München

Brauchtum zu Besuch

Die Schäffler bei ihrem Tanz im Hof des Gemeindezentrums Foto: IKG München und Oberbayern/Thomas Hauzenberger

München

Brauchtum zu Besuch

Der Tanz der Schäffler im Hof der Sinai-Grundschule verband auf besondere Weise Geschichte und gelebte Gemeinschaft

von Esther Martel  16.02.2026 17:22 Uhr

Der Münchner Schäfflertanz, eine mehr als 500 Jahre alte Tradition, hat in diesem Jahr den Pausenhof der Sinai-Grundschule in ein farbenfrohes Freilufttheater verwandelt. Auf Einladung der Schule war der Fachverein der Schäffler Münchens mit dem originalen Münchner Schäfflertanz zu Gast, der nur alle sieben Jahre aufgeführt wird. Grundschüler wie Kindergartenkinder verfolgten das Spektakel mit Begeisterung und forderten am Ende lautstark eine Zugabe.

Schulleiterin Claudia Bleckmann erklärte, der Kontakt sei durch eine Kollegin entstanden. Den Tanz in der Gemeinde zu erleben, sei eine schöne Möglichkeit, »die Verbundenheit der Gemeinde und der Schule mit der Stadt und dieser alten Münchner Tradition herzustellen«. Auch die Schäffler hätten großes Interesse gezeigt, erstmals in der Gemeinde aufzutreten. Da Stadtgeschichte im Unterricht behandelt wird, waren die Kinder bereits vorbereitet und kannten die Hintergründe. Besonders wichtig sei für sie »die Aussage, dass Menschen Mut schöpfen können aus der Tradition – das passt zur aktuellen Situation«, betonte Bleckmann.

Irina Sokolov, Leiterin des Kindergartens, hatte die Kinder im Vorfeld unter anderem mit Videos auf den Besuch eingestimmt. »Dies war für die Kinder etwas ganz Besonderes«, erklärte sie. Entsprechend groß war die Freude während der rund halbstündigen Aufführung, die von Live-Blasmusik begleitet wurde.

Seinen Ursprung hat der Schäfflertanz der Tradition zufolge im Jahr 1517, als die Pest München heimsuchte.

Seinen Ursprung hat der Schäfflertanz der Tradition zufolge im Jahr 1517, als die Pest München heimsuchte. Der Überlieferung nach wollte ein Bürger aus der Zunft der Fassmacher – der sogenannten Schäffler – die verängstigte Bevölkerung mit einem heiteren Schauspiel wieder ins Freie locken und neuen Lebensmut vermitteln. Der Name erinnert bis heute an dieses Handwerk. Traditionell war der Tanz ausschließlich den Schäfflern vorbehalten; erst seit dem 20. Jahrhundert dürfen auch Angehörige anderer Berufe teilnehmen.

Der älteste Nachweis des Tanzes stammt aus dem Jahr 1702, organisiert wird er in München seit 1871 vom Fachverein der Schäffler. Zu Beginn und am Ende der Vorführung erklingt traditionell der »Bayerische Defiliermarsch«. Dazwischen präsentieren rund 25 Tänzer in roten Jacken, grünen Kappen, weißen Westen und Lederschurz eine festgelegte Abfolge kunstvoller Figuren und halten dazu die mit Buchs umbundenen Tanzbögen.

Für auflockernde Momente sorgen zwei »Kasperl«, die insbesondere die jüngeren Zuschauer ansprechen. Mit schwarzer Schminke setzen sie den anwesenden Kindern aller Altersgruppen Punkte auf die Nase – eine Erinnerung an den »Schwarzen Tod«, zugleich aber auch ein Glücksbringer. Bis Faschingsdienstag ziehen die Münchner Schäffler durch die Stadt und absolvieren dabei mehr als 450 Auftritte auf Straßen und Plätzen, in Schulen und Firmen, häufig mehr als ein Dutzend pro Tag. Dass sie nun auch im Jüdischen Gemeindezentrum tanzten, verband auf besondere Weise Geschichte, Tradition und gelebte Gemeinschaft – und vermittelte den Kindern, dass aus alten Bräuchen manchmal neue Hoffnung erwächst.

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