München

Ein klares Votum

Seit 1985 steht Charlotte Knobloch als Präsidentin ununterbrochen an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Dieses Amt wird sie auch die nächsten vier Jahre ausüben. Ihre zehnte Wiederwahl durch den neu gewählten Vorstand in der vergangenen Woche geriet zu einem überwältigenden Vertrauensbeweis: kein Gegenkandidat, keine Gegenstimme und nur eine einzige Enthaltung. Die kam von ihr selbst.

Der glatte und unkomplizierte Verlauf der konstituierenden Sitzung, die auf www.ikg-live.de übertragen wurde, stand im krassen Gegensatz zum holprigen Wahlverlauf. Denn mehrfach musste die Wahl, die bereits vor einem Jahr stattfinden sollte, coronabedingt verschoben werden. Erst jetzt, am ersten Sonntag im Dezember und dem vorangegangenen Donnerstag, konnte sie unter Einhaltung strenger Vorgaben endlich über die Bühne gehen.

Den Grundstein für die Wiederwahl hatten die Mitglieder mit ihrer Stimmabgabe gelegt. Charlotte Knobloch erhielt mit Abstand die meisten Stimmen. Danach folgten Grigorij Grischa Judanin, Aaron Buck, Eugen Alter, Slava Satanovsky, Peter Guttmann, Yehoshua Chmiel, Guy Fränkel, Judith Epstein, Cilly Kalmanowicz, Daniel T. Salzer, Vera Szackamer, Ariel Kligman, Rena Spiegelstein und Anita Kaminski.

strukturen Auch wenn der neue Vorstand durch das Votum der Mitglieder gehörig durcheinandergewirbelt wurde und jetzt eine ganze Reihe »neuer Gesichter« aufweist, blieben die wesentlichen Strukturen erhalten. Yehoshua Chmiel, bisher bereits Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, wurde bei der konstituierenden Sitzung des Vorstands durch seine Amtskollegen bestätigt.

Yehoshua Chmiel und Peter Guttmann amtieren als Vizepräsidenten.

Zweiter Vizepräsident neben Yehoshua Chmiel wurde Peter Guttmann. Er nahm den Platz von Ariel Kligman ein, der aber weiter dem Vorstand angehört. Für Rechtsanwalt Peter Guttmann indes ist diese Aufgabe nicht neu. Schon einmal, nach der Wahl 2011, hatte er dieses Amt ausgeübt.

Charlotte Knobloch reagierte nach ihrer Wiederwahl zur Präsidentin der IKG sichtlich bewegt auf die einstimmige Entscheidung der Vorstandsmitglieder und bedankte sich für das große Vertrauen, das ihr dadurch entgegengebracht worden sei. »Dass ich der Kultusgemeinde noch einmal vier Jahre als Präsidentin dienen darf, ist für mich eine Ehre und eine große persönliche Freude«, erklärte sie in ihrer ersten Rede als Präsidentin der neuen Amtsperiode.

ideen Sie erinnerte auch daran, dass es jetzt nach der Wahl nicht mehr um einen Wettbewerb vor Publikum gehe, sondern nur noch um einen Wettstreit der Ideen, ein gemeinsames konstruktives Streiten.

Ziel dabei sei es, das Wohl der Kultusgemeinde zu mehren, wandte sich die alte und neue Präsidentin direkt an ihr Vorstandsteam. »Sie und wir alle«, betonte Charlotte Knob­loch, »stehen vor dieser schönen und ehrenvollen, aber auch fordernden Aufgabe. Der Zeitaufwand, den ein solches Ehrenamt mit sich bringt, ist erheblich – aber er lohnt sich.«

Charlotte Knobloch bedankte sich nach ihrer Wiederwahl zur Präsidentin der IKG für das große Vertrauen.

Wohl auch mit besonderem Blick auf »die Neuen« beschrieb sie den IKG-Vorstand als »Forum, das möglich machen soll, was bislang nur Wünsche und Hoffnungen sind. Das ist unsere Pflicht, unsere Verantwortung«. Wie groß das Terrain, das Betätigungsfeld, ist, machte sie mit einer ganzen Reihe von Stichpunkten deutlich: der Neubau des Seniorenheims, die Konsolidierung des Helene-Habermann-Gymnasiums, der Bildungsbereich für die Kinder, Digitalisierung der Gemeinde, Baustellen wie das Restaurant sowie reichlich Personal- und Strategie-Fragen.

herausforderungen Zu den besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung dieser »Hausaufgaben« zählte die IKG-Präsidentin in ihrer Rede nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch den wiederaufflammenden Antisemitismus: »Judenhass begegnet uns heute in vielfältiger Form, teils sogar direkt hier auf dem Jakobsplatz, aber auch in den Parlamenten, von links und von rechts, von Islamisten und Israelhassern und immer stärker aus der Mitte der Gesellschaft.«

All das im Auge zu behalten und jeder der Aufgaben voll und ganz gerecht zu werden, bedeutet nach Überzeugung von Charlotte Knobloch, die Hoffnungen der Gemeindemitglieder nicht zu enttäuschen. »Das ist eine Sisyphusarbeit«, sagte sie.

Dass die Israelitische Kultusgemeinde dieser Aufgabe gewachsen ist, daran zweifelt Knobloch nicht. »Wir sind groß und sichtbar, geeint und handlungsfähig – und wir haben eine laute Stimme, die wir auch ohne Scheu einsetzen, wenn es notwendig ist«, stellte sie fest.

Um aber mit Freude und Optimismus in die Zukunft blicken zu können, ist nach Überzeugung der IKG-Präsidentin eine Bündelung aller Kräfte unverzichtbar, um Dynamik, Energie und eine Aufbruchsstimmung zu entwickeln. Auf dieser Grundlage sei es dann möglich, eine jüdische Zukunft zu schaffen, auf die auch die Generation der Kinder und Enkel noch stolz sein könne. »Gehen wir an die Arbeit«, so lautete ihre Aufforderung an die Vorstandsmitglieder.

Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

 19.03.2026

Musik

»Die Verbundenheit zwischen Juden und Iranern zeigen«

Alexey Kochetkov und Kioomars Musayyebi haben ein Konzert mit jüdischer-persischer Musik gegeben. Ein Gespräch über Santur-Klänge, Politik und eine besondere Freundschaft

von Katrin Richter  19.03.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Angriffe

Schmierereien und Drohungen: Antisemitismus an NS-Gedenkstätten nimmt zu

Lehrer hätten bereits Führungen abgesagt, aus Angst, dass Schüler das Programm boykottieren

von Leticia Witte  18.03.2026

Ehrung

Ein pflichtbewusster Optimist

Fritz Neuland war einer der Wiederbegründer und später Präsident der Münchner Kultusgemeinde. Nun ist eine Straße nach ihm benannt

von Esther Martel  16.03.2026

Auftakt

Schutzversprechen für die jüdische Gemeinschaft

Im Alten Rathaus am Marienplatz begann die Münchner »Woche der Brüderlichkeit« 2026

 16.03.2026

Dresden

Stimme der Aufklärung

Die 90-jährige Schoa-Überlebende Renate Aris erhält für ihr Engagement als Zeitzeugin das Bundesverdienstkreuz

 15.03.2026

Berlin

Signale am Gleis 17

Aktivisten möchten aus dem ehemaligen Bahnwärterhaus eine Info-Werkstatt zur Schoa machen

von Christine Schmitt  15.03.2026

Porträt

Im Einsatz für andere

Jutta Josepovici arbeitete für die ZWST und die Frankfurter Jüdische Gemeinde

von Eugen El  15.03.2026