Feier

»Ein Zuhause«

Zentralratspräsident Josef Schuster, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Rabbiner Avichai Apel, First Lady Elke Büdenbender und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef bei der Einweihung der Jüdischen Akademie

Die Maschine des Bundespräsidenten konnte nicht so losfliegen wie geplant - am Ende ist die bundesweite Jüdische Akademie aber dann doch am Montag in Frankfurt eröffnet worden. Mit Verspätung, aber schließlich im Beisein von Frank-Walter Steinmeier.

Er durchschnitt gemeinsam mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, das Eröffnungsband. Beide waren auch die ersten, die die Mesusa festdrückten und berührten, nachdem sie von Rabbinern feierlich am Türpfosten angebracht worden war.

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Der Festakt mit reichlich Prominenz unterstrich die Rolle der Jüdischen Akademie als Ort der Bildung, des Dialogs, der jüdischen Perspektiven, der Vielfalt und des Respekts. Und als ein Ort, an dem Jüdinnen und Juden »aufhören, zu Gast zu sein. Ein Zuhause«, betonte Schuster.

Ein Haus, in dem nicht über Juden, sondern mit Juden gesprochen werde, erklärte Sabena Donath, Co-Direktorin der Akademie. Über jüdisches Leben, Historie und Gegenwart, Nahost. Am Rande der Veranstaltung nannte der katholische Limburger Bischof Georg Bätzing die Eröffnung einen »großen Tag«.

»Ich bin begeistertm es ist ein wunderschönes Haus«, sagt Doron Kiesel, Co-Direktor der Akademie, über den vom Architekturbüro Turkvali entworfenen Bau. »Es bietet so viele Möglichkeiten zu kommunizieren, zu streiten, zu diskutieren, zu verstehen und neugierig zu sein. Und insofern ist es genau das, was wir uns gewünscht haben.«

Akademie soll auch gegen Antisemitismus wirken

Zugleich stand der Festakt auch unter dem Eindruck von massiv gestiegenem Antisemitismus. Redner wählten eindringliche Worte, um Judenhass anzuprangern, für die sie vom Publikum teils Applaus und Zustimmung bekamen. So sagte Schuster, jüdisches Leben in Deutschland sei heute »so bedroht wie seit dem Menschheitsverbrechen der Schoa nicht mehr«. Wer behaupte, Antisemitismus habe keinen Platz in der Gesellschaft, liege »in der Sache falsch«. Damit werde auch die Realität verleugnet.

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Sowohl Steinmeier als auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) wandten sich gegen eine politische Instrumentalisierung von Judenhass. Für alle Parteien und Handlungsträger müsse klar sein, dass »der Schutz jüdischen Lebens niemals zur politischen Verhandlungsmasse« werden dürfe, betonte Steinmeier. »Wer auf den Straßen ›Tod den Juden‹ skandiert und die Auslöschung des jüdischen Staates fordert, darf in keiner Partei Verständnis und Applaus finden.«

Der hessische Ministerpräsident bezeichnete Frankfurt als jüdischste Stadt Deutschlands. »Jüdisches Leben und jüdische Kultur müssen sich frei und selbstbewusst in der Mitte unserer Gesellschaft entfalten können. Dafür braucht es Orte wie die Jüdische Akademie«, sagte er am Montag. In Frankfurt ist eine der bundesweit größten jüdischen Gemeinde beheimatet, mit Synagogen, Kindergärten, einer Schule und weiterer Infrastruktur. Die Stadt hat zudem eine reiche jüdische Geschichte. In den 1920er Jahren war dort am Main auch das Jüdische Lehrhaus, das eng mit dem Namen des Religionsphilosophen Franz Rosenzweig verbunden ist. In der Tradition dieses Lehrhauses sieht sich auch die neue Akademie. »Was in Frankfurt beginnt, soll in ganz Hessen wirken: in den Gemeinden, an unseren Schulen und Hochschulen, in unserer Gesellschaft. Das Land Hessen wird die Akademie auch künftig engagiert unterstützen«, versprach Rhein.

Schlichter und eleganter Neubau

Im Jahr 2020 war der Kaufvertrag für die neue Bildungseinrichtung mit der Stadt Frankfurt geschlossen worden, die Baugenehmigung wurde erteilt. Ein Jahr später folgte der erste Spatenstich, 2024 wurde Richtfest gefeiert. Zwar gab es zeitliche Verzögerungen und ein Anwachsen der Kosten auf jetzt rund 40 Millionen Euro - aber keine einschneidenden Ereignisse hätten die Akademie stoppen können, so Schuster. Er zeigte sich sicher, dass in Frankfurt Geschichte, Gegenwart und Zukunft jüdischen Lebens ineinanderflössen.

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Der Neubau des Frankfurter Architekturbüros von Zvonko Turkali ist schlicht und elegant gehalten, mit geschwungenen Treppen und reichlich Licht. Der mehrgeschossige Neubau, in dem auch ein Café untergebracht ist, ist mit einem Glasdurchgang mit einer alten Bestandsvilla verbunden. Und das alles mitten in Frankfurt, unweit der Jüdischen Gemeinde, an der Frankfurter
Senckenberganlage zwischen Messeviertel, Unicampus und Westend.

Der Oberbürgermeister der Stadt, Mike Josef (SPD), zeigte sich überzeugt davon, dass die Akademie weit über den Tag der Eröffnung hinaus Bedeutung haben werde. Sie sei etwas, was das gesamte Land und die Gesellschaft bräuchten. »Mit der Jüdischen Akademie gewinnt Frankfurt einen Ort des Denkens, des Lernens und der gesellschaftlichen Debatte. Einen Ort, der aus jüdischer Tradition heraus in die Zukunft unseres Landes wirken wird. Dass diese Akademie hier ihre Heimat findet, erfüllt mich als Oberbürgermeister mit großer Freude«, sagte er bei der Eröffnung.

Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, betonte, dass der Kampf gegen Antisemitismus und die Erforschung jüdischen Lebens für sie eine Herzensangelegenheit sei: »Dementsprechend ermöglicht mein Haus hierzu viele Forschungsprojekte in großen Förderlinien. Über Forschung das Wissen zu mehren – dieses Anliegen eint uns mit dieser neuen Einrichtung. In diesem Sinne bin ich überzeugt, dass die Jüdische Akademie zu einem Ort mit gesellschaftlicher Strahlkraft wird. Ein Ort des Wissens. Ein Ort des Austausches. Ein Ort der Vermittlung.«

Dem pflichtet auch Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker bei: »Als jüdischer Thinktank wird die Akademie kulturelle und interreligiöse Brücken bauen und gerade in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus das Wissen über und das Verständnis für jüdisches Leben in unserer Gesellschaft stärken.«

Militärbundesrabbiner Zsolt Balla sprach am Ende den Segen und bat dafür, dass in der Akademie Frieden und Segen herrschen mögen. Auch solle man sich in der Einrichtung »mit Beharrlichkeit« dem Studium widmen können.

Schuster hatte schon aus dem Talmud zitiert: »Das Lernen ist groß, denn es führt zu Taten.« Genau unter diesem Motto solle das Wirken der Akademie stehen - die am 2. November, dem 70. Todestag des Rabbiners und Gelehrten Leo Baeck eröffnet wurde, der das deutsche Judentum mitprägte.

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