Düsseldorf

Cooler Kick

Eher kritisch schauten die sonst hitzegewohnten Spieler von Sha’ar HaNegev auf den in Flutlicht getauchten Kunstrasen. Abendlicher Schneegriesel hatte das rheinische Fußballfeld mit einer hauchdünnen weißen Schicht überzogen. Ein paar Flocken segelten noch durch die Luft. »Ich habe noch nie bei Schnee gespielt«, stellte Kapitän Tamir Erez fest und ging mit seinem Team bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ans Aufwärmen.

Der Ilan Fiorentino Cup am vergangenen Sonntag war voller Premieren. Die Düsseldorfer Gemeinde, die NRW-Landeshauptstadt und das Land Nordrhein-Westfalen richteten das Turnier erstmals aus. Neben den Israelis konnten sie Kicker von Maccabi Düsseldorf, dem FC Landtag und dem iranischen Team »King of Persia« für die Teilnahme gewinnen.

Die Freundschaftsspiele auf dem Feld des Polizei-Sport-Vereins im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg sollten weit mehr als frostige Abendkicks werden.

Namensgeber des Cups war ein Spieler des Sha’ar HaNegev Football Veteran Team

Der Namensgeber des Cups war ein Spieler des Sha’ar HaNegev Football Veteran Team. Am 7. Oktober 2023 wurde er von Hamas-Terroristen ermordet. Der 38-jährige verheiratete Vater von drei Töchtern arbeitete als Sicherheits­koordinator im grenznahen Kibbuz Nahal Oz. Am Tag des Angriffs brachte er zunächst einen Kibbuz-Bewohner, der joggen gegangen war, in Sicherheit. Fioren­tino kehrte dann mit seiner Waffe zurück in den Kibbuz und nahm den Kampf mit den Terroristen auf.

Die Düsseldorfer Gemeinde hatte 25 Teammitglieder von Sha’ar HaNegev für zwei Wochen nach Deutschland eingeladen. Nach 2024 war es bereits der zweite Besuch der Mannschaft. Möglich macht dies das Programm »Shalom Chaveruth« der NRW-Landesregierung. Es soll ein Zeichen der Solidarität mit israelischen Kommunen sein, die der Hamas-Terror schwer getroffen hat.

Für die Gäste mit Coach Avi Rosenfeld organisierten die Sportler aus Nordrhein-Westfalen ein Trainingscamp bei der Fußball-Akademie von Borussia Dortmund und den Besuch einer Top-Bundesligabegegnung im Signal Iduna Park (Borussia Dortmund gegen VfB Stuttgart, 3:3). Mona Neubaur, stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin, sagte zur Eröffnung des Cups: »NRW tut alles dafür, dass Sie sich sicher fühlen können. Ob in NRW oder in Israel oder irgendwo in der Welt.«

Der Namensgeber des Cups rettete am 7. Oktober Bewohner des Kibbuz Nahal Oz.

»Wir wollen mit unserer Teilnahme zeigen, dass wir nicht nur in der Politik, sondern auch im Alltag auf der Seite Israels stehen. Dass wir mitmachen konnten, hat uns viel bedeutet«, betonte Thomas Okos. Der CDU-Politiker bemüht sich gerade, das Fußballteam des NRW-Landtags nach langer Pause wieder in Form zu bringen. »Es ist kalt und schneeregnerisch, aber letztlich brennt in uns allen das gleiche Feuer – für Frieden, für Toleranz und für den Fußball«, ergänzte Team- und Parteikollege Christian Untrieser.

Freundschaften zwischen Spielern und Gemeindemitgliedern

Vorstandsmitglied Julia Blüm unterstrich, dass durch die zwei Besuche inzwischen Freundschaften zwischen den Spielern und Gemeindemitgliedern entstanden seien: »Für uns ist der Cup ein Zeichen der Freundschaft, der Solidarität, des gemeinsamen Erinnerns – und der Hoffnung.«

Als es dann losging, erwies sich die Moderation von Oliver Seidler (Sky, RTL) als wertvolle Orientierungshilfe. Routiniert und verständlich kommentierte er vom Platzrand aus, was auf dem Feld vor sich ging. Je nach Spiel auch mit Co-Moderator. Für die Kicks der Israelis wechselte sich Seidler am Mikro mit Sha’ar-HaNegev-Torhüter Eyal Navarro ab. Der Keeper musste wegen eines Hexenschusses pausieren und kommentierte die Spielzüge seines Teams nun auf Englisch – und machte die Zuschauer immer wieder gern auf die Angriffsstärke der Negev-Stürmer aufmerksam.

Diese verwandelte sich zwar nicht immer in Tore, aber letztlich waren die spielfreudigen Israelis in ihren weißen Trikots auch bei Kälte nicht ernsthaft aufzuhalten. Vielleicht wirkte ja auch das Dortmunder Trainingscamp nach. Ihr erstes Spiel (von jeweils 30 Minuten) gewannen sie mit 2:0 gegen Maccabi Düsseldorf.

Die nächste halbe Stunde konnten die Israelis zum Aufwärmen und Feiern mit ein paar Dutzend Zuschauern nutzen, während auf dem Platz der FC Landtag dem Team King of Persia mit 0:2 unterlag. Das war nicht ganz überraschend. Die Persien-Elf setzte sich aus iranischstämmigen Spielern von Union Köln zusammen, die aufeinander eingespielt sind. Ein paar Fans feuerten sie an und schwenkten dabei die alte iranische Flagge.

Die Persien-Elf setzte sich aus iranischstämmigen Spielern von Union Köln zusammen, die aufeinander eingespielt sind

»Es hat wirklich Spaß gemacht. Es war so kalt. Aber wenn man spielt, merkt man es nicht so«, erzählt Ahmadreza. Der 29-Jährige war wegen der Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs auf Umwegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus der Domstadt nach Düsseldorf gekommen, um mit den Iranern anzutreten. Die Pause nutzte er für Falafel mit reichlich Hummus im Vereinsheim.

Das bitter nötige Einheizen in den spielfreien Minuten übernahm die israelische Sängerin Lior Peretz aus Berlin. Mit Hits wie »It’s Raining Men« brachte ihre Stimme die fröstelnden Zuschauer immer wieder zum Tanzen. Auch heißer Glühwein half zeitweise.

Finale der beiden Sieger aus der ersten Runde

Dann das Finale der beiden Sieger aus der ersten Runde: Sha’ar HaNegev gegen King of Persia. Den zunächst überlegenen Israelis gelang der erste Treffer. Zwischendurch stellte sich nach einem Schuss hoch über iranisches Tor und Fangzaun die bange Frage: Wo ist der Ball? Und gibt es Ersatz? Gab es. King of Persia glich zum 1:1 aus.

Die Schlussminuten waren entsprechend packend – und wurden durch das zweite und dritte Tor der Negev-Kicker entschieden. »Das war richtig guter Fußball«, freute sich Oliver Seidler, dem es eine Herzensangelegenheit war, den Ilan Fiorentino Cup zu kommentieren.

Für die jubelnden Sieger, die schnell in dicke Jacken geschlüpft waren, gab es im Anschluss den verdienten Pokal. Und alle Teilnehmer bekamen Medaillen mit blau-weißem Band und einem Foto von Ilan Fiorentino. Kapitän Erez zeigte sich mit seiner eigenen und der Teamleistung zufrieden. Zwei Tore gehen auf sein Konto. Das erste Spiel im rheinischen Schnee, es hat also geklappt.

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