Köln

Mannheim gewinnt die Jewrovision

Rot-schwarz karierte Hemden, Baseball-Jacken, ausgewaschene Hosen und Chucks – so durchgestylt zeigte sich das Jugendzentrum Or Chadasch am Samstagabend im Kölner XPost. Mit ihrem Song »Get up, stand up« lagen die Jugendlichen aus Baden-Württemberg ganz vorne und holten sich mit 104 Punkten den ersten Platz der Jewrovision 2015.

Or Chadasch feat. Jujuba, das Projekt der Jüdischen Gemeinde Mannheim und der IRG Baden, eroberte sich mit seiner Interpretation des Jewrovision-Mottos »Make a Difference« die Herzen des Publikums und der Jury.

Jury Das musikalische Original lieferte der amerikanische Rapper Macklemore und der ebenfalls amerikanische Produzent Ryan Lewis – die Mannheimer rappten von Anfang an drauf los und wollten ihrem Idol in nichts nachstehen. Was ihnen so gut gelang, dass die prominent besetzte Jury sich mit zehn, elf und zwölf Punkten förmlich gegenseitig überbot.

Jurymitglied Ralph Siegel war zwischenzeitlich derart verunsichert, für wen er denn nun seine Stimme abgeben solle, dass er sich komplett enthalten wollte. Es käme ihm vor, als seien das seine Kinder, die dort auf der Bühne ihr Bestes geben, sagte er. Das Eurovision-Song-Contest-Urgestein ließ sich aber doch noch überzeugen, am Voting teilzunehmen.

Voting Und das brachte in diesem Jahr gleich zwei zweite Plätze – eigentlich, denn obwohl Jachad aus Köln und das Jugendzentrum Chai aus Hannover die gleiche Punktzahl erzielt hatten, kamen die Kölner auf Platz zwei und die Hannoveraner auf den dritten Platz. Denn die Leiter der Jugendzentren hatten für Köln mehr Punkte gegeben als für Hannover.

Traurig waren aber auch diese Jugendzentren nicht – im Vergleich zu den vergangenen Jahren gab es diesmal keine Pfiffe oder Buh-Rufe des Publikums zur Entscheidung der Jury.

Zentralratspräsident Josef Schuster dankte allen Teilnehmern, den ehrenamtlichen Helfern und den Jugendleitern für ihren Einsatz. »Wie immer war die Jewrovision ein wunderbares Ereignis, das uns gerade in diesen Zeiten zuversichtlich nach vorne blicken lässt«, sagte Schuster.

Generell war das Niveau der Jewrovision, die »Make a Difference« zum Motto hatte, sehr hoch. Ausgefeilte Choreografien und professionelle Videos, in denen sich die einzelnen Jugendzentren vorstellen, machten jeden Auftritt einzigartig.

Hawdala Mit der Hawdala-Zeremonie hatte vor Beginn der #jewro2015, wie der offizielle Hashtag hieß, am Samstag in Köln der Schabbat geendet, und es begann ein Abend, auf den sich rund 1000 Kinder und Jugendliche aus 50 Gemeinden seit Wochen gefreut hatten.

Die Töne der letzten Proben waren gerade verhallt, der Saal im Kölner XPost füllte sich, Jugendzentren wie das Frankfurter Amichai und Wiesbadener JuZe Oz hielten ihre selbst gestalteten Transparente hoch.

Moderator Ben Salomo, der sich durch »Rap am Mittwoch« in Berlin einen Namen gemacht hatte, führte locker durchs Programm und konnte nachempfinden wie man sich fühlt, als Jugendlicher auf der Bühne zu stehen – schließlich liegen seine Wurzeln auch in der Jewrovision, nur dass die früher deutlich kleiner war.

Im 14. Jahr ist der größte jüdische Tanz- und Gesangswettbewerb Europas zu einer professionellen Show angewachsen, die sich nicht verstecken muss. Dass so viele Kinder und Jugendliche nach Köln gekommen waren, um nicht nur bei der Jewrovision, sondern auch beim Mini-Machane, das am 20. Februar begann, teilzunehmen, freute Zentralratspräsident Josef Schuster. »Mehr als 1000 Jugendliche bei einem Schabbatgottesdienst, das ist Gänsehaut pur«, sagte Schuster am Abend.

Video Die jungen Leute, die in diesem Jahr nicht auf der Bühne standen, erlebten eine tolle Bühnenshow mit allem, was das Show-Herz begehrt: starke Stimmen, ausgefeilte Choreografien und abwechslungsreiche Videos. Das Jugendzentrum Amichai aus Frankfurt am Main, das 2014 den Preis für das beste Video gewann und in diesem Jahr mit seinem Video Bollywood nach Köln brachte, ging zwar leer aus, aber sein »Schabbat Schalom«-Song rockte die Halle.

Den Preis für das beste Video konnten sich die Freiburger Jugendlichen aus dem Jugendzentrum Ekew und Mischpacha aus Emmendingen mit nach Hause nehmen. Ihr kleiner Film vor dem großen Auftritt berührte die Jury am meisten.

Und die hatte es – wie jedes Jahr – nicht einfach, den Sieger zu küren. Susan Sideropoulos, Linda Teodosiu, Ralph Siegel, Nachumi Rosenblatt, Andrea Kiewel, Maya Saban, Daniel Botmann und Rebecca Siemoneit-Barum hatten die schwierige Aufgabe, den Gewinner zu bestimmen, während das Publikum zu Teodosius und Jewdyssee-Songs tobte.

Dass es immer noch lauter geht, bewiesen die Jugendlichen dann bei der Siegerehrung und dem Auftritt von Or Chadasch feat. Jujuba, die vor Freude bestimmt noch die ganze Nacht hätten durchtanzen können – in rot-schwarz karierten Hemden, Baseball-Jacken, ausgewaschenen Hosen und Chucks.

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026

Unterfranken

Dem Hass die Stirn bieten

Nach dem brutalen Angriff auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft riefen prominente Redner bei einer Mahnwache in Würzburg zum Widerstand gegen Antisemitismus auf

von Stefan W. Römmelt  30.07.2026

CSD

Vom Feiern zum Schock

Auch viele queere Jüdinnen und Juden tanzten fröhlich auf Berliner Straßen – bis der Anschlag geschah

von Christine Schmitt  29.07.2026

Lesen

Zehn Welten

Die Journalistin Anna Lutz hat Jüdinnen und Juden porträtiert und darüber ein Buch veröffentlicht. Entstanden sind Geschichten zwischen Nähe und Distanz

von Leon Stork  28.07.2026

Kino

»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

von Christine Schmitt  28.07.2026