Pessach

Mazzot, Gurken und Gefilte Fisch

Mazze zählt neben Wein, Knödel, Gurken und Gefilte Fisch zu den Verkaufsschlagern vor Pessach. Foto: Thinkstock

Yakov Israilovs Antwort auf die Frage, was in seinem Geschäft »Kosher King« in Düsseldorf derzeit am meisten gekauft wird, fällt sehr ausführlich aus: »Mazze aus Holland, Mazza-Jerusalem, Mazze-Yehuda, Eier-Mazze, Vollkorn-Mazze, Schoko-Mazze, Mazze-Mehl und Mazze-Schmura.« Sonst stehen auf den Einkaufszetteln seiner Kunden hauptsächlich Wein, Knödel, Gurken und Gefilte Fisch.

Auch in Halle fällt als erstes Wort »Mazze«. »Jedes Gemeindemitglied erhält kostenlos ein Kilogramm, Kinder können sich auch eine Packung Schoko-Mazza aussuchen«, sagt Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Halle. Wer selbst kochen möchte, kann auch zur Packung Mazzemehl greifen. Darüber hinaus können die Gemeindemitglieder Pessach-Artikel zum Einkaufs-Großhandelspreis erwerben, erklärt der Vorsitzende. Da es in Halle keinen koscheren Laden gibt, hat der Vorstand vorgesorgt, die koscheren Artikel in Berlin bestellt und sich schicken lassen.

Verkaufsschlager In Berlin ist Lali Silber von »Lampari« gerade etwas im Stress. Das Telefon klingelt ständig, neue Bestellungen werden durchgegeben, und in dem eher übersichtlichen Raum müssen die Waren sortiert und gepackt werden. »Unser Laden ist zu Pessach immer voller Menschen und Waren«, sagt Lali Silber. Da wären mehr Quadratmeter hilfreich. In diesem Jahr sind bei ihnen wieder die israelischen Mazzot Aviv ein Verkaufsschlager, ebenso Weine der mittleren Klasse, Gurken, Mazzemehl und Knödel.

Ähnliches berichtet auch Kamibiz Alizadeh von »Koscherland« in Köln. »Am meisten gefragt ist das Kilo-Paket Mazze Aviv«, sagt er. Nur wenige Kunden würden nach der Yehuda-Mazze fragen. Außerdem landen bei seinen Kunden Schoko-Mazze, Mazzemehl, Gefilte Fisch, Gurken und Weine im Einkaufswagen. Vor sieben Jahren hat Alizadeh den Laden eingerichtet – und vor allem zu Pessach und zu den Hohen Feiertagen im Herbst kommen die Kunden.

Auch in der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, denn bis zum 6. April können sich bedürftige Mitglieder die Pakete im Gemeindehaus an der Fasanenstraße abholen. In der Vergangenheit waren sie mit Mazze, Mehl, Wein und Kuchen gepackt. Ebenso organisieren die Mitglieder von Chabad Lubawitsch mehr als 1000 Pakete für Familien in Berlin und Umgebung, sagt Rabbiner Schmuel Segal.

Sponsor Pro Familie gibt es in Karlsruhe ein gesponsertes Paket von der Gemeinde mit Mazze, Kiddusch-Wein und Salzgurken. »Wir wollen allen unseren Mitgliedern die Möglichkeit geben, zu Hause Pessach feiern zu können«, sagt Daniel Nemirovsky. Das Besondere: Jugendliche packen die Pakete, erzählt Irina Grinberg, stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe.

Beim Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralwohlfahrtsstelle können Gemeindemitglieder zwischen 18 und 35 Jahren zum Selbstkostenpreis Pessach-Pakete bestellen. Das Basis-Paket kostet noch nicht einmal acht Euro, und in ihm sind Mazze, Mazzemehl, eine Flasche Kiddusch-Wein, eine Dose israelische Salzgurken sowie eine Packung Osem Mazzeball-Mix enthalten.

Für fünf Euro extra gibt es eine Haggada dazu. Vor drei Jahren startete diese Aktion. Während im vergangenen Jahr 500 Pakete verschickt wurden, sind es in diesem 700, gibt Mitarbeiter Marat Schlafstein Auskunft.

Produkte Auch in Wiesbaden gibt es kein eigenes Geschäft mit koscheren Waren. Zu Pessach wird jedoch ein Raum in der Gemeinde vorübergehend zu einem Supermarkt umfunktioniert. Die Gemeinde hat für ihre Beter französische und israelische Mazze, Mazzemehl, Weine, Säfte, Kuchen, vorgefertigte Knödel und Gefilte Fisch bestellt. Ganze Paletten seien mittlerweile eingetroffen, erzählt Andrea Brehm von der Verwaltung. Die Mitglieder können diese Waren nun zum Selbstkostenpreis erwerben. Mehr als 150 Personen aus der Gemeinde würden erfahrungsgemäß das Angebot annehmen.

In Wuppertal haben die Beter hingegen die Möglichkeit, bis zu einem Stichtag ihre gewünschten Produkte über die Gemeinde zu bestellen, erklärt Gemeindevorsitzender Leonid Goldberg. »Zum Selbstkostenpreis – und sie sparen auf diese Weise die Transportkosten.« Bis Ende März können die etwa 3200 Mitglieder noch ihre Bestellungen abgeben und Anfang April die Waren abholen.

CSD

Vom Feiern zum Schock

Auch viele queere Jüdinnen und Juden tanzten fröhlich auf Berliner Straßen – bis der Anschlag geschah

von Christine Schmitt  29.07.2026

Lesen

Zehn Welten

Die Journalistin Anna Lutz hat Jüdinnen und Juden porträtiert und darüber ein Buch veröffentlicht. Entstanden sind Geschichten zwischen Nähe und Distanz

von Leon Stork  28.07.2026

Kino

»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

von Christine Schmitt  28.07.2026

München

Vorhang auf für die Kids

Zum Start der Sommerferien führen die Kinder der Sinai-Grundschule ein Musical in englischer Sprache auf

von Luis Gruhler  28.07.2026

Worms

Ein Turm in der Erde

Seit ein paar Wochen können Besucher wieder die Mikwe besichtigen. Ein Ort mit einer langen Geschichte. Doch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren

von Mascha Malburg  28.07.2026

Interview

»Kiddusch mit Empanadas«

Daniela Rusowsky über die lateinamerikanische Gemeinschaft in Berlin, Melodien aus der Heimat und die Bedeutung von Kabbalat Schabbat

von Mascha Malburg  26.07.2026

München

Diplomatie und Freundschaft

Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens lud das israelische Generalkonsulat zu einem Festakt in den Kaisersaal der Residenz

von Luis Gruhler  26.07.2026

Porträt der Woche

Eine Stimme für Israelis

Eliran Hirsh möchte mit seinen Podcasts Landsleute weltweit vernetzen

von Lorenz Hartwig  26.07.2026

Berlin

Rabbinerkonferenz: Berliner Führerbunker jüdischer Gemeinde geben

Was wird aus dem alten Führerbunker in Berlin? Derzeit streiten Senat, Stadtplaner und Denkmalschützer um den richtigen Umgang mit der Ruine. Die Europäische Rabbinerkonferenz schaltet sich nun mit einem Vorschlag ein

 26.07.2026