Weimar

Auf alles vorbereitet

Willkommene Musiker in Weimar: die Klezmatics mit Matt Darriou, Lisa Gutkin, Frank London, Paul Morrissett, Lorin Skanberg Foto: imago/ZUMA Press

Die wichtigste Nachricht: Der Yiddish Summer Weimar findet tatsächlich vom 21. Juli bis zum 21. August statt. Das ist wichtig aus mehreren Gründen. Deutschland feiert 1700 Jahre jüdisches Leben im Land, und Thüringen schaut auf 900 wechselvolle Jahre jüdischen Lebens zurück.

Zudem war nach dem langen Corona-Lockdown die Sehnsucht nach Kunst und Kultur auf der Bühne und im Probenraum noch nie so groß wie derzeit, da die Inzidenzen sinken und einiges an Open-Air-Veranstaltungen möglich erscheint. »Wir sind froh, dass wir nun grünes Licht bekommen haben«, sagt Kurator Andreas Schmitges. Daher sei nun alles recht kurzfristig zu organisieren.

Der Yiddish Summer Weimar ist mittlerweile eher ein Eigenname denn eine Ortsbestimmung – wenngleich die meisten Veranstaltungen unverändert in der Klassikerstadt ausgeschrieben werden. Unter anderem gibt es aber auch Gespräche mit den Verantwortlichen in Gotha, Gera, Ilmenau, Schmalkalden und Apolda. Erfurt, Eisenach, Altenburg und Tiefurt gehören bereits zu den Spielstätten des Yiddish Summer Weimar, der zu den größten jiddischen Kulturfestivals weltweit zählt.

Rahmenthema In diesem Jahr findet er zum 21. Mal mit einem außerordentlichen Rahmenthema statt. Ein digitaler musikalischer Schatz soll gehoben werden. Vor Kurzem wurden 850 Seiten der 70 ethnografischen Hefte digitalisiert, die von verschiedenen Expeditionen vor dem Ersten Weltkrieg in der Ukraine und Weißrussland entdeckt wurden.

Die Bedeutung der sogenannten Kiselgof-Sammlung ist enorm. Der 1878 geborene Kiselgof sammelte zahlreiche jiddische Lieder. Inzwischen ist die Hälfte der damals handgeschriebenen Hefte digitalisiert und ins Netz gestellt. Rund 200 Menschen aus aller Welt beteiligten sich auch während Corona daran, die alten Handschriften unterschiedlicher Sprache zu entziffern und zu interpretieren.

Viele Thüringer Städte sind mittlerweile in das Programm des Yiddish Summer eingebunden.

Auch Gotha, Gera, Erfurt, Tiefurt, Ilmenau und Altenburg machen mit.
Das Projekt ist eines der ersten internationalen geisteswissenschaftlichen Projekte für die Kunst aschkenasischer Juden in diesem Umfang. In drei großen Workshops soll diese neu entdeckte Musik interpretiert und in Konzerten erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Freilichtbühne Die Sorge um mögliche Neuinfektionen aufgrund der Mutanten durch die Delta-Variante des Coronavirus reist allerdings in diesem Sommer mit nach Thüringen. »Deshalb werden wir alle Veranstaltungen nur im Freien anbieten«, erklärt Kurator Andreas Schmitges. Unter anderem findet die Eröffnungsveranstaltung am 25. Juli auf der Erfurter Freilichtbühne im Rahmen der Bundesgartenschau statt. Möglicherweise gibt es auch das Programmheft nur digital.

Einige internationale Künstler werden wahrscheinlich in ihren Ländern bleiben. Indische Gäste beispielsweise werden vermutlich nicht nach Thüringen kommen. Wohl aber sind die Klezmatics, eine der bekanntesten Klezmer-Bands der Welt, gegründet 1986 in New York, und auch das Caravan Orchestra dabei. Mit dem Musiker und Dirigenten Ilya Shneyveys spielen in diesem Jahr wieder gemeinsam israelische jüdische, arabische und auch deutsche Jugendliche.

Der Yiddish Summer Weimar ist das erste der drei jüdischen Festivals in Thüringen. Laut vorläufigem Programm gibt es Angebote, jiddische Musik und Sprache kennenzulernen, Konzerte, Forschungsarbeiten und auch spezielle Kurse für Kinder werden angeboten. Insgesamt 80 bis 100 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt reisen an. Dieses Festival hat in Thüringen längst sein festes Publikum.

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026