Interview

»Habt Spaß, nutzt den Moment!«

Marat Schlafstein

Interview

»Habt Spaß, nutzt den Moment!«

Marat Schlafstein über das Motto der 22. Jewrovision, Zusammenhalt und einen guten Tipp für die Jugendzentren

von Katrin Richter  01.06.2025 11:47 Uhr

Herr Schlafstein, »United in Hearts« lautet das diesjährige Motto der Jewrovision. Wofür steht es?
Die Welt ist total zerrissen, überall hört man immer nur von Konflikten. Wir wollen den Jugendlichen daher einen Moment der Einheit und Herzlichkeit geben und ihnen das Gefühl vermitteln: Du bist nicht allein.

Die Jewro ist wieder in ein Mini-Machane eingebettet. Was erwartet die Kids?
Es ist die 22. Ausgabe der Jewrovision, und wir sind diesmal an einem ganz besonderen Ort, nämlich im Stadion von Borussia Dortmund. Wir haben wieder tolle Workshops und ein religiöses Rahmenprogramm mit dem Schabbat. Außerdem werden wir uns in einer »Bring Them Home«-Zeremonie auch mit der Situation nach dem 7. Oktober 2023 und den noch immer im Gazastreifen gefangen gehaltenen Geiseln beschäftigen.

Was ist neu?
Ein absolutes Novum ist das »Mischpacha«-Familienfest. Gäste können an einer Art Kirmes und einem Bühnenprogramm mit Künstlern aus Gemeinden der Region teilnehmen. Dort ist dann auch der »Markt der Möglichkeiten« mit jüdischen Organisationen, es gibt koscheres Essen und viel Unterhaltung.

In der Jury sitzen neben erfahrenen auch neue Mitglieder. Worauf achten Sie bei der Besetzung?
Wir versuchen immer, eine Ausgewogenheit zwischen dem Wissen über die jüdische Community und der Jewrovision als Event zu schaffen. Wir haben Erfahrene wie Susan Sideropoulos, Daniel Botmann oder Diana Goldberg, die selbst schon bei der Jewrovision auf der Bühne stand, im Team. Und wir haben auch Leute aus der deutschen Kultur- und Medienszene wie den MTV-Moderator Patrice oder Sam Dylan, der ein bisschen Reality-Star-Flair in die Jury bringt, ein großer ESC- und bald auch Jewrovision-Fan ist. Mit Lina Larissa Strahl sitzt ein Superstar in der Jury. Die Schauspielerin ist selbst Musikerin und hat im vergangenen Jahr Mike Singer zur Jewro begleitet.

Hat der Auftritt von Yuval Raphael beim Eurovision Song Contest die Kids für ihre Show in Dortmund extra motiviert?
Unsere Kids sind auch so super motiviert. Ich würde sogar sagen, dass sich der ein oder andere ESC-Teilnehmer hinsichtlich Motivation noch etwas bei uns abgucken kann. Der Auftritt von Yuval Raphael und die Art und Weise, wie die jüdische Community weltweit damit umgegangen ist – dieser Moment von Zusammenhalt –, hat auch gezeigt, wie wir alle zusammenstehen.

Was möchten Sie den Teilnehmern sagen?
Habt Spaß und nutzt den Moment. Egal, welcher Platz es am Ende wird. Was bleibt, ist nicht die Erinnerung an die Platzierung, sondern es sind die Momente, die man mit den Menschen auf der Jewrovision hat. Die bleiben für immer.

Mit dem Jugendreferenten des Zentralrats der Juden sprach Katrin Richter.

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026