Event

Hightech statt Jaffa-Orangen

Zehn Jahre lang, bis Ende 2015, war Richard C. Schneider »das Gesicht« der ARD in Israel. Er kennt die Mächtigen des Landes, die Probleme der Bevölkerung, das komplizierte politische und wirtschaftliche Geflecht im Nahen Osten aus erster Hand. Im Business Club der IKG sprach er nun über das Thema »Hightech vs. BDS: Chancen und Gefahren für Israels Wirtschaft«.

Keine Frage, das Erstarken der Boykott-Bewegung gegen israelische Produkte aus den besetzten Gebieten ist nach Einschätzung des ARD-Korrespondenten durchaus Anlass zur Sorge. Es seien indes nicht allein die wirtschaftlichen Aspekte, die dabei eine Rolle spielen, sondern auch die damit einhergehende Verschlechterung der Sympathiewerte des Landes in der Welt, erklärte Schneider.

Annäherung Seiner Ansicht nach sind nachhaltige Verbesserungen nur dann möglich, wenn politisch stärker auf einen Dialog gesetzt wird, sowohl mit der Staatengemeinschaft als auch mit den arabischen Nachbarn und der palästinensischen Autonomiebehörde. Ob dies gelingen kann, bleibt abzuwarten, erklärte der Journalist. So oder so müsse ein Versuch der Annäherung unternommen werden.

Ungeachtet vieler offener außenpolitischer Fragen und des Boykott-Aufrufs sind positive wirtschaftliche Entwicklungen feststellbar, betonte Schneider. In den Bereichen Forschung und Hightech etwa habe Israel seine Produktivität weiter steigern können und gehöre in diesen Segmenten zur Gruppe der Global Player.

Indizien für eine positive Entwicklung seien sowohl an den wachsenden Handelsbeziehungen zu China und anderen asiatischen Ländern erkennbar als auch daran, dass sich mittlerweile auch viele internationale Unternehmen in Israel niederlassen.

Interesse IKG-Vizepräsidentin Judith Epstein, die Gründerin des Business Clubs, durfte sich am Ende des Vortrags nicht nur über die genaue Analyse Schneiders freuen, sondern auch über das große Interesse, das die Veranstaltung hervorrief. Das Gemeindezentrum musste mit eilends herbeigeschafften Stühlen bestückt werden, um allen Gästen einen Platz zu bieten.

Für Judith Epstein ist die große Akzeptanz ein weiterer Beleg dafür, dass das Projekt Business Club, das auch von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch unterstützt wird, ein Erfolgsmodell ist. »Wir sind dabei, ein Netzwerk von geschäftsorientierten Mitgliedern der Gemeinde aufzubauen und zu fördern. Wir bieten Kontakte, Beratung und Innovation, aber wir sind nicht das Arbeitsamt«, betont Epstein.

»Wir vermitteln keine Jobs, bieten aber etwas viel Wichtigeres: Wir vermitteln Know-how, wir öffnen unsere Netzwerke und verbinden Leute, die bereits ins Arbeitsleben integriert sind, mit Newcomern, die in die Berufswelt einsteigen, oder mit Fachleuten, die sich umorientieren wollen.«

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 29.10.2026

Berlin

Wundersame Rückkehr

Eine Delegation des Temple Chai aus Phoenix, Arizona, brachte einen Wimpel und eine Parochet, die 88 Jahre verschollen waren, zurück in die Synagoge Oranienburger Straße

von Alicia Rust  29.10.2026

Frankfurt am Main

L’Chaim! Auf das Leben

Die Gala »WIZO Night for Children« brachte mehr als 560 Patenschaften

von Eugen El  29.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  29.10.2026

Gefahr

Antisemitische Gewalt an Halloween?

In einem Schreiben rät der Zentralrat der Juden für das Wochenende zu Vorsicht und empfiehlt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

 28.10.2026

Seele

Wenn alles zu viel ist

Erstarkende Extreme, Gedanken ans Auswandern, Rechtfertigen im Alltag – eine virtuelle Begegnung mit Jüdinnen und Juden und der Frage: Wie gehtʼs dir?

von Katrin Richter  27.10.2026

Ausstellung

Waschgefäß ohne Geschichte

Das Jüdische Historische Institut in Warschau zeigt Exponate aus dem ehemaligen Berliner Jüdischen Museum – ohne klare Verweise und mit auffälliger Distanzierung

von Ingo Loose  27.10.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens: Akademie öffnet

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 27.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026