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»Braune Renaissance«

»Ich sehe im Kampf gegen Antisemitismus nur noch Rückschläge und keine Fortschritte mehr«: IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch Foto: Steffen Leiprecht

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»Braune Renaissance«

Charlotte Knobloch sieht im Kampf gegen Judenhass Rückschläge – und fordert eine kluge Form von Patriotismus

von Helmut Reister  12.03.2018 20:04 Uhr

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hält die Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland für gescheitert. »Ich sehe im Kampf gegen Antisemitismus nur noch Rückschläge und keine Fortschritte mehr«, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland am Sonntag in einem Vortrag in Düsseldorf.

»Wir müssen uns eingestehen, dass es nicht gelungen ist, den Anfängen zu wehren«, so Knobloch weiter. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die fast 1500 antisemitischen Straftaten im vergangenen Jahr in Deutschland, die Schändung jüdischer Friedhöfe, Angriffe auf Synagogen und jüdische Gemeindehäuser sowie Hasstiraden in sozialen Netzwerken.

Werte In ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe »Düsseldorfer Reden« des Schauspielhauses betonte Knobloch, dass Deutschland selbstverständlich ihre Heimat sei, fügte aber auch an: »Ich bin eine deutsche Patriotin. Ich liebe unser Land – bis vor Kurzem hätte ich hinter diese Aussage auch ein Ausrufezeichen gemacht, doch diese Gewissheit wankt.« Es sei in Deutschland »überfällig, eine kluge Form von Patriotismus zu entwickeln«, der kultur- und werteorientiert sei.

Die IKG-Präsidentin konstatierte eine »braune Renaissance« in Deutschland. Die AfD toleriere Antisemitismus und überschreite bewusst die Grenzen des Sagbaren. »In Deutschland gewöhnt man sich bereits an Ungeheuerlichkeiten, die vor einiger Zeit noch geächtet waren«, kritisierte die ehemalige Zentralratspräsidentin. »Die AfD wird nichts Positives zu einer liebens- und lebenswerten Demokratie in Deutschland beitragen.«

Zugleich beklagte Knobloch auch den Antisemitismus linker Gruppen und insbesondere von Muslimen. Aggressive verbale und tätliche Gewalt seien keine Einzelfälle mehr, sondern inzwischen Alltag. Es mehrten sich die Sorgen und Zukunftsängste in der jüdischen Gemeinschaft. »Und auch in der Mitte der Gesellschaft ist der Schoß immer noch fruchtbar«, führte Knobloch aus. Die politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen, aber auch die Bürger dürften angesichts des Holocaust »nicht vergessen, wie schnell die dünne Decke der Zivilisation zerreißen kann«, mahnte Knobloch.

Verantwortung Zu der Diskussion um die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten in den Bundesländern sagte Charlotte Knobloch: »Ich halte das leider für eine notwendige Maßnahme. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Kampf gegen Antisemitismus nicht entschieden und systematisch genug geführt wurde.«

Antisemitismusbeauftragte seien ein wichtiger Schritt, um zu zeigen, »dass Politik und Gesellschaft die besondere historische und gegenwärtige Verantwortung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Judenhass aller Art ernst nehmen und entschieden bekämpfen«.

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