Sport

Fit mit Makkabi

Der Blick ist konzentriert, die Atmung ruhig, die Beine sind ein wenig angehoben, nur die Körpermitte berührt den Boden, während Noah die Arme wie beim Schwimmen von über dem Kopf bis zur Hüfte zurückzieht und sie wieder ausstreckt. Noah macht den »Superman«. So heißt die Übung, die der 17-jährige Makkabi-Sportler auf dem heißen Boden des Calisthenics-Bereichs im Berliner Monbijoupark gerade vorführt. Sie stärkt die Körpermitte, hilft, die Koordination zu verbessern, und führt zu einer geraderen Körperhaltung.

Alles das, was Menschen mit sitzenden Tätigkeiten, schmerzenden Rücken, wenig Bewegung nicht haben. Dabei ist es ganz leicht, kleine Sportübungen in seinen Alltag zu integrieren. Wie eben den »Superman«, den »Bergsteiger«, klassische Sit-ups oder Laufen auf der Stelle. Man muss einfach nur anfangen.

Von der »Couchpotato« zum fitten und agilen Teenager

Auch Noah hat das gemacht. Aus einer »Couchpotato«, wie er selbst sagt, wurde der fitte und agile Teenager, der er heute ist. Sein Motto: »Man kann es schaffen, wenn man möchte.« Den Kick dazu gab ihm der anfängliche Bewegungsmangel während der Corona-Pandemie. Vor dem Online-Schooling hieß es damals dann irgendwann: eine Stunde Sport. Mittlerweile trainiert Noah regelmäßig vier- bis fünfmal die Woche, an einem Tag Ausdauer, an einem den Oberkörper, die Beine.

Er hat gerade sein Abi in der Tasche, plant einen Aufenthalt in New York – und wollte eigentlich zur Maccabiah nach Israel. Eigentlich. Das internationale Sport-Event wurde wegen des Iran-Kriegs auf 2026 verschoben. Zwar ist Noah ein bisschen traurig, aber so, sagt er, habe er ein zusätzliches Jahr, um sich darauf vorzubereiten, »ohne Abi-Stress, als freier Mensch. Das pusht mich enorm«. Über das gewonnene Jahr ist auch Sören nicht ganz unglücklich, denn ihm geben die zwölf Monate Zeit, um fitter zu werden, wobei der sportliche Berliner, der die Makkabi-Basketballmannschaft trainiert, in Form wirkt. Vielleicht würde er nicht unbedingt in der prallen Nachmittagssonne Übungen machen, wie es so viele andere an diesem Montag tun, aber Sören joggt, läuft längere Strecken und trainiert für einen Halbmarathon.

Noahs Motto: »Man kann es schaffen, wenn man möchte.«

Ein Tag ohne Sport ist für ihn »wunderbar«. Kleiner Scherz, muss sein: »Ich habe sehr viele Tage ohne aktiven Sport, aber natürlich bin ich von morgens bis abends mit Sport, Sportorganisationen und mit dem Training beschäftigt.« Sport gehört zu Sörens Leben einfach dazu. Es ist eine Lebenseinstellung und auch eine Art, die Umwelt direkt wahrzunehmen. Beim Joggen zum Beispiel – vornehmlich abends. Denn zu dieser Tageszeit »ist es einfach still, es ist ruhiger, man nimmt die ganze Umwelt anders wahr: Geräusche, Gerüche, Lichter, Menschen«. Wenn Sören, der bei Makkabi die Basketball-Herren trainiert, über das spätabendliche Laufen spricht, klingt es viel besser, als es sich für Untrainierte anfühlt. Es klingt leicht.

Zwei, drei, vier – im Monbijoupark ziehen definierte Oberarmmuskeln die gebräunten Körper an den Klimmzugstangen nach oben. Noah schaut zu und weiß, dass das keine Übungen für Anfänger sind. Im Alltag sind es vier Übungen, mit denen viele starten können, wenn sie gesundheitlich fit sind. Ansonsten sollte vor den Übungen ein Arzt konsultiert werden. Makkabäerinnen und Makkabäer, die sich am Wochenende zum Precamp treffen werden, sind fit, trainiert und sicherlich auch ein bisschen wehmütig, dass sie von diesem sportlichen Treffen nicht gleich direkt nach Tel Aviv fliegen können.

»Die Absage für 2025 war für uns alle natürlich erst einmal ein riesiger Schock. Die Vorbereitungen in den vergangenen Jahren waren auch geprägt von vielen Fragezeichen. Trotz des 7. Oktober 2023, das wussten wir irgendwann, werden die Games stattfinden können«, sagt Alfi Goldenberg vom Makkabi-Deutschland-Präsidium.

»Einen Ort schaffen, an dem die Sportlerinnen und Sportler jüdisch sein können«

Aus der Erfahrung heraus weiß Goldenberg, dass sich Konflikte im Nahen Osten auch schnell auf Europa auswirken können – insbesondere auf deutsche Großstädte. »Ich kann mir vorstellen, dass es den Leuten hier grundsätzlich nicht so gut geht, das merken wir in den letzten Jahren.« Auch deswegen sei es umso wichtiger, dass die Makkabäer nun zusammenkommen und »wir einen Ort schaffen, an dem die Sportlerinnen und Sportler jüdisch sein können, an dem sie ihre Symbole tragen, Lieder singen und sich vielleicht freier bewegen können als in ihrem Alltag«.

Noah trägt eine Kette mit einem Chai-Anhänger um den Hals – immer unter dem T-Shirt, wie er betont. Manchmal falle der Anhänger auch kurz heraus und baumele dann über dem Shirt, aber darauf angesprochen wurde er bislang noch nie. Makkabi, das sei für ihn »Gemeinsamkeit, Zusammenhalt und Stärke. Ich habe das in London erlebt und freue mich auf das Wochenende – 130 Leute kommen. Das zeigt einfach unseren Zusammenhalt«.

Noah und Sören sind zwei von Hunderten Makkabäern, sie sind unterschiedlich alt, unterschiedlich fit, Noah joggt gern morgens, Sören eher spätabends, Noah hört Musik zum Workout, Sören lauscht der Stille der Natur – mental stark bleiben sie in diesen Zeiten durch das Miteinander – und die Kraft des Sports.

Übungen
»Superman«
Bäuchlings auf den Boden legen, die Körpermitte anspannen, die Arme über den Kopf strecken, die Beine etwas anheben. Position halten, die Arme langsam seitlich zur Körpermitte ziehen und sie ebenso langsam wieder nach vorn strecken.

»Sit-Ups«
Auf den Rücken legen, die Beine anwinkeln, die Arme verschränkt vor den Oberkörper halten oder sie parallel ausstrecken. Nun den Oberkörper langsam halbhoch aufrichten. Behutsam wieder in die Ausgangsposition zurückkehren.

»Kniehebelauf«
Gerade hinstellen, die Oberarme sind am Körper, die Unterarme zeigen im 90-Grad-Winkel nach vorn. Nun 30 Sekunden lang so schnell auf der Stelle laufen, dass die Knie die Hände berühren.

»Bergsteiger«
Ähnlich wie bei der Yoga-Position »Herabschauender Hund« die Hände fest auf den Boden drücken und die Beine so bewegen, als ob man einen Berg hinaufsteigt – nur ein wenig mit Tempo.

(Drei Sätze à zehn Wiederholungen bzw. 30 Sekunden beim »Bergsteiger«)

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