Coronavirus

Gesundheit geht vor

Kein Unterricht: Auch Kitas und Universitäten haben geschlossen. Als Stichdatum gilt der 19. April. Foto: imago images/STPP

Nicht nur die Schulen sind mittlerweile in Deutschland geschlossen, auch der Semesterstart ist verlegt, Prüfungen fallen aus, und die Jugendzentren sind zu. Jugendliche und Studenten reagieren unterschiedlich auf diese Lage. »Natürlich habe ich Respekt vor dem Coronavirus«, sagt Lilie Schwab aus Dortmund.

Aber sie kann nicht behaupten, dass sie Angst vor der Krankheit hat. Die Situation, speziell in Nordrhein-Westfalen, findet sie jedoch »krass«. Sie hielt es für richtig, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland die Jewrovision abgesagt hat, denn: »Gesundheit geht vor.«

oma Jeden Tag ruft sie ihre Oma an, um sich mit ihr zu unterhalten. Damit sich die ältere Dame nicht der Gefahr aussetzt, sich mit dem Virus zu infizieren, bringt der Vater seiner Mutter immer wichtige Sachen vorbei.

Seit Montag bleibt Lilies Schule zu, aber »wir bekommen jeden Unterrichtstag zwei Aufgaben«, erzählt die 13-Jährige. Die werden online gestellt. »Man muss sich ja mit irgendetwas beschäftigen«, sagt die Achtklässlerin. Und obwohl ihr Tag mit Lesen, Zeichnen, Klavierspielen gefüllt ist, verspürt sie schon etwas Langeweile.

Infektion Ihre jüngere Schwester steht unter häuslicher Quarantäne, da ein Lehrer ihrer Grundschule infiziert ist. »Deshalb treffe ich mich mit Freunden nur draußen und bei anderen, aber auf keinen Fall bei uns.« Lilie darf aber die eigenen vier Wände verlassen und joggt ab und zu, um den Kopf frei zu bekommen.

Noel Krasniqi ist traurig, weil sein Wasserballtraining ausfällt.

Gut gelaunt wirkt Noel Krasniqi aus Gelsenkirchen an diesem Montagvormittag. Schulfrei ist der Grund. Auch der Siebtklässler hat am letzten Unterrichtstag noch Deutsch- und Matheaufgaben erhalten. Die Aufgaben für Englisch werden nachgeliefert. Eigentlich sollte der 13-Jährige jeden Tag etwas tun, aber »ich habe mir vorgenommen, sie erst am letzten Tag zu erledigen«.

Trainingsausfall Was ihn stört, ist, dass nun seine Aktivitäten eingeschränkt sind. Sein Wasserballtraining fällt aus, Wettkämpfe sind abgesagt, und das Kino hat Pause. »Ich vermisse das alles.« Mit seinen Freunden trifft er sich nun zu Hause, oder er widmet sich dem Zeichnen.

Sein Tipp gegen Langeweile: Videokonsolen rausholen und alle Spiele nachholen oder das Zimmer aufräumen. Das Virus beunruhige ihn nicht besonders, sagt Noel, »aber da meine Mutter im Krankenhaus arbeitet, beachten wir die Hygiene zu Hause«.

Auch Robert Tenenbaum, ebenfalls 13 Jahre alt, achtet besonders auf Hygiene. Und mit seiner Familie und in der Schule hat er noch vergangene Woche über das Virus gesprochen. »Ich habe schon ein bisschen Angst, dass alles noch schlimmer wird.« Sich anzustecken, hinterlasse kein gutes Gefühl. Er denkt dabei an einen Freund, der eine Lungenkrankheit hat und um den er sich sorgt. Mit seinen Freunden trifft er sich jetzt nur noch zu Hause.

Ein Freund von Darina sorgt sich um eine Freundin, die Asthma hat.

»Ich mache mir mehr Sorgen, ob ich jemanden anstecke, als um mich.« Das meint Darina. Denn die 20-jährige Studentin aus Hannover gehört nicht zu einer Risikogruppe. Desinfektionsmittel hat sie immer dabei, aber »nicht wegen mir, sondern wegen meiner Oma und meiner Freundin, die Asthma hat«.

Arzttermine Und auch in dem Modeladen, in dem die Jurastudentin jobbt, wird auf regelmäßiges Desinfizieren geachtet. Sie bedauert, dass ein vor längerer Zeit ausgemachter Arzttermin nun erst einmal auf Eis gelegt wurde, was sie aber natürlich verstehen kann. Und sie findet es schade, dass sie nicht ins Jugendzentrum gehen kann, in dem sie Madricha ist. Mehr Zeit habe sie eigentlich noch nicht. Sie werde weiter lernen und Hausarbeiten schreiben, obwohl die Bibliotheken nun geschlossen sind.

In München ist an der Uni ebenfalls fast alles abgesagt, die Repetitorien fallen aus, ebenso die Klausuren. Stattdessen ist Online-Streamen der Vorlesungen im Gespräch, sagt David Weissmann. Dem 19-Jährigen geht es wie Darina: »Mir ist bewusst, dass es hochansteckend ist, aber Angst habe ich nicht.« Seine Sorge gilt seiner Großmutter, die bisher oft zu ihnen zu Besuch kam. Er bleibt nun überwiegend zu Hause. Mit Freunden will er sich nicht mehr in der Öffentlichkeit treffen.

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026

Unterfranken

Dem Hass die Stirn bieten

Nach dem brutalen Angriff auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft riefen prominente Redner bei einer Mahnwache in Würzburg zum Widerstand gegen Antisemitismus auf

von Stefan W. Römmelt  30.07.2026

CSD

Vom Feiern zum Schock

Auch viele queere Jüdinnen und Juden tanzten fröhlich auf Berliner Straßen – bis der Anschlag geschah

von Christine Schmitt  29.07.2026

Lesen

Zehn Welten

Die Journalistin Anna Lutz hat Jüdinnen und Juden porträtiert und darüber ein Buch veröffentlicht. Entstanden sind Geschichten zwischen Nähe und Distanz

von Leon Stork  28.07.2026

Kino

»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

von Christine Schmitt  28.07.2026

München

Vorhang auf für die Kids

Zum Start der Sommerferien führen die Kinder der Sinai-Grundschule ein Musical in englischer Sprache auf

von Luis Gruhler  28.07.2026