Interview

»Die Bedeutung des Waldes kennenlernen«

Johannes Guagnin Foto: Marco Limberg

Herr Guagnin, wie gestaltet sich Tu Bischwat in Pandemiezeiten?
Bezogen auf Israel sieht es so aus, dass wir mit dem Schmittajahr eine zusätzliche Beschränkung haben. Wir können uns wegen der Pandemie nicht versammeln und wegen des Schmittajahres nicht pflanzen. Wir werden daher Schulklassen zu uns in die drei organisationseigenen Baumschulen einladen und ein alternatives Programm vorbereiten.

Was lernen die Schülerinnen und Schüler dort?
Die Kinder sollen an die Bedeutung von Wald als Lebensraum herangeführt werden, die ökologische Bedeutung des Waldes kennenlernen und die Aufgaben des Baums an sich: CO2-Bindung, Luftreinhaltung et cetera.

Was planen Sie in Deutschland?
Wir planen – wie bereits im vergangenen Jahr – einen Online-Seder. Wir stellen dabei unser Programm vor und haben mit der Kantoratsstudentin Shulamit Lubovska und Rabbinatsstudent Andres Bruckner zwei Nachwuchskräfte gefunden, die den Seder musikalisch und spirituell begleiten.

Welche Bedeutung hat Tu Bischwat im Jahr 2022?
Der ursprüngliche Zweck war ja, einen Stichtag für die Bestimmung des Alters der Bäume zu haben. Früchte dürfen in Israel erst nach dem dritten Jahr geerntet werden. Das ist ein Gebot, das im Land gilt. In den vergangenen Jahrzehnten ist das Fest zu einer Art Pflanztag geworden, denn Schulklassen gehen in die Baumschulen, nehmen Setzlinge und pflanzen sie. Im Ausland hat der Tu-Bischwat-Seder eher eine symbolische Bedeutung, um zu zeigen, wie gut die Früchte aus Israel sind.

Das Stichwort Nachhaltigkeit spielt dabei auch eine Rolle?
Der Feiertag hat einen Bedeutungswandel durchgemacht. Ursprünglich wurde daran erinnert, wie gut das Land Israel ist, heute befasst man sich eher damit, was es bedeutet, einen Baum zu pflanzen. Was ist nachhaltig daran? Was bedeutet Nachhaltigkeit für kommende Generationen? Solche Fragen werden gestellt. Der Umweltgedanke ist sehr prominent.

Mit dem Hauptdelegierten des JNF-KKL Jerusalem für Deutschland sprach Katrin Richter.

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Bonn

»Es ist ein Bruch eingetreten.«

Rabbiner Andreas Nachama betonte, dass Jüdinnen und Juden immer weiter in eine »Defensivposition« gebracht würden. Eine Studientagung des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lotete aus, wie es anders gehen könnte

von Leticia Witte  31.05.2026

Geburtstag

Mit exaktem Blick – Dagmar Nick zum 100. Geburtstag

Die Lyrikerin feierte in München mit einer Lesung ihren Jahrhundert-Geburtstag

von Michael Schleicher  30.05.2026

Zeitreise

Historische Frankfurter Judengasse wird virtuell erlebbar

In den Alltag von Jüdinnen und Juden im Jahr 1864 in Frankfurt am Main eintauchen, sich als Passant in der historischen Judengasse bewegen und mit Bewohnern sprechen: Das Jüdische Museum Frankfurt hat eine internetbasierte Zeitmaschine entwickelt

von Jens Bayer-Grimm  29.05.2026

Gedenken

Charlotten Knobloch: Holocaust-Bildungsstätte ist »nötiges Gegengewicht«

Die Gedenkstätte Yad Vashem errichtet ein Bildungszentrum in München. Für eine wichtige Persönlichkeit jüdischen Lebens in Deutschlands ist das eine notwendige Maßnahme

von Michael Donhauser  02.06.2026 Aktualisiert

Nordhausen

Ausstellung zeigt Lebensgeschichten von jüdischen Kindern

Im April 1945 befreite die Rote Armee bei Tröbitz 2.300 Häftlinge aus einem abgestellten Zug des »Verlorenen Transports«. Eine Ausstellung dokumentiert mit Fotos das Schicksal von acht überlebenden Kindern

 27.05.2026