EMG

Feinschliff für Berlin

Bei Gold werden alle meschugge», heißt der Slogan, der zurzeit auf über 1500 European-Maccabi-Games-Postern das Stadtbild Berlins prägt. Doch auch ganz ohne Gold sind die deutschen Makkabi-Athleten zurzeit schon ganz verrückt und haben nur noch ein Ziel vor Augen: die EMG, die am Dienstagabend in der Berliner Waldbühne eröffnet werden.

Um bei den jüdischen Europameisterschaften bestmögliche Platzierungen herauszuholen und sich als deutsches Team auf die Spiele einzuschwören, waren seit Freitagnachmittag mehr als 300 Makkabi-Sportler in der Duisburger Sportschule Wedau, von den Makkabäern nur «Deutsches Haus» genannt, zusammengekommen.

starttermine
Einer von ihnen ist der Schwimmer Jonathan Ben-Shlomo. «So langsam wird es ernst», sagte der Freiburger mit Blick auf die Starttermine der Schwimmer in den kommenden Tagen. Ben-Shlomo ist bereits bei mehreren EMG gestartet, die Wettkämpfe in Berlin sind für den 34-Jährigen jedoch etwas ganz Besonderes: «Zum ersten Mal seit der Schoa finden die Spiele bei uns in Deutschland statt. Das ist eine Riesenchance für uns: Wir können der Welt zeigen, dass es ganz normal geworden ist, als Jude in Deutschland zu leben.»

Zentralratspräsident Josef Schuster sagte bei seinem Besuch der Makkabi-Delegation in Duisburg: «70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 70 Jahre nach der Schoa treffen wir uns dort, wo die Nazis 1936 ihre gigantische Propagandashow rund um die Olympischen Sommerspiele abzogen. Die Spiele an diesem historischen Ort sind ein Triumph!»

«Schon wenn ich daran denke, wie Sie, die deutsche Delegation, in die Waldbühne einziehen werden, auch noch mit der deutschen Fahne, dann bekomme ich jetzt schon eine Gänsehaut», betonte der Zentralratspräsident. Dennoch sei es für ihn keineswegs selbstverständlich, dass die deutsche Mannschaft bei einer Makkabiade mit der deutschen Fahne einziehe. In Gesprächen mit vielen Sportlern habe er jedoch festgestellt, «dass die junge Generation viel unbefangener in diesem Punkt ist als wir Älteren – und das ist etwas sehr Schönes!»

chance Schuster betonte in seiner Rede, dass die EMG eine große Chance für die jüdische Gemeinschaft sei: «Wir werden Deutschland und Europa zeigen: Wir gehören dazu! Jüdisches Leben gehört zur europäischen Kultur», versprach Schuster. «Es wird ein gemeinsames Fest werden von jüdischen und nichtjüdischen Menschen, ein Sommermärchen.»

Auch Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, war nach Duisburg gereist, um der deutschen Delegation für die EMG viel Erfolg zu wünschen. Das Wichtigste, so Meyer, sei es, «dass wir eine Mannschaft sind und in den nächsten Tagen noch weiter, noch enger zu einer Makkabi-Familie zusammenwachsen». Für Makkabi Deutschland gelte: «Wir sind eine Gemeinschaft – Die Mannschaft ist der Star!»

Doch nicht nur, dass die Makkabi-Sportler ihre Kollegen aus den anderen Disziplinen anfeuern sollen, ist für Meyer selbstverständlich. «Wir, die Trainer und Betreuer, sind zu jedem Zeitpunkt für jeden Einzelnen für euch da.»

Ausdauer Bis zum Start muss noch trainiert werden. «Jetzt geht es nur noch darum, in kurzen, harten Sprints Tempo für die Starts zu bekommen», sagt Ben-Shlomo. Was ein Schwimmer an Ausdauereinheiten bis jetzt noch nicht trainiert hat, kann er in drei Tagen ohnehin nicht mehr aufholen, ist Ben-Shlomo überzeugt.

Im Schwimmteam setzt man große Hoffnungen auf die Junioren. «Deren Form ist schon seit Monaten überragend», erklärt Ben-Shlomo, der als Chef des Schwimmteams auch selbst an den Start geht. «Wir können Montagfrüh tiefenentspannt mit allen anderen Sportlern nach Berlin reisen. Wir sind fit!»

Denn wie schon bei der Makkabiade 2013 in Israel gelten die deutschen Juniorenschwimmer als «Goldesel», als garantierte Anwärter für erste Platzierungen. Überflüssig zu erwähnen, dass dann nicht nur die Schwimmer meschugge werden, sondern ganz Makkabi Deutschland.

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026