Maccabiah

Hoffnung in Blauweiß

Etwas außer Atem kommt die Hockeyspielerin Kati am Schalter von EL AL an. Erschöpft stellt sie ihre Tasche ab, stützt die Hände auf die Knie und holt erst einmal tief Luft. So früh am Morgen ist irgendwie alles anstrengend. Selbst für eine trainierte Sportlerin.

Wie Kati haben sich am Sonntagvormittag 40 Makkabäer aus Berlin und Norddeutschland des insgesamt 200-köpfigen Makkabi-Deutschland-Teams vom Flughafen Schönefeld auf den Weg zur 19. Maccabiah nach Israel gemacht – mit großen Taschen und schweren Aluminiumkoffern mit der Aufschrift »Makkabi«. Dort angekommen wartet auf sie zuerst das sogenannte Precamp in Netanya.

»Wir hoffen auf einen tollen Wettbewerb und viel Spaß mit jungen jüdischen Leuten aus vielen Ländern«, sagt Mike Delberg, der bei Makkabi die sozialen Medien betreut. Das hoffen auch Alexander, Daniil und Rebecca. Der Tischtennisspieler, der Schwimmer und die Fußballerin sind gespannt, was sie in Israel erwartet.

Erwartungen Für Alexander ist es bereits die dritte Maccabiah, auch an den Europäischen Spielen in Rom und Wien hat der Tischtennisspieler schon teilgenommen. Spaß, nette Leute treffen und sportliche Erfolge, das will auch Rebecca. Die Fußballerin wird ihre Teamkameradinnen allerdings erst in Tel Aviv treffen.

Und auch Daniil, der sich seit zwei Jahren auf die Maccabiah vorbereitet hat, strebt hohe Ziele an: »Ich möchte auf jeden Fall meine Zeiten verbessern.« Er freut sich außerdem, gegen Schwimmer anzutreten, die bereits bei den Olympischen Spielen teilgenommen haben. Allerdings sollen auch andere Sachen nicht allzu sehr in den Hintergrund treten: das Land kennenlernen, junge Juden treffen und einfach mal abhängen, ist Daniil ebenfalls wichtig.

Ständchen Mit ganz besonderer Vorfreude ist Dina zum Flughafen gekommen. Die junge Hockeyspielerin hat Geburtstag und wird von ihrer Familie und ihren Schwestern mit Cupcakes, Brownies und einem »Happy-Birthday-Krönchen« empfangen. Und während der Fechter Konstantin seine übergroße makkabiblaue Tasche absetzt und gleich vor das Terminal läuft, um das restliche Gepäck zu holen, wird für Dina noch ein Ständchen gesungen. Konstantin ist 25 Jahre alt und als einer der wenigen im Makkabi-Dress unterwegs. Säbel, Masken und Fechtanzug warten – fein säuberlich verstaut – darauf, vom Zoll entgegengenommen zu werden.

Zur selben Zeit wartet rund 600 Kilometer weiter südlich Dmitry vor der EL-AL-Halle am Münchner Flughafen auf seine Kollegen von Makkabi. Bei der Maccabiah wird er für Deutschland Futsal spielen, eine Art Hallenfußball. An diesem Sonntagmorgen ist der Würzburger der Erste am Flughafen. Weil es sonst knapp geworden wäre mit dem Frühzug, hat er die Nacht auf einer Bank im Münchner Flughafen verbracht.

Dann tröpfeln nach und nach weitere Athleten ein – und es wird unterhaltsam. Nicht wirklich übermütig laut, dafür ist es noch zu früh. Aber man spielt sich Insider zu wie: »Welche U? U18 oder U16? Im Tor? Klar, wo sonst?« Es sind vor allem junge Männer im Trainingsdress, um die 18 Jahre alt, einer von ihnen hält lässig ein Frühstücksbrötchen in der Hand.

Auf die Maccabiah angesprochen, geben sie zu, dass sie sich in einer besonders glücklichen Lage befinden, denn die Sportveranstaltung in Israel verspricht ein »Feeling wie bei Olympia«. Die Makkabiade stehe den Olympischen Spielen in nichts nach, findet auch Maria Pinzger, Pressesprecherin von Makkabi Deutschland, die sich »einfach nur auf die nächsten Tage freut«.

Fanclub Inzwischen ist auch Robby Rajber, Präsident von Maccabi München, mit ein paar Trainern im Schlepptau vorbeigeeilt. »Wir sind der Fanclub und fliegen mit der Lufthansa voraus«, erklärt Rajber. »Wir machen den Weg frei für die anderen.« Dann erscheinen immer mehr Dans, Bens, und Rons – etwa 30 werden es am Ende insgesamt sein.

Aaron Buck, Pressesprecher der IKG München, schnürt sich die dick besohlten Sportschuhe. Er wird in Israel Halbmarathon laufen. Nicht weit von ihm entfernt schiebt Yehoshua Chmiel, Vizepräsident von Makkabi Deutschland, einen schweren Gepäckwagen vor sich her. Fast ganz zum Schluss stößt Makkabi-Deutschland-Präsident Peter Guttmann zur Mannschaft.

Kurz darauf sind auf einmal alle Sportler und Betreuer weg – auch die Mutter, die beim Einchecken nur ein paar Fotos machen wollte. Ist sie am Ende doch mitgeflogen? Eine junge Polizistin wurde unterdessen über das Großereignis Maccabiah in Israel aufgeklärt. »Da machen wirklich nur Juden mit?«, fragt sie entgeistert. »Des gibt’s ja gar net!«

Frankfurt Wie in München und Berlin ist auch in Frankfurt am Main Makkabiblau die bestimmende Farbe in der Abflughalle der EL AL. Rund 90 Sportler, Betreuer und Mediziner reisen an diesem Morgen zu der »jüdischen Olympiade« nach Israel. Unübersehbar sind die Sportler neben ihren Makkabi-Shirts auch wegen ihrer riesiger Taschen. Die Fluggesellschaft EL AL zeigt sich bei der Logistik zum Glück kulant: »Wir mussten kein Übergepäck bezahlen«, freut sich Makkabi-Sekretärin Ella Rujder nach dem gemeinsamen Check-in.

Neben den Basketballern haben sich auch die Fußballer, Tennis-, Schach-, Feldhockey- und Tischtennisspieler sowie die Fechter am Abfluggate eingefunden. Ein großes Golf- und Bridge-Team indes nimmt dieses Jahr nicht an der Maccabiah teil. Das hält die einzelnen Athleten dieser Sportarten jedoch nicht davon ab, auf eigene Kosten mitzureisen. »Ich hoffe auf eine Medaille«, sagt Golfer Leo Friedman, der schon einmal als Tennisspieler an mehreren Maccabiah-Spielen teilgenommen hat.

Abgesehen von der Hoffnung, aufs Siegertreppchen zu kommen, freuen sich die Sportler vor allem auch auf das Land: »Ich bin gespannt, ich war noch nie in Israel«, sagt etwa der Basketballer Ingo Mitdank. Sein Mitspieler David Wilder ist erfahrener und kann seinen Kollegen beruhigen. »Wenn man ausreichend Trinkpausen macht, gibt’s keine Probleme«, erklärt Wilder. Und fügt lächelnd hinzu: »Die Maccabiah kann kommen.«

Katrin Diehl (München), Rivka Kibel (Frankfurt), Katrin Richter (Berlin)

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