Berlin

Lachende Sopranistin

Hohe Töne: Yael Levita Foto: Stephan Pramme

Berlin

Lachende Sopranistin

Die Opernsängerin Yael Levita pendelt nicht nur zwischen Berlin und Tel Aviv, sondern auch zwischen Kunst und Religion

von Alice Lanzke  08.11.2010 14:20 Uhr

Einsam steht die Sängerin auf der großen Bühne, ein Scheinwerfer wirft seinen Kegel auf ihre Gestalt, während der Rest des Saals im Dunkeln liegt. Klagend erhebt sich ihre Stimme, trifft immer höhere Noten, während das Publikum gebannt und gerührt lauscht.

lachen Für viele Sängerinnen wäre dieser Moment ein Traum – nicht so für die Sopranistin Yael Levita: Sie möchte ihr Publikum lieber zum Lachen bringen. »Mein Hauptthema ist Humor«, sagt sie. »Viele wollen die Menschen berühren, gar zum Weinen bringen, aber ich liebe es, wenn bei meinen Auftritten gelacht wird.«

Dazu passen die heiteren Rollen, die sie für ihr erstes Engagement in einem Konzerthaus sang: Für das Nordharzer Städtebundtheater spielte sie das Zimmermädchen Adele in »Die Fledermaus«, die Komtesse Anastasia von Eggenberg in »Die Czárdásfürstin« und das junge Ännchen im »Freischütz«.

Für das Engagement pendelte die Israelin zwischen Sachsen-Anhalt und Berlin, wo sie seit zwei Jahren lebt. Dabei gestaltete sich der Anfang in Halberstadt schwierig, da die 28-Jährige zunächst kein Deutsch sprach, obwohl zu ihrem Repertoire vor allem deutsche Stücke gehören. »Es war wirklich frustrierend, weil ich kein Wort verstand«, erinnert sich Levita.

keine wahl Mittlerweile sei sie für den erzwungenen Crash-Kurs allerdings dankbar: »Manchmal ist keine Wahl die einzige Wahl.« Levita stürzte sich in die Arbeit mit dem Ehrgeiz, ihr Publikum nicht merken zu lassen, dass sie Ausländerin ist.

Das Gefühl, an einem fremden Ort vollkommen neu anzufangen, kennt Yael Levita nur zu gut: Sie kommt aus einer religiösen Familie jüdischer Siedler. Mit ihren Eltern, den drei Brüdern und einer Schwester lebte sie in einem kleinen Dorf in Samaria im nördlichen Westjordanland.

united Schon immer habe sie gerne gesungen, in der fünften Klasse wurde sie Solistin des Schulchors – um ihrer Mutter dann zu verkünden, sie würde Gesang studieren wollen. »Das war wirklich ungewöhnlich, denn in meiner Gegend sangen Frauen keine Soli«, erklärt Levita. Ihre Lehrerin erzählte ihr schließlich vom »Moran Chor«, einem führenden Mädchenchor in Israel.

Levita wurde dort aufgenommen – und fühlte sich erst einmal sehr fremd. »Ich kam mir mit meinem langen Rock zwischen all den Kibbuzniks und den Säkularen vor wie ein Alien«, erinnert sie sich. In der Rückschau sagt sie, sie habe in jener Zeit zwei Leben geführt: das religiöse im Dorf und das musikalische im Chor. »Heute bin ich aber sehr ›united‹«, lacht Levita.

Doch zunächst kam der Armeedienst, den sie ganz normal und nicht als Musikerin absolvierte. »Das war mir sehr wichtig, zum einen als patriotische Pflicht – und zum anderen aus sozialen Gründen, schließlich hatte ich meine Schulzeit nur mit Mädchen verbracht«, grinst sie augenzwinkernd.

Tel Aviv Nach ihrer Zeit bei der Armee wurde sie an der Buchmann-Mehta-Schule für Musik in Tel Aviv angenommen. »Hier begann meine Romanze mit deutscher Musik«, so Levita. Nach dem ersten Abschluss bot ihr der Direktor ein Stipendium für einen Master an, dazu machte sie beim Projekt »Israelische junge Opernsänger« mit. Den Master hat sie bislang aber noch nicht. »Ich hoffe immer noch, dass ich ihn eines Tages abschließe, aber bei den Auditions zählt einfach anderes«, so die Sopranistin.

Nach der Universität wurde sie für ein Jahr Mitglied des Opernstudios in Tel Aviv. Da Yael Levita allerdings von allen Seiten zu hören bekam, sie solle es mit einer internationalen Karriere versuchen, entschied sie sich, nach Berlin zu gehen, zumal ihre Lehrerin inzwischen hier lebte.

Berlin In Berlin fühlt sich die Sängerin mittlerweile wie in Tel Aviv: »Es kommen immer mehr Israelis in die Stadt, der Großteil meines Freundeskreises kommt aus Israel oder den USA.« Für sie bedeute die Stadt heute ein Stück Heimat, sie sehe eine starke Verbindung zwischen Israel und Deutschland. »Vor sieben Jahren habe ich einmal israelische Lieder im Bundestag gesungen und war damals sehr stolz und berührt, aber heute scheint das alles viel normaler.«

Gerne würde sie in Berlin bleiben, doch entscheidend sei, wo das nächste Engagement warte. Derzeit gibt Yael Levita viele Konzerte in Israel – nicht der einzige Grund für ihre häufigen Flüge in die Heimat. »Meine Familie übt zwar keinen Druck aus, aber ich spüre meinen religiösen Hintergrund und will in jedem Fall eine eigene Familie haben.« So hoffe sie, daheim einmal »den Richtigen« zu finden. Die Sopranistin bezeichnet sich selbst als traditionell: »Ich glaube an Gott und denke, dass ich ein Geschenk von ihm habe.«

Glaube Der Glaube helfe ihr in schweren Zeiten, zusammen mit dem Singen verbinde er sie mit den höchsten und niedrigsten Orten. »Das klingt jetzt aber wieder spirituell«, sagt Levita und muss plötzlich lachen.

Derzeit besucht sie Auditions für größere Rollen, und auch, wenn einer ihrer Träume ist, einmal im Royal Opera House Covent Garden in London zu singen, geht es ihr doch mehr um die Rollen als um die Häuser – wieder muss sie grinsen: »Gib mir eine Bühne und ein Publikum, das reicht!«

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