Frankfurt

Hora für Tirza

Es war der Beginn einer langen Freundschaft. Vor etwa 38 Jahren lernte Benjamin Bloch, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), in Tel Aviv Tirza Hodes kennen. Die 1922 in Düsseldorf geborene Tirza war damals Leiterin des Referats Volkstanz bei der israelischen Gewerkschaft Histadrut. Es gelang der ZWST, sie als Tanzlehrerin für Jugend- und Seniorenfreizeiten, für Projekte mit Menschen mit Behinderungen sowie Demenzkranken zu gewinnen.

Vor allem ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass in den jüdischen Gemeinden in Deutschland inzwischen zahlreiche israelische Volkstanzgruppen aktiv sind. Um Tirza, wie sie überall nur genannt wird, die am 21. Juli ihren 95. Geburtstag feiern wird, zu würdigen, lud die ZWST am vergangenen Sonntag Tanzgruppen aus 18 jüdischen Gemeinden nach Frankfurt ein. Zugleich feiert die Zentralwohlfahrtsstelle 2017 ihr 100-jähriges Bestehen. Das Tanzfestival unter dem Motto »Jad LaShalom« fand im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum statt.

Begrüssung Viele Teilnehmer begrüßten Tirza, die noch im hohen Alter ungemein lebhaft wirkt, herzlich. Jutta Josepovici, Sozialreferentin der ZWST, dankte der Grande Dame des Tanzes in ihrem Grußwort, sie habe »selbst den größten Tanzmuffel dazu gebracht«, sich zu bewegen. Josepovicis Dank galt auch Lucy Maman, die seit mehreren Jahren Tirza auf den ZWST-Tanzseminaren zur Seite steht, sowie Moishe Gerstein, durch dessen Vermittlung Bloch Tirza kennenlernen konnte.

Gerstein eröffnete das Festival mit einem Potpourri israelischer Volkslieder, die er auf dem Akkordeon anstimmte. Rund 350 Gäste sangen, zuerst etwas zaghaft, dann immer engagierter, Klassiker wie »Hava Nagila«, »Yerushalayim Shel Zahav« aber auch russische Volkslieder wie »Kalinka« mit. Anschließend tanzten die Teilnehmer ausgelassen im Kreis. Auch Tirza tanzte immer wieder mit.

Nach einer Mittagspause mit koscheren israelischen Speisen wandte sich Abraham Lehrer, Vorstandsvorsitzender der ZWST, an Tirza und die Festivalteilnehmer, die er mit »Liebe Freunde von Tirza« ansprach. »Du bist ein Pfeiler der jüdischen Gemeinschaft hier in Deutschland«, sagte Lehrer. »Wir sind froh, dass es dich gibt«, fügte er unter Applaus hinzu.

Beni Bloch erzählte von seinem ersten Treffen mit Tirza. Er würdigte ihre Verdienste um die Integration der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in die jüdischen Gemeinden. »Tirza hat uns das Tanzen beigebracht«, sagte Bloch und überreichte ihr zum Dank einen Pokal.

Bevor die Auftritte der aus ganz Deutschland angereisten Tanzgruppen begannen, ergriff Tirza selbst das Wort: »In meinem Leben habe ich schon viel erlebt. Aber dieser Tag ist für mich eine wichtige Bestätigung.« Sie dankte ihren Begleitern und Unterstützern sowie der ZWST. Tirza hob zudem Blochs Stellenwert als »Motor« der Wohlfahrtsorganisation hervor. »Für mich ist er bis heute ein wahrer Freund geblieben«, bekannte Tirza.

Tanzgruppen Nun war die Bühne frei für die musikalischen und tänzerischen Darbietungen, die von der Tanzgruppe »Simcha« der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg mit »Eretz Israel Yaffa« angeführt wurde. Es folgten Gruppen aus Cottbus und Hamburg. Durch die kraftvolle Performance eines Potpourris konnte die Tanzgruppe »Menora« der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg herausstechen. Sie erntete lang anhaltenden Beifall. Auch die Wiesbadener Tänzerinnen fanden Zustimmung im Publikum. Die Tanzgruppe »Hora« aus Bochum bestach mit einem stimmungsvollen Auftritt.

Der Chor der Jüdischen Gemeinde Darmstadt setzte einen Kontrast und trug israelische und jiddische Lieder vor, unter anderem »Hevenu Schalom Alechem«. Tanzgruppen aus Frankfurt, Chemnitz, Köln, Berlin, Aachen und Erfurt folgten mit engagierten Darbietungen. Moderne musikalische Akzente verliehen dem Auftritt der Tanzgruppe »Yovel« der Jüdischen Gemeinde Darmstadt zusätzliche Dynamik.

Schtetl Eine traditionelle Hochzeitsszenerie im Schtetl stellte die Tanzgruppe »Tari« der Synagogen-Gemeinde Köln nach. Intensiven Applaus ernteten die jungen Dortmunder Tänzerinnen für ihre Interpretation des Swing-Klassikers »Bei Mir Bistu Shein«. Es folgten Darbietungen der Tanzgruppen aus Marburg, Hannover und Wuppertal.

Endlich kam auch Tirza Hodes auf die Bühne, um Vertretern der angereisten Tanzgruppen Urkunden zu verleihen. Der Festivaltag war wie im Flug vergangen. Zum Ausklang stimmte Moishe Gerstein noch die israelische Nationalhymne »Hatikwa« an.

Im Namen aller Teilnehmer überreichte Beni Bloch Tirza anschließend ein Überraschungsgeschenk. »Wir sind deine Schüler, deine Kinder, deine Freunde. Deine Liebe zu Israel hat uns angesteckt«, sagte Bloch voller Anerkennung.

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Berlin

Zusammen genießen

Zum fünften Mal fand das Koschere Streetfood-Festival statt – mit Geschmäckern von fast überall

von Katrin Richter  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026