Gedenken

In Erinnerung an Kitty und Rupprecht

Erinnerungsstele an der Prinzregentenstraße Foto: Thomas Hauzenberger

Gedenken

In Erinnerung an Kitty und Rupprecht

Vor 80 Jahren wurde das Ehepaar Neustätter nach Kaunas deportiert und dort ermordet

von Helmut Reister  02.12.2021 08:31 Uhr

Es war eine besondere Form des Erinnerns an Kitty und Rupprecht Neustätter. Ihrer wurde in Form einer Feierstunde, der Übergabe von Erinnerungszeichen und einer Filmvorführung im Kino gedacht. Der Termin in der vergangenen Woche, der 25. November, war nicht zufällig gewählt worden. An diesem Tag vor genau 80 Jahren wurden die beiden in München lebenden Juden von den Nazis ermordet.

Kitty Herz wurde 1902 in Wien geboren. Es war die Liebe, die sie schließlich zu einer Münchnerin und Frau Neustätter machte. Im Jahre 1928 heirateten sie und Rupprecht, der als Prokurist im Familienunternehmen, einer Papierwarenfabrik, tätig war. Ihren biografischen Daten ist aber auch zu entnehmen, dass das Glück der Pferdeliebhaberin und des leidenschaftlichen Fotografen nur eine sehr begrenzte Zeit hielt.

verfolgung Mit der Naziherrschaft begann für die Juden gerade in der einstigen »Hauptstadt der Bewegung« eine Zeit von Unterdrückung und Verfolgung, Ausgrenzung und Enteignung, Entrechtung, Verschleppung und des systematischen Massenmords. Kitty und Rupprecht Neustätter hatten noch vergeblich versucht, aus Deutschland zu emigrieren. Rupprecht Neustätter war in der berüchtigten Pogromnacht nach Dachau verschleppt und wochenlang inhaftiert worden.

Der Gedenkfeier für die beiden Holocaust-Opfer, die im November 1941 zusammen mit fast 1000 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus München und dem Umland in den ersten Deportationszug nach Kaunas (Litauen) gepfercht und unmittelbar nach der Ankunft von SS-Kommandos erschossen wurden, fand im Prinzregententheater statt. In unmittelbarer Nähe, in der heutigen Prinzregenstraße 83 (damals 17) hatte das Paar bis 1939 gewohnt.

Zu den Rednern der Feierstunde gehörte auch Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie nahm das Schicksal von Kitty und Rupprecht Neustätter zum Anlass, auf die Notwendigkeit einer ausgeprägten Kultur des Erinnerns hinzuweisen.

schlussstrich Manche würden die Erinnerung an die Gräuel der Nazizeit heute am liebsten als abgeschlossenes Kapitel der Geschichte sehen, als etwas, worunter ein Schlussstrich gezogen werden könne, erklärte sie. Gleichzeitig verwies Knobloch auf den heute wieder zunehmenden und den immer offener zutage tretenden Antisemitismus und Israelhass.

Ein außergewöhnliches Erlebnis bot indes der Abend im ARRI-Kino mit der Filmvorführung Der lange Weg ins Ghetto, der Einblicke in das Leben der sogenannten Judensiedlung Milbertshofen vermittelte. Von dort aus mussten Kitty und Rupprecht Neustätter die Reise in den Tod antreten. Gezeigt wurden zum ersten Mal auch bisher unbekannte private Fotos und Filme von ihnen. Veronika Heyde-Görtz, deren Großmutter eng mit Kitty befreundet war, hat sie dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Hilfe

Gestrandet in Deutschland

Viele Israelis wurden im Ausland vom Beginn des Krieges mit dem Iran überrascht. Sie finden Unterstützung bei der israelischen und jüdischen Gemeinschaft vor Ort

von Joshua Schultheis  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

Berlin

150 Rabbiner am Brandenburger Tor

Ein Fototermin setzt ein Zeichen: Rabbiner zeigen, wie jüdisches Leben heute Europa prägt. Was beim Treffen sonst noch auf dem Programm steht

 11.03.2026