München

Fit fürs Finale

Schirmherrin Charlotte Knobloch (3.v.l.) im Kreis der Jurymitglieder des von David Ben Gurion begründeten Wettbewerbs Foto: Olga Kotlytska

Erst zum vierten Mal wurde das Bibelquiz »Chidon Hatanach« in Deutschland ausgetragen, und in diesem Jahr stand nun eine große Neuerung an. Nicht nur aus den deutschsprachigen Ländern fanden sich die jungen Teilnehmer – allesamt 14- bis 18-jährige hoch motivierte Kenner des Tanach – in München ein, sondern aus zehn Ländern in ganz Europa waren sie angereist.

Entsprechend gut gefüllt waren die Räumlichkeiten der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), in denen der Wettbewerb stattfand. Knapp 100 Jugendliche, dazu Begleitpersonen und Madrichim, fieberten den Fragerunden entgegen. Denn: Wer hier gewann, der ließ den Europa-Ausscheid hinter sich und ist für das internationale Finale im Mai in Jerusalem qualifiziert. Veranstaltet wird die Münchner Auflage des von David Ben Gurion begründeten Wettbewerbs von der Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA) und der Jewish Agency for Israel gemeinsam mit der Europäischen Rabbinerkonferenz und der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG).

Ambitioniertes Ziel

Gemeindepräsidentin Charlotte Knob­loch und Oberbürgermeister Dieter Reiter übernahmen in diesem Jahr erneut die Schirmherrschaft. Eva Haller, EJKA-Präsidentin und tatkräftige Organisatorin, gab ein ambitioniertes Ziel aus: »Wir hoffen, alle jüdischen Gemeinden in Europa für den Wettbewerb zu erreichen.«

Bereits am Tag vor dem Quiz konnten sich alle Teilnehmer und Unterstützer bei einem großen Get-together kennenlernen. Thematisch breit gefächerte Workshops wärmten für den großen Auftritt auf: Ob beim spielerischen Quiz über die Zehn Gebote oder beim Virtual-Reality-Erlebnis in »Jiddischhausen«, immer war die Stimmung von ausgelassener Neugierde geprägt. Ein Stadtspaziergang zu Stationen des jüdischen Lebens in München bot Interessierten eine räumliche Abwechslung.

Im Wettbewerb selbst wurden die Teilnehmer in zwei Schwierigkeitsklassen aufgeteilt: Alef für die Anfänger und Bet für die Fortgeschrittenen.

Im Wettbewerb selbst wurden die Teilnehmer in zwei Schwierigkeitsklassen aufgeteilt: Alef für die Anfänger und Bet für die Fortgeschrittenen. Damit sollte besonders hervorgehoben werden, dass es bei dem Wettbewerb nicht nur ums Gewinnen im herkömmlichen Sinne ging: Wer teilnehmen konnte an dieser Zusammenkunft von jüdischen Persönlichkeiten aus ganz Europa, der hatte schon dadurch etwas Bedeutsames gewonnen.

Für die Prüfung der Fortgeschrittenengruppe waren prominente Persönlichkeiten aus dem jüdischen Leben verantwortlich. Als Vertreter dieses Ehrenkomitees trugen unter anderem Charlotte Knob­loch, Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman, der Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Rabbiner Avichai Apel aus Frankfurt am Main und Gady Gronich von der CER Fragen über den Tanach vor, die aus gegebenem Anlass in thematischem Bezug zum aktuellen Krieg in Israel und den Neuigkeiten über die am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas Verschleppten standen.

Preisverleihung im Hubert-Burda-Saal

Bei der Preisverleihung im Hubert-Burda-Saal der Israelitischen Kultusgemeinde zeigte sich die Schirmherrin begeistert über das rege Interesse aus den europäischen Ländern: »Es ist in unserer schnelllebigen Zeit mit all ihren Ablenkungen ja keine Selbstverständlichkeit, dass sich ausgerechnet ein Bibelwettbewerb so großer Beliebtheit erfreut«, so Charlotte Knob­loch mit Blick auf das jugendliche Alter der Teilnehmenden. »Lange Zeit gab es beim Chidon Hatanach eine israelische Dominanz. Aber ich kann hier und heute stolz verkünden: So einfach lässt sich die Diaspora nicht mehr auf die hinteren Plätze verweisen.«

Die Gewinner aus der Gruppe der Fortgeschrittenen dürfen im Mai nach Israel fahren.

Knobloch erinnerte daran, dass das Streben nach Wissen und der Drang, Dinge zu ergründen und zu hinterfragen, wesentlich zur jüdischen Identität dazugehörten. »Wir wollen nicht nur nachbeten, sondern nachdenken und kritisch hinterfragen. Und wir wollen lernen. Das Bibelstudium ist der Schlüssel, der uns die Tür zum Judentum aufsperrt.«

In Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach Stadträtin Gudrun Lux. Dass der Wettbewerb in München stattfand, bezeichnete Lux als eine persönliche Freude und unterstrich, alles dafür zu tun, dass in der Stadt »jüdisches Leben wachsen und blühen kann«. Sie erinnerte an die kulturelle Bedeutung der Bibel auch über das Judentum hinaus: »Wer die Bibel nicht kennt, versteht auch die Bilder unserer Sprache nicht.«

Förderer für den Wettbewerb

Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Karl Straub, versicherte angesichts von Meldungen über eine zeitgleich abgehaltene anti-israelische Demonstration, dass »wir alles uns Mögliche tun werden, um diese hetzerischen Demonstrationen zu untersagen«. Straub betonte nachdrücklich, dass Antisemitismus in Bayern keinen Platz habe. Doron Almog, Präsident der Jewish Agency for Israel, meldete sich per Videobotschaft aus Israel, vor Ort sprach Michael Yedovitzky, Leiter der Deutschlandabteilung der Organisation. Besonderen Dank richtete er an Ilan Birnbaum, der sich Jahr für Jahr als Förderer für den Wettbewerb einsetzt.

Im Mittelpunkt standen bei der Preisverleihung aber natürlich die jungen Preisträger, die in beiden Kategorien ausgezeichnet wurden. Unter großem Jubel ihrer Mitstreiter wurden sie auf die Bühne gebeten und konnten dieses Mal von Mitgliedern des Ehrenkomitees ihre verdienten Trophäen empfangen. Die ersten und dritten Plätze wurden dabei gleich zweimal vergeben, und es gab Anlass für einen gewissen Regionalstolz: Trotz der Internationalität des diesjährigen Wettbewerbs gingen alle Preise an Teilnehmer aus den deutschsprachigen Ländern.

Die Gewinnerinnen und Gewinner aus der Gruppe der Fortgeschrittenen dürfen nach Israel fahren: die beiden Erstplatzierten Noga (Stuttgart) und Isaak (Berlin) sowie Benjamin (Düsseldorf), Hanna (Leipzig) und Nechama (Wien).

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