Berlin

Paten gesucht

Mit einem leichten Knistern sprühten die Wunderkerzen ihre kleinen Funken über den Tisch. Für eine halbe Minute war der ohnehin schon festliche Conference Room des Berliner Hotel Crowne Plaza noch einen Hauch feierlicher. Denn die WIZO-Spendengala »One Night for Children« erlebte gerade eine Premiere. Der Berliner Musiker Brandon Stone sang die offizielle WIZO-Hymne, die symbolisch für all das steht, wofür die Frauenorganisation eintritt: Hoffnung, Stärke und vor allem viel Herz.

Das brauchten die über 150 Gäste auch, denn dieses Mal ging es darum, Patenschaften für Kinder in Israel zu versteigern, damit ein Kind ein Jahr lang in einer WIZO-Einrichtung betreut werden kann. Mit 60 Patenschaften startete der Abend und endete bei 170. Ein Ergebnis, mit dem die WIZO-Berlin-Vorsitzende Michal Gelerman sehr zufrieden ist. Für sie war es sowieso ein emotionaler Abend, denn dies war ihre letzte Spendengala als Vorsitzende. Bei den kommenden Wahlen wird Gelerman nicht mehr kandidieren.

WIZO-Männer Allerdings waren für einen kurzen Moment neben den Kindern, auch die WIZO-Ehemänner in den Fokus gerückt. Denn sie stünden sonst stets im Schatten ihrer erfolgreichen WIZO-Ehefrauen, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, nicht ganz ohne Augenzwinkern in seiner Rede. Graumann selbst ist seit Jahren durch das Engagement seiner Frau Simone mit der WIZO eng verbunden.

Er ist, wie er betont, in dieser Zeit ein Fan geworden. »Wer auch nur ein einziges Mal eine WIZO-Institution in Israel besucht hat«, sagte Graumann, für den bekomme die Begeisterung, mit der sich die Frauen für die Organisation einsetzten, »eine Perspektive, und ein Gesicht«. Schließlich sei die WIZO eine »Weltmeisterin der Menschlichkeit«.

Und diese Menschlichkeit wird an Kinder weitergegeben, die in 175 Kindertagesstätten in Israel betreut werden, die Hilfe beim Lernen benötigen oder aus schwierigen Familienverhältnissen kommen. Um diesen Kindern ein unbeschwertes Aufwachsen zu ermöglichen, brauche man lediglich 1,36 Euro am Tag, sagte Michal Gelerman.

Platz vier Für das Engagement stehe auch die goldene WIZO-Nadel, auf die Deutschland Vorsitzende Diana Schnabel besonders stolz ist. Und noch etwas machte Schnabel glücklich: dass die deutsche WIZO im vergangenen Jahr bei den weltweiten Spenden hinter Großbritannien, der Schweiz und den USA auf Platz vier landete.

Eine der Frauen, die sich seit über 35 Jahren für das Wohl der Kinder einsetzt und die Diana Schnabel die »Grande Dame« der WIZO nannte, ist Jeanette Albeck. Sie war viele Jahre bei der WIZO aktiv und wäre es eigentlich noch heute gern: »Es fehlt mir schon«, sagt sie und erinnert sich: »Wir haben damals unter ganz anderen Umständen arbeiten müssen als die Frauen heute – die Zeiten haben sich geändert.« Aber sie hat Vertrauen in die nächste Generation: »Die Jugend muss die Ideen der WIZO aufrechterhalten.« Und das tut sie. So wie Lea Vajnorsky und Sharon Dub. Die beiden Mittzwanzigerinnen sind seit Kurzem Mitglieder der Frauenorganisation und haben viel vor.

So will Lea sich eine der 175 WIZO-Einrichtungen in Israel ansehen, um zu erfahren, wie es den Kindern vor Ort geht, wie sie betreut werden und wie ihnen geholfen wird. Das hat Sharon schon erlebt, und es sei für sie als »Young WIZO« eine gute Erfahrung gewesen. Beide sind mit der Frauenorganisation groß geworden und wissen, was es bedeutet, für andere einzustehen.

Fantasie So betonte Dieter Graumann auch: »Die WIZO füllt die Lücken passgenau, die der Staat in Israel oft lässt – lassen muss – und sorgt dafür, dass die Menschen, die in schwierigen Verhältnissen leben, nicht ganz auf der Strecke bleiben.« WIZO mache dies mit Fantasie, Herzblut und eben einem solchen Abend, an dem auch der Moderator Ralph Morgenstern seine Freude hatte.

Morgenstern, der mit viel Witz durch die Spendengala führte, konnte zwar keine Hora mehr tanzen, auf die er so sehnsüchtig gewartet hatte, aber die WIZO-Manie, wie Dieter Graumann das Engagement nannte, hatte auch Morgenstern erfasst. Seine »WIZO-Mädels«, wie er sie nennt, haben alles gegeben.

www.wizo-ev.org

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

WM 2026

Tooooooooooooooooor!

Zwischen Training, Turnieren und Stadionbesuchen: Jüdinnen und Juden berichten, warum Fußball für sie mehr ist als das runde Leder

von Christine Schmitt  12.06.2026

Jewrovision

»Wir glauben an uns«

Die Jugendlichen von Neschama performten einen eindrucksvollen Act und räumten den begehrten Videopreis ab

von Luis Gruhler  11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Kulturfest

Jüdische Woche in Leipzig

70 Leipziger Institutionen und Vereine gestalten ein Programm zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Erwartet werden internationale Gäste

 11.06.2026

Dresden

Elnet: Initiative soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Kampagne ist Teil des Themenjahres »Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026« und wird zunächst sechs Wochen sichtbar sein

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026