Synagogen-Gemeinde Köln

Fester Platz in der Gesellschaft

Fröhlich und unbeschwert spielen Kinder am Rheinufer. Im Hintergrund ist der Kölner Dom zu sehen. Die Sonne taucht die Szene in mildes Licht. Eine Idylle, die trügt. »Sag’ niemandem, dass Du jüdisch bist«, wiederholt eines der Kinder die Ermahnung seiner Mutter. Am Ende stehen die Kids mit lachenden Gesichtern zusammen, und ein Mädchen sagt: »Ich möchte den Menschen mit offenen Herzen begegnen und vor allem ohne Hass.«

Das kurze Video, das den über 450 Gästen zu Beginn des traditionellen Jahresempfangs der Synagogen-Gemeinde Köln (SGK) gezeigt wurde, machte deutlich, welche Frage die Jüdinnen und Juden nicht nur in Köln derzeit bewegt. SGK-Vorstand Bettina Levy fragte im Gebetsraum des Gotteshauses an der Roonstraße: »Können wir unser Jüdischsein uneingeschränkt leben, auch außerhalb dieser Mauern?«

Abraham Lehrer bat, den Geiseln »einen lebendigen Platz im Herzen« zu geben.

Levy und ihr Vorstandskollege Felix Schotland warfen einen Blick zurück auf den vergangenen Jahresempfang. Damals ging es angesichts des immer aggressiver und unverhohlener zu Tage tretenden Antisemitismus um die Frage, ob Juden in Deutschland ihre Koffer ein- oder auspacken sollten. »Diese Frage ist seit dem 7. Oktober irrelevant geworden«, betonte Bettina Levy, und Felix Schotland ergänzte: »Wir sind Juden, wir sind Israel, und deshalb sind wir alle Teil des Gemetzels der Hamas geworden.« Deren Ziel sei die Auslöschung aller Juden weltweit.

Der Synagogen-Vorstand, zu dem auch Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland zählt, bat seine Gäste, den Geiseln »einen lebendigen Platz im Herzen« zu geben. Dazu wurden Halsketten verteilt, an denen sich ein kleines Metallplättchen befindet, auf dem in Hebräisch und Englisch steht: »Bring them Home - now.«

An den Wänden im Gemeindesaal waren Plakate mit biografischen Auszügen zu den noch in der Gewalt der Terroristen befindlichen Menschen angebracht worden. Neben dem Synagogen-Eingang haben zahlreiche Menschen Blumen abgelegt, um ihre Solidarität zu zeigen. 

Auf Köln bezogen bedeutet das: Seit dem 7. Oktober gab es keinen Tag ohne antisemitischen Vorfall.

»Können wir überhaupt noch irgendwo sicher jüdisch leben?«, fragte Levy nochmals und verband dies mit einem Dank an die Gäste: »Danke, dass Sie gekommen sind. Danke für Ihre Anteilnahme.« Sie erinnerte daran, dass die Zahl antisemitischer Vorfälle seit dem Terrorkrieg der Hamas gegen Israel um 320 Prozent zugenommen habe.

Auf Köln bezogen bedeutet das: Seit dem 7. Oktober gab es keinen Tag ohne antisemitischen Vorfall. Es könne nicht sein, dass es in Medien und Politik dazu komme, Israel in die Rolle des Aggressors zu drängen. Felix Schotland verband dies mit der Bitte an das Auditorium, dass »Sie alle weiter Ihre Stimme erheben gegen Antisemitismus und dies durch Ihre Einstellung und Ihr Handeln zeigen«. Die Wiedereröffnung der Synagoge im Jahr 1959 sei ein Versprechen, lebendiges Judentum in der Mitte der Stadt zu bewahren. »Aber nur, wenn die Mitte der Gesellschaft selbstbewusst und eine eigene Kraft ist, kann sie auch etwas bewegen.«  

Zahlreiche Vertreter der Stadt und der Gesellschaft waren gekommen: Landtagsabgeordnete, Vertreter von Religionsgemeinschaften, Mitglieder des Stadtrats, der Stadtverwaltung sowie der Bezirke, Vertreter der Justizbehörden, Repräsentanten anderer jüdischer Gemeinden und Institutionen.

Vom Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland war Grigory Rabinovich nach Köln gekommen. Auch die ehemaligen Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) und Jürgen Roters (SPD), Kanzler-Enkel Konrad Adenauer, 1.-FC-Köln-Präsident Werner Wolf, Sänger Stephan Brings und Stadtdechant der katholischen Kirche Robert Kleine befanden sich unter den Gästen. Der Kölner Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne) nannte »Antisemitismus eine Schande, und das Leid der Geiseln unerträglich«. Jüdisches Leben müsse in Köln angstfrei möglich sein. Er versicherte der SGK: »Wir bleiben Ihnen gewogen.«

»Jüdische Geschichte und Menschen haben einen festen Platz in unserer Stadt.«

Diese Versicherung attestierte auch der Festredner der Veranstaltung. »Jüdische Geschichte und Menschen haben einen festen Platz in unserer Stadt«, betonte Johannes Hermanns, Polizeipräsident von Köln und Leverkusen, und sicherte zu, dass die Polizei alles tun werde, um dies auch weiter zu gewährleisten. In sehr persönlichen Worten schilderte der 60-Jährige, dass ihn ein bedrückendes Gefühl beschlichen habe, als er an der Synagoge angekommen war.

Bevor das Haus betreten werden könne, müssten Besucher zunächst an einem Streifenwagen mit freundlichen, aber schwer bewaffneten Polizisten vorbei und dann eine Sicherheitsschleuse passieren. »Wir sind weit von dem entfernt, was wir unter einem sicheren Ort verstehen«, sagte Hermanns. Der Chef der mit knapp 5000 Polizistinnen und Polizisten größten Polizeibehörde in Nordrhein-Westfalen wies aber auch darauf hin, dass es aktuell zwar eine »hohe Gefährdungsrelevanz«, aber keine konkrete Terrorgefahr gebe.

Dennoch sei trotz der historischen Verantwortung Deutschlands, Juden ein Leben in Freiheit und ohne Angst zu ermöglichen, diese Angst zurück. In diesem Zusammenhang bekannte der Polizist: »Auch wir als Polizei können uns unserer eigenen Geschichte nicht verschließen; Geschichte wird nicht ungeschehen, indem wir sie verschweigen.«

Im Kölner Präsidium hingen auch die Porträts von zwei Präsidenten aus der Zeit des Nationalsozialismus. »Es schmerzt mich und meine Kollegen, dass die Institution, der wir dienen, damals so verstrickt gewesen war.« Heute stehe die Polizei auf dem Fundament der Rechtsstaatlichkeit. »So lange der Schutz jüdischer Einrichtungen und Menschen nötig ist, werden wir das Wohlergehen der jüdischen Gemeinschaft gewährleisten und uns jeglichem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen.«

Brandenburg

Brandanschlag: Jüdische Gemeinden stellen sich hinter Büttner

Im Fall des Brandanschlags auf das Anwesen des brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten gibt es viele offene Fragen. Die örtliche jüdische Gemeinde solidarisiert Sicherheit mit Andreas Büttner

 15.05.2026

Jewrovision in Stuttgart

Der Gewinner heißt JuJuBa!

Das Team der Jugendzentren aus Baden hat den ersten Platz beim jüdischen Musikwettbewerb belegt. Der Preis für das beste Video ging an Neschama München

 15.05.2026

Stuttgart

Noa Kirel: »Ich liebe dich, Jewrovision!«

Die israelische Musikerin ist der Special Act auf dem größten jüdischen Musikwettbewerb Deutschlands

 15.05.2026

Stuttgart

Startschuss für die Jewrovision

Der jüdische Jugend-Musikwettbewerb hat begonnen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt treten heute 13 Teams aus ganz Deutschland auf

von Joshua Schultheis  15.05.2026 Aktualisiert

Musik

»Das allerwichtigste an der Jewro ist es, Spaß zu haben«

Hannah Veiler, Präsidentin der European Union of Jewish Students, moderiert in diesem Jahr die Jewrovision. Wir haben sie gefragt, was die Jewrovision für sie persönlich und für die jüdische Gemeinschaft bedeutet

 15.05.2026

Stuttgart

Erste Stimmen von der Jewrovision

Die Jüdische Allgemeine ist bei der Jewrovision 2026 in Stuttgart mit dabei und begleitet die Menschen hinter dem größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas.

 15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Hamburg

Mit Herz und Haltung

Alexandra Lachmann ist Musikerin und coacht Jugendliche für die Jewrovision

von Lorenz Hartwig  14.05.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  14.05.2026