Schalom Aleikum

Junge Perspektiven

Zuhören, ins Gespräch kommen, Gemeinsamkeiten entdecken: Darum geht es bei dem jüdisch-muslimischen Dialogprojekt »Schalom Aleikum«, das seit 2019 vom Zentralrat der Juden in Deutschland organisiert wird. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe, bei der Juden und Muslime aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und Kontexten zum Austausch zusammenkommen, ist ein gleichnamiges Buchprojekt entstanden.

Am Montagnachmittag wurde der inzwischen bereits dritte Band der »Schalom Aleikum«-Reihe mit dem Titel Gehört werden – Jüdische und muslimische junge Erwachsene im Gespräch der Öffentlichkeit präsentiert. Die Buchvorstellung am fünften Tag von Chanukka war Bestandteil der Schalom-Aleikum-Jahreskonferenz »Durch unsere Augen. Junge Juden und Muslime im Dialog«.

Zum Auftakt betonte Zentralratspräsident Schuster die Bedeutung des Begegnungsformats »Schalom Aleikum«. »Die Stärke des Projektes ist, dass dort Menschen zusammenkommen, die nicht durch eine klassische Funktion in ihrer jeweiligen Religionsgemeinschaft miteinander verbunden sind, sondern die sich von Mensch zu Mensch begegnen und austauschen«, sagte Schuster. Dass also explizit keine Funktionäre, sondern Privatpersonen zum Gespräch zusammenkommen, die dann wiederum den Dialog in ihr Umfeld hineintragen, sei das Besondere an dem Projekt.

Einheit Die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Anette Widmann-Mauz (CDU) unterstützt »Schalom Aleikum« von Beginn an. »Das Projekt bringt Menschen auch in diesen herausfordernden Zeiten zusammen und wirft ein Licht auf das, was uns eint«, sagte die Integrationsstaatsministerin. Damit leiste das Projekt einen wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog und sei zudem ein Zeichen für den Zusammenhalt zwischen den Glaubensgemeinschaften.

Im neuen Band aus der »Schalom Aleikum«-Reihe kommen zehn junge Menschen zwischen 16 und 22 Jahren zu Wort.

In dem jetzt neu erschienenen Band der »Schalom Aleikum«-Reihe kommen zehn Menschen zwischen 16 und 22 Jahren zu Wort, die in Interviews über ihren Alltag, Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft und das interreligiöse Gespräch erzählen. Zwei der Protagonisten des Bandes waren am Montag zur Buchvorstellung mit anschließender Podiumsdiskussion nach Berlin gekommen. Im Gespräch mit Josef Schuster und Anette Widmann-Mauz berichteten die Schülerin Meira Schatz aus Osnabrück und der Student Ekrem-Hamza Huskic aus Berlin über ihre Erfahrungen.

Moderiert wurde die Podiumsrunde von der RBB-Journalistin Shelly Kupferberg. Wegen der Corona-Pandemie fand die Veranstaltung ohne Publikum statt. Interessierte konnten sich aber per Livestream über YouTube und Facebook dazuschalten.

Reflexion Zentralratspräsident Schuster lobte das Buch als authentischen Dialogbeitrag. »Die jungen Menschen reflektieren mit bemerkenswerter Reife ihre eigene gesellschaftliche Rolle und formulieren zugleich ihre Wünsche an die Gesellschaft«, sagte Schuster. Die komplex verzweigten jüdischen und muslimischen Familiengeschichten spiegelten sich in der Identität der jungen Menschen wider. »Das Buch zeigt die Perspektiven von Juden und Muslimen, was insbesondere in dieser Zeit von Bedeutung ist«, so der Zentralratspräsident. Darüber hinaus gebe der Band tiefe Einblicke in die Perspektiven von Juden und Muslimen.

Gehört werden und zuhören können ist den Teilnehmern wichtig.


Auf die Frage angesprochen, warum sie bei dem Buchprojekt gerne mitgewirkt habe, sagte Meira Schatz: »Ich finde es super wichtig, sich mit anderen auf Augenhöhe zu begegnen.« Nur dann könne man auch verstehen, wo die Probleme in der Gesellschaft liegen. »Dafür muss man sich aber auch selbst bereiterklären und sagen: Okay, ich möchte zuhören, damit wir alle an einem Strang ziehen können«, sagte die jüdische Schülerin.

Ekrem-Hamza Huskic unterstrich diesen Gedanken. »Ich finde dieses Projekt sehr interessant, weil einem zugehört wird« , sagte der Lehramtsstudent, der aus einer bosnischen Familie stammt.

Identität Auch die Themen religiöse Identität und Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft kamen in der Diskussionsrunde zur Sprache. »Ich bin sunnitischer Muslim. Glaube ist mir sehr wichtig«, sagte Huskic. Von seinem Elternhaus und seinem verstorbenen Opa habe er gelernt, dass der Glaube eine Art Netz ist. »Mir persönlich hat der Glaube in meinem Leben immer unglaublich viel gegeben.« Insbesondere in schweren Zeiten bedeute der Glaube für ihn Halt. Zur deutschen Gesellschaft fühle er sich heute voll und ganz zugehörig. »Es war ein Prozess bei mir.«

Auch Meira Schatz fühlt sich in Deutschland ohne Wenn und Aber zu Hause. »Ich fühle mich als fester Teil der deutschen Gesellschaft« , sagte die Schülerin, die aus einer jüdischen Familie mit Wurzeln in Russland und der Ukraine stammt.

»Es braucht mehr Menschen, die ihre persönliche Geschichte mitbringen und mit der Öffentlichkeit teilen.«

Staatsministerin Anette Widmann-Mauz

Staatssekretärin Widmann-Mauz lobte in dem Gespräch die Offenheit der jungen Leute. »Es braucht mehr Menschen, die ihre persönliche Geschichte mitbringen und mit der Öffentlichkeit teilen«, so die CDU-Politikerin. Dadurch könnten sie Vorbilder und Ermutiger für andere sein. Sie wolle bewusst andere Jugendliche ermutigen, sagte Meira Schatz. »Ich bin mir bewusst, dass ich mit meinen Taten und Äußerungen das Bild von mir selbst und von der jüdischen Gemeinschaft präge.«

Auch für Huskic spielen positive Identifikationsfiguren aus der eigenen Community eine wichtige Rolle beim Thema Integration. »Es herrscht immer mehr dieses ›Wir-ihr-Gelaber‹«, kritisierte Huskic. Er wünscht sich, dass die Leute in Zukunft weniger in Schubladen denken und mehr miteinander reden.

Podiumsdiskussion Mit starken jugendlichen Stimmen ging es auch am zweiten Tag der Schalom-Aleikum-Jahreskonferenz weiter. In einer Podiumsdiskussion trafen Tugay Sarac aus Berlin und Karolina Becker aus Osnabrück auf zwei ausgewiesene Experten im Bereich Jugendarbeit: den deutsch-israelischen Rapper Ben Salomo und den türkischstämmigen Pädagogen Burak Yilmaz. Die ursprünglich eingeladene Jasmin Zeitun konnte wegen eines Trauerfalls nicht am Podium teilnehmen.

In ihrem Gespräch tauschten sich die Teilnehmer über ihr soziales Engagement gegen Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit aus. Moderiert wurde die Diskussion von Saba-Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank. Das Ganze wurde wie tags zuvor wieder live gestreamt. Den krönenden Abschluss der Konferenz bildete eine künstlerische Performance des Berliner Elektro-Swing-Duos Masha Ray.

In einer früheren Version des Artikels wurde Jasmin Zeitun fälschlicherweise als Teilnehmerin genannt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Shelly Meyer

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