Nazis

Aufmarsch für einen Volksverhetzer

Demo der Partei »Die Rechte« in München Foto: imago

Den Holocaust hat es nicht gegeben.» Einer derjenigen, die das schlimmste Kapitel der Menschheitsgeschichte in Abrede stellen, ist der frühere Rechtsanwalt Horst Mahler. Die Staatsanwaltschaft München hat nun mit einem internationalen Haftbefehl dafür gesorgt, dass Mahler erneut verhaftet worden ist. In Ungarn, wohin er vor der deutschen Justiz flüchtete, sitzt er derzeit in Auslieferungshaft.

Ende Mai haben Anhänger der Neonazi- und Rechtsextremisten-Szene unter dem Motto «Freiheit für Horst Mahler!» in verschiedenen Städten für ihn demonstriert, darunter auch in München. Zwei Dutzend Demonstranten hielten es für nötig, Mahler öffentlich vor dem ungarischen Generalkonsulat ihre Solidarität zu bekunden. Organisiert hatte die Aktion die Partei «Die Rechte», auch die NPD schloss sich an.

video Wie die Unterstützer ticken, machte zum Beispiel Philipp Hasselbach deutlich, der Landesvorsitzende von «Die Rechte». Für ihn ist Horst Mahler «ein glühendes Vorbild». Er habe endlich mit «Schuldkult und Nationalmasochismus» Schluss gemacht. Um Verharmlosung der Rolle Mahlers in der rechtsextremen Szene bemühte sich am Rednerpult auch Karl Richter, Stadtrat in München und früherer Landesvorsitzender der NPD.

Zu einem unsäglichen Spektakel wurde der Auftritt vor dem Konsulat, als die Veranstalter auch noch ein Video des inhaftierten und mehrfach verurteilten Holocaust-Leugners einspielten.

Mahler präsentierte sich darin zum wiederholten Mal völlig unverhohlen als glühender Antisemit, sprach vom «Schuldkonto der Juden» und davon, dass Juden durch eine «Vermischung» an der Auslöschung des deutschen Volkes arbeiten würden. Hitler und das deutsche Volk, so die verquere Sichtweise des Ex-Anwalts, hätten dagegen einen Schutz entwickelt. Gegendemonstranten wunderten sich, dass die Polizei den Aufmarsch gewähren ließ und auch dann nicht einschritt, als das Hetz-Video gezeigt wurde.

verurteilung Horst Mahler, der als Mitbegründer der Rote Armee Fraktion (RAF) gilt, als Anwalt unter anderem Andreas Baader und Ulrike Meinhof vertrat und später eine ideologische 180-Grad-Wendung nach Rechtsaußen vollführte, wurde im Februar 2009 vom Landgericht München zu sechs Jahren Haft verurteilt und zu einer weiteren Haftstrafe durch das Landgericht Potsdam. Zehn Jahre sollte er hinter Gittern verbringen, kam jedoch wegen gesundheitlicher Probleme schon vorzeitig auf Bewährung frei.

Da er auch danach weiter hetzte, widerrief die Staatsanwaltschaft in München seine Bewährung und sorgte dafür, dass Mahler in Ungarn festgenommen wurde. Seine Überstellung an die deutschen Behörden steht offenbar kurz bevor.

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026