München

Mit Sorge ins neue Schuljahr

Das Coronavirus lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Die Auswirkungen der seit einem halben Jahr akuten Pandemie beeinflussen auch nach den Sommerferien den Unterrichtsbetrieb im Jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz. Am Dienstag begann das neue Schuljahr – mit Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse.

Diese Anordnung der Bayerischen Staatsregierung, die für alle Schulen gilt, ist zunächst auf die ersten zehn Unterrichtstage beschränkt. Wie es danach weitergeht, wird dem Kultusministerium zufolge kurzfristig entschieden und ist von der aktuellen Entwicklung der Pandemie abhängig.

Alle in der Israelitischen Kultusgemeinde hoffen, um einen zweiten Lockdown herumzukommen. »Aber Corona wird uns auf jeden Fall noch länger beschäftigen«, schätzt Anita Kaminski die Situation zu Beginn des neuen Schuljahres mit Blick auf die Sinai-Schule und das Gymnasium ein. Sie leitet die Kommission Schule, ist ein Bindeglied zwischen Präsidium, Vorstand, Schulen und Krisenstab und bestens mit der Materie vertraut.

Alle in der IKG hoffen, um einen zweiten Lockdown herumzukommen.

Aus dieser Position heraus fällt ihr Fazit nach einem halben Jahr unter »Corona-Regie« keineswegs negativ aus. »Schulleitungen und Lehrkräfte haben unsere Kinder unter diesen Umständen optimal betreut«, stellt Anita Kaminski fest und benutzt in diesem Zusammenhang auch das Wort »liebevoll«.

Welche Anstrengungen vonseiten der Schulen notwendig waren, um in Corona-Zeiten keinen Schiffbruch zu erleiden, hatten die Schulleiterinnen Miriam Geldmacher (Gymnasium) und Claudia Bleckmann (Sinai-Schule) an einem Informationsabend beschrieben, der live übertragen wurde und in der IKG-Mediathek abgerufen werden kann.

management In der Mediathek ist auch der Beitrag »Wir bleiben Herr der Lage« zu finden, die Aufzeichnung einer Gesprächsrunde mit dem vierköpfigen IKG-Krisenstab, der aus Vizepräsident Yehoshua Chmiel, Geschäftsführer Steven Guttmann, Sicherheitschef Gilad Ben Yehuda und Guy Fränkel besteht. »Ihr schnelles und konsequentes Management war ein entscheidender Faktor dafür, dass wir die Pandemie bisher so gut überstanden haben«, betont Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Massive Einschnitte ins Gemeindeleben waren dennoch unvermeidbar, insbesondere zu Zeiten des Lockdowns. Kulturelle Veranstaltungen, die vor allem von ihren Besuchern leben, konnten nicht stattfinden, Synagoge und Jugendzentrum blieben geschlossen, es gab keinen Publikumsverkehr am Jakobsplatz. Zwangsläufig waren davon auch die Schulen betroffen. Aber ein pädagogischer Stillstand wurde nicht daraus.

Mit deutlich spürbarer Anerkennung weist die Vorsitzende der IKG-Schulkommission auf das hohe Engagement der Lehrkräfte hin, die gleichsam von einem Tag auf den anderen ein digitales und funktionierendes Unterrichtsprogramm entwickeln mussten. »Was hier geleistet wurde«, betonte Anita Kaminski, »verdient allerhöchsten Respekt.«

Die von der Corona-Krise ausgelöste und kostenintensive Digitalisierung des Schulbetriebs sei alternativlos gewesen, ist Anita Kaminski überzeugt und befindet sich damit auf einer Wellenlänge mit Charlotte Knobloch und Entscheidungsträgern wie IKG-Geschäftsführer Steven Guttmann. Sie alle haben die hohe Qualität der pädagogischen Performance im Auge, die Sinai-Schule und Gymnasium bekanntermaßen auszeichnen. Daran soll auch die Pandemie nichts ändern.

priorität Hinter solchen Feststellungen verbirgt sich ein elementarer Grundsatz des Gemeindelebens. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch bringt ihn bei passenden Gelegenheiten mit einem einfachen Satz auf den Punkt. »Kinder«, sagt sie in Bezug auf die IKG und das jüdische Leben, »sind unsere Zukunft. Sie genießen hohe Priorität.«

Dieser Einschätzung schließt sich die Vorsitzende der Schul-Kommission ohne jegliche Einschränkungen an. Für sie steht außer Frage, dass das »ausgezeichnete Bildungskonzept« der IKG, auch die Nähe zur Synagoge, ihre Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler hinterlassen. »Nicht nur die Lehrkräfte sind es, die dazu beigetragen haben, dass das Niveau der pädagogischen Arbeit auf hohem Level geblieben ist. Daran sind auch die Schüler beteiligt, die in der Krise vorbildlich agieren«, stellt Anita Kaminski fest.

Die Freude über das Wiedersehen war offensichtlich.

Während des Lockdowns, in dem auch im Gemeindezentrum nur ein Notbetrieb aufrechterhalten werden konnte, hatte Charlotte Knobloch auf einen Aspekt hingewiesen, der ihr naheging. »Trotz Telefon und Internet: Der persönliche Kontakt zu den Gemeindemitgliedern ist durch nichts zu ersetzen«, sagte sie. Mit solchen Aussagen stößt sie bei der Leiterin der Schulkommission auf offene Ohren, auch bei Lehrkräften und den Kindern selbst. Die Freude über das Wiedersehen war offensichtlich.

Eine weitgehende Normalisierung des Betriebs ist die Hoffnung des IKG-Kulturzentrums, das seine Veranstaltungen ins Internet verlegen musste. Auch wenn das digitale Angebot nach Aussage von IKG-Kulturchefin Ellen Presser immer größeren Zuspruch findet und erheblich erweitert wurde, so fehlt ihr doch der persönliche Kontakt mit den Besuchern.

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