Planegg

Historische Sensation

Wappendarstellung aus dem Freiherrn-Diplom Foto: Schlossarchiv Planegg

Planegg

Historische Sensation

Eine Ausstellung erzählt vom Schicksal Jakob Hirschs, der 1818 als erster Jude in Bayern geadelt wurde

von Ellen Presser  02.12.2025 17:33 Uhr

»200 Jahre Familie von Hirsch in Planegg« lautet der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 5. Dezember in Planegg zu sehen ist. Sie berichtet davon, wie Jakob Hirsch aus dem Dorf Gaukönighofen unweit von Würzburg als Bankier in Ansbach und Würzburg so reüssierte, dass er 1818 von König Max I. Joseph den erblichen Adelstitel erhielt und sich – als Eigentümer des unterfränkischen Schlosses Gereuth – nun »von Hirsch auf Gereuth« nennen durfte.

Wie die Archivleiterin und Ausstellungskuratorin Barbara Reinicke herausarbeitete, lag die historische Sensation darin, »dass Jakob Hirsch der erste Jude war, der im Königreich Bayern sowie im Deutschen Bund« geadelt wurde. Damit begann eine jüdische Erfolgsgeschichte, die 1821 mit dem Umzug in die Residenzstadt München, die Errichtung eines Bankhauses am Promenadeplatz und dem Erwerb des Schlosses Planegg 1825 weiter Fahrt aufnahm.

Das Jüdischsein ihrer Vorfahren holte die Familie in der NS-Zeit ein.

Sie erzählt von Zeitläuften, in denen die Familie mit der Gründung einer modernen Großbrauerei und mehreren Stiftungen maßgeblich zum Wohlstand des Ortes Planegg beitrug, und vom weiteren Aufstieg, der Jakobs Sohn Josef 1869 die Erhebung der Familie in den erblichen Freiherrnstand brachte.

Auf dem Alten Israelitischen Friedhof in München legen einst prächtige, nun verfallende Grabmäler – wie das von Jakob und seiner Frau Johanna – Zeugnis ab von der Symbiose von Judentum und Emanzipation. Zuletzt galt dies für Josefs Sohn Emil von Hirsch und seine Frau Mathilde. Dann gewann die Assimilation Oberhand, denn ihre vier Kinder Rudolf, Karl, Ida und Irene ließen sich katholisch taufen und wählten christliche Ehepartner. Man stiftete Grundstücke zur Errichtung zweier Kirchen und einer gemeinnützigen Baugenossenschaft, verhalf der Gemeinde Planegg zu einem neuen Friedhof.

Das Jüdischsein ihrer Vorfahren holte die Familie in der NS-Zeit ein. Schloss und Brauerei wurden enteignet und erst Anfang der 50er-Jahre nach einem mehrjährigen Rechtsstreit an Rudolf von Hirsch und seine zwei Söhne zurückgegeben. Karl und Rudolf von Hirsch sowie ihre Schwester Irene von Feury waren im Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert worden, von dort kehrten nur Rudolf und Irene zurück.

»200 Jahre Familie von Hirsch in Planegg«, bis 5. Dezember in Archiv & Galerie der Gemeinde Planegg, Pasinger Straße 22, geöffnet Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und Dienstag 14 bis 17 Uhr

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