Dresden

Party und Politik

Israel ist ein Land der Lebensfreude!» Von ihrer Feststellung schien Elftklässlerin Lisa aus Markkleeberg selbst überrascht. «Zwar ist in den deutschen Medien viel von Israel die Rede. Aber in den Nachrichten geht es fast immer um Konflikte. Von Lebensfreude keine Spur.» Ihren neuen Blick auf das Land im Nahen Osten verdankt Schülerin Lisa dem Israeltag. Seit etlichen Jahren organisieren die Botschaft des Staates Israel und Bildungseinrichtungen den Projekttag, der unter dem Motto steht «Israel – anders kennenlernen.» Zum vierten Mal fand die Veranstaltung in Sachsen statt. Und noch nie war die Resonanz so groß, stellt Lutz Tittmann von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung fest und freut sich darüber. Rund 600 Schüler der Klassen zehn bis 13 und zahlreiche Lehrer waren am 14. September der Einladung ins Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden gefolgt.

fragen Auf sie wartete ein Seminarprogramm mit sieben Schwerpunktthemen zum israelischen Alltag: von Religion bis Sport, von Hightech bis Umweltschutz. Den Organisatoren kam es darauf an, vorgefertigte Meinungen ins Wanken zu bringen: «Wenn die Schüler mit vielen Fragen nach Hause gehen, haben wir unser Ziel erreicht», sagte Sandra Witte, Pressereferentin der israelischen Botschaft.

Jenseits von Politik und Konflikten wolle man den jungen Leuten Israel ein Stück näherbringen. «Auch wenn die diplomatischen Verhältnisse zwischen Deutschland und Israel noch so gut sind – lebendig wird die Beziehung erst dann, wenn sich auch die Menschen kennenlernen», betonte die Botschaftsmitarbeiterin.

Dass man in Israel jede Menge Spaß haben kann, war vielen sächsischen Schülern neu. Aber das Seminar von Maor Shani, einem angehenden Friedenspsychologen, ließ daran keinen Zweifel. Dass er seinen Vortrag auf Englisch hielt, störte niemanden, denn Maor Shani illustrierte «Real Life in Israel» mit zahlreichen Videos. Der Student empfahl Tel Aviv als Party-Metropole, gab einen Einblick in die israelischen Musik-Charts und anschauliche Beispiele des mitunter drastischen israelischen Humors: «We make fun of everything». Witze über Religion, Terror und den Holocaust – da staunten die deutschen Schüler nicht schlecht.

Doch trotz aller Heiterkeit waren sie damit auch wieder präsent – die Probleme Israels. Wer macht sich in Deutschland beim Shoppen schon Gedanken über einen Anschlag? Wer muss mehrmals am Tag Sicherheitskontrollen hinnehmen? Auch der Wehrdienst erregte die Gemüter. Drei Jahre Militärdienst – das fanden die deutschen Schüler einfach nur «krass».

Dass auch im Sport in Israel manches anders ist, berichtete Professor Manfred Lämmer, Leiter des Instituts für Sportgeschichte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Lämmer beeindruckte sein überwiegend männliches Publikum nicht nur mit Fußballwissen, sondern erklärte auch, warum Israel als asiatisches Land an europäischen Turnieren teilnimmt. Auch die Religion spielt beim Sport mit: Fußballmatches am Schabbat – das geht, aber erst, wenn er fast vorbei ist. Internationale Turniere an jüdischen Feiertagen hingegen sind für israelische Athleten ein Problem.

Antworten Kein leichtes Thema hatten sich die Besucher des Seminars «Aspekte der jüdischen Religion» vorgenommen. Doch Sachsens Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl bemühte sich um verständliche Vergleiche zwischen den großen monotheistischen Religionen. «Jeder glaubt, seine Religion sei die beste. Wenn wir tot sind, treffen wir uns alle oben und gucken, wer recht hatte», erklärte der Rabbiner gut gelaunt. Oberstufenschüler Robert aus Kamenz war begeistert: «Ein ganz toller Rabbiner! Ich hätte mir die jüdische Religion viel verstaubter vorgestellt.»

Allen neuen Erkenntnissen zum Trotz zeigte der Israeltag aber auch, dass den Jugendlichen vor allem die Themen Holocaust und die Konflikte um Siedlungsbau und Palästinersergebiete unter den Nägeln brennen. In einer Podiumsdiskussion mit Jürgen Staupe, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Kultus und Sport, dem Gesandten der Botschaft des Staates Israel, Emmanuel Nahshon, und Antje Urban, die in Tel Aviv und Dresden studiert, wollten die Schüler vor allem wissen, wie junge Israelis zum Holocaust stehen und wie sensibel man in Israel auf fremdenfeindliche Tendenzen in Deutschland reagiert.

Wieso eigentlich, wollte zum Schluss eine Schülerin wissen, sind Veranstaltungen wie der Israeltag nötig, wenn doch das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland so harmonisch sei? «Auch das Verhältnis zu Freunden muss man pflegen», antwortete Staatssekretär Staupe. Emmanuel Nahshon beantwortete die Frage aus israelischer Sicht. An die Schüler gewandt sagte er: «Unsere Vergangenheit ist kompliziert. Das ist nicht Ihre Schuld, aber es ist Ihre Verantwortung. Wir haben ein gemeinsames Schicksal.» Dem stimmten die Schüler mit viel Beifall zu.

Alija

Darum bleibe ich

Der 7. Oktober hat unsere Autorin zu einem anderen Menschen gemacht. Und beinahe wäre sie nach Israel ausgewandert. Vieles aber hält sie hier – aus gutem Grund

von Barbara Bišický-Ehrlich  23.07.2026

Interview

»Kiddusch mit Empanadas«

Daniela Rusowsky über die lateinamerikanische Gemeinschaft in Berlin, Melodien aus der Heimat und die Bedeutung von Kabbalat Schabbat

von Mascha Malburg  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026