shila Erlbaum, Mitarbeiterin beim Zentralrat. Immer mehr Familien melden sich zu diesem Programm an.

In den Mischpacha-Paketen gibt es Bastelmaterial, Puzzles, eine Haggada und Liedertexte.

»Unabhängig von Corona sind die Boxen schon vor einiger Zeit verschickt worden.« Auch dabei ist neben Bastelmaterial, Puzzles, einer Haggada und Liedern ein Elternbrief, in dem geschrieben steht, wie man Pessach feiert.

Das Programm werde sehr gut angenommen. »Und vor allem jetzt ist es hilfreich, dass wir Anregungen für die Feiern geben – denn viele junge Familien werden ohne ihre Eltern feiern.«

»Nicht jeder hat einen koscheren Laden in der Nähe«, sagt Marat Schlafstein. Und so haben auch nicht mehr ganz so junge Familien gefragt, ob sie ebenfalls ein Paket aus der Pessach-Aktion erwerben könnten. »Wir sind aber nicht in der Lage, das zu leisten. Ich verweise dann immer auf die Angebote der Gemeinden«, sagt Schlafstein.

In Aachen nahmen Mitarbeiter der Gemeinde schon seit Januar Pessach-Bestellungen auf.

In Aachen ist Gemeindemitarbeiterin Andrea Schröder im Stress. »So chaotisch und anstrengend war es noch nie«, erzählt sie. Seit mehr als zehn Jahren arbeite sie schon in der Jüdischen Gemeinde. Die Stadt liegt nur etwa 20 Kilometer von dem Coronavirus-Hotspot Heinsberg entfernt. Seit Anfang des Jahres nahmen die Mitarbeiter die Bestellungen der Mitglieder auf.

Abholung In den vorherigen Jahren konnten die Gemeindemitglieder ihre Bestellungen immer zu einem Termin abholen. »Es kamen immer ganz viele auf einmal.« Doch in diesem Frühling ist das unmöglich. Deshalb gibt es genaue Termine, zu denen mittels einer Schleuse von der einen Seite die Bestellungen und von der anderen der entsprechende Geldbetrag in einem Briefumschlag von den Kunden ausgetauscht werden.

Dazu bedarf es einer guten Organisation. Älteren Gemeindemitgliedern, die außerhalb der Stadt wohnen, werden die Pakete nach Hause gebracht. »Jeder, der ein Auto hat und verfügbar ist, fährt.« Gemeindevorsitzender Robert Neugröschel spendiert für die Älteren jedes Jahr Wein und Mazze.

Anders sieht die Situation in Köln, im »Koscherland«, aus. Andauernd geht die Ladentür auf, alle wollen Mazze kaufen. Die Sorten Zwiebel, Vollkorn, Zwiebel-Eier und Schoko sind sehr gefragt. Ansonsten steht auf den Einkaufslisten das Übliche: Gurken, Gefilte Fisch, Suppen, Peperoni. Aber die Stimmung sei anders als sonst, denn die Leute würden sich Sorgen machen, erzählt Verkäufer Kambiz Alizadeh.

Die koscheren Lebensmittelläden haben jetzt Hochkonjunktur.

Bei »Danel Feinkost« in München ist es schwierig, jemanden telefonisch zu erreichen, da viel Kundschaft im Laden bedient werden will. Im Lager, wo die Mitarbeiter die Ware zusammenpacken und versenden, wird der Hörer hingegen nach kurzem Klingeln abgenommen. Glutenfreie Mazze gehe sehr gut, heißt es, auch ballaststoffreiche Sorten. Derzeit kann noch Ware auf Anfrage verschickt werden – auch bei Danel gilt: Pessach frei Haus.

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026

Erinnerung

Kunst mit Haltung

Das musikalisch-szenische Projekt »Und dennoch morgen« der Europäischen Janusz Korczak Akademie feierte im Gasteig Premiere

von Ellen Presser  28.06.2026