München

Gelebte Verbundenheit

Mehrwert für beide Seiten: Junge Menschen sind dankbar für die Erfahrungen, die sie während des Freiwilligendienstes sammeln, die Gemeinde wiederum profitiert von Austausch und Unterstützung. Foto: Marco Limberg

In der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) sind viele helfende Hände am Werk. Einige von ihnen haben einen besonderen Hintergrund: Insgesamt drei Bundesfreiwilligendienstleistende sind derzeit unter dem Dach der Gemeinde im Einsatz. Zwei von ihnen, Yahel Notea und Gal Tiktinsky, kommen aus Israel und absolvieren ihren Dienst im Rahmen des Deutsch-Israelischen Freiwilligendienstes (DIFD). Der dritte Freiwillige, Georg Kharchenko, stammt aus München und kennt seine Einsatzstelle, die Sinai-Grundschule, noch aus eigener Anschauung als Schüler.

Seit den Anfängen im Jahr 2021 hat sich der Bundesfreiwilligendienst in der IKG für israelische ehrenamtliche Helfer fest etabliert, berichtet Ursula Ams, die das Programm koordiniert und die »Bufdis« während ihres Einsatzes begleitet. Der DIFD eröffnet jungen Menschen die Möglichkeit, sich für sechs bis 18 Monate in sozialen Einrichtungen des Partnerlandes zu engagieren und internationale Erfahrung zu sammeln.

Bundesfamilienministerin Karin Prien in Israel

Ende Oktober war Bundesfamilienministerin Karin Prien in Israel zu Gast und unterzeichnete gemeinsam mit dem israelischen Außenminister Gideon Sa’ar eine Erklärung, die die bilaterale Zusammenarbeit in diesem Bereich weiter stärken soll. In diesem Jahr feiert der Austausch bereits sein zehnjähriges Bestehen.

Der 23-jährige Yahel ist seit Februar an der Sinai-Grundschule tätig. Ursprünglich sollte sein Aufenthalt im August enden, er fühlte sich aber so wohl, dass ein schneller Abschied aus München für ihn nicht infrage kam: »Ich habe hier so viel Herzlichkeit erfahren. Man spürt, dass Menschen füreinander da sind.« Auch die Schulkinder seien ihm von Beginn an mit großer Neugier und Interesse begegnet.

Auf die Ausschreibung für den Freiwilligendienst war Yahel zufällig im Internet gestoßen – und erkannte darin eine Gelegenheit, nach Deutschland zurückzukehren. Bereits während seiner Schulzeit hatte er vier Jahre in Berlin gelebt. An der Sinai-Grundschule unterstützt er die Hebräisch-Lehrkräfte, erstellt Unterrichtsmaterialien und betreut vor allem diejenigen Schüler, die sich im Hebräischunterricht schwertun.

Pädagogische Perspektive

Besonders interessiert ihn die pädagogische Perspektive: »Ich sehe jetzt, wie Lernen vermittelt wird, und versuche, den Kindern – und mir selbst – beizubringen, sich zu disziplinieren.« Neben seiner Arbeit baut er seine Deutschkenntnisse weiter aus und möchte in der Freizeit die Umgebung erkunden – insbesondere die Berge rund um München.

Auch Gal, 20 Jahre alt und aus Haifa, leistet seinen Dienst in München. Seit einigen Wochen ist er am Helene Habermann Gymnasium im Einsatz. Dort unterstützt er im Fach Hebräisch, hilft bei der Unterrichtsvorbereitung, übernimmt Vertretungsstunden und steht den Schülern als Ansprechpartner zur Seite. »Ich sehe mich ein bisschen als großen Bruder«, sagt er. »Viele Schüler kommen mit persönlichen Fragen zu mir – das Vertrauen schätze ich sehr.«

Gal absolvierte in Israel bereits ein freiwilliges soziales Jahr bei der progressiven Jugendorganisation Hashomer Hatzair. Getrieben von dem Wunsch, sich in einer jüdischen Gemeinschaft einzubringen und das Leben außerhalb Israels kennenzulernen, entschied er sich für Deutschland – auch aufgrund seiner deutschen Wurzeln und eines früheren München-Aufenthalts, den er in guter Erinnerung hat: »Die Gemeinde hier wirkt jung und lebendig. Ich bin schnell in Kontakt gekommen und fühle mich sehr willkommen.«

Mit dem Freiwilligendienst schafft die Gemeinde einen Raum für Begegnung.

Für die Zukunft kann er sich sowohl ein Lehramtsstudium als auch eine Ausbildung im Bereich Gastronomie vorstellen – in jedem Fall möchte er mit Menschen arbeiten.

Der 22-jährige Georg stammt aus München und kennt die IKG seit seiner Kindheit. Nach der Schule hat er verschiedentlich Berufserfahrung im Einzelhandel und im Sportbereich gesammelt, bevor er sich entschied, ins Soziale zu wechseln. Georg ist begeisterter Kickboxer und war mehrfacher Meister auf bayerischer und deutscher Ebene. Durch die Leitung des Jugendtrainings in seinem Verein entdeckte er seine Freude an der Arbeit mit jungen Menschen, ein Praktikum in einer Kinderkrippe bestärkte ihn in diesem Interesse: »Ich habe gemerkt, dass mir diese Arbeit wirklich liegt«, sagt er.

Lehrkräfte unterstützen und in der Nachmittagsbetreuung mitarbeiten

Im Dezember beginnt Georg offiziell seinen Bundesfreiwilligendienst, in der Gemeinde wird er Lehrkräfte unterstützen und in der Nachmittagsbetreuung mitarbeiten. Langfristig denkt er über eine Ausbildung zum Erzieher oder Kinderpfleger oder ein Studium der Sozialen Arbeit nach. Die Sinai-Grundschule ist ihm jedenfalls in guter Erinnerung geblieben: »Ich hatte eine sehr positive Schulzeit hier und möchte etwas davon an die Kinder zurückgeben.«

Für Ursula Ams zeigen solche Geschichten, wie vielfältig und bereichernd der Bundesfreiwilligendienst in der Gemeinde sein kann. »Es ist schön zu sehen, wie sich die jungen Menschen hier entwickeln«, sagt sie. Auch IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch freut sich über das Engagement: »Wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung die Freiwilligen sich in der Gemeinde einbringen, dann geht mir das Herz auf. Es ist wunderbar, dass wir diese Möglichkeit bieten können.«

Mit dem Freiwilligendienst schafft die Israelitische Kultusgemeinde nicht nur eine Plattform für soziales Engagement, sondern auch einen Raum für Begegnung zwischen Kulturen und Generationen. Für Yahel, Gal und Georg ist dieses Jahr eine wichtige Lebenserfahrung – und für die Gemeinde ein sichtbares Zeichen gelebter Verbundenheit zwischen München und Israel.

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