München

»Aktiv die Zukunft aufbauen«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit den Vizepräsidenten Yehoshua Chmiel (l.) und Peter Guttmann Foto: Richard Volkmann

München

»Aktiv die Zukunft aufbauen«

Nach den Wahlen stellt das Präsidium die Pläne für die Gemeindearbeit vor

von Miryam Gümbel  20.01.2022 15:08 Uhr

Nach der Vorstandswahl Anfang Dezember ist noch vor den Winterferien der neue Vorstand erstmals zusammengetreten. Aufgrund der Pandemie war diese Sitzung einmal mehr nur virtuell möglich; gleichwohl wurde vieles angesprochen, dessen Umsetzung nun in die Wege geleitet wird. Im Gespräch präsentierte das Präsidium um die wiedergewählte Präsidentin Charlotte Knobloch und ihre beiden Vizepräsidenten Yehoshua Chmiel und Peter Guttmann die Weichenstellungen für die kommenden Jahre.

Corona überschattet nach wie vor das Gemeindeleben. So hob Charlotte Knob­loch gleich zu Beginn hervor: »In erster Hinsicht ist für uns wichtig, alles dafür zu tun, dass unsere Mitarbeiter und unsere Mitglieder in diesen Zeiten vor Ansteckung geschützt sind. Sehr schwer ist das gerade auch für unsere Mitarbeiter, die teils den ganzen Tag mit Maske am Platz sitzen. Dass sie sich so dafür einsetzen, dass auch ihre Kollegen geschützt sind, darauf bin ich stolz – und danke ihnen.«

Ein großes Anliegen bleibt es während der Pandemie, den Kontakt mit den Gemeindemitgliedern nicht zu verlieren. Das betrifft alle Bereiche und Generationen. Eine wichtige Hilfe dabei ist die Digitalisierung, auf die die Kultusgemeinde schon vor der Pandemie gesetzt hat. In den letzten beiden Jahren wurden die technischen Möglichkeiten stark ausgebaut.

schule Nicht zuletzt Schule und Gymnasium profitieren davon. Die IKG hat sich um die notwendigen Mittel gekümmert, sodass jedes Kind am Distanzunterricht teilnehmen kann. Das Schulreferat hat die Sinai-Schule hier ausdrücklich als Vorbild erwähnt. Die Anerkennung der Präsidentin gilt besonders dem Lehrpersonal, dem sie einmal bei der Vorbereitung des Fernunterrichts über die Schulter geschaut hat.

Ein großes Anliegen bleibt es während der Pandemie, den Kontakt mit den Gemeindemitgliedern nicht zu verlieren.

Das Verhältnis zwischen Präsenz- und Distanzunterricht lag in den Schulen der IKG während der zurückliegenden Monate – so die Schätzung von Yehoshua Chmiel – bei etwa 60 zu 40. Auch wenn das Experiment so weit gut geklappt hat, in einem teilt Charlotte Knobloch aus persönlicher Erfahrung die Beurteilung der Experten: Die Kinder freuen sich, wenn sie wieder in die Schule gehen dürfen. Oft schon hat sie in strahlende Kinderaugen gesehen, wenn der Unterricht wieder in Gemeinschaft stattgefunden hat.

Die digitale Kommunikationsschiene hilft der IKG auch, den Kontakt mit ihren Mitgliedern zu halten. Der Newsletter reicht schon weit in die Zeit vor Corona zurück, hat in der Pandemie aber nochmals an Bedeutung gewonnen. Anders die zahlreichen Veranstaltungen aus vielen Bereichen, besonders des kulturellen Lebens, die mit den gesundheitspolitischen Einschränkungen nicht mehr möglich waren. IKG LIVE!, das zu Beginn der Pandemie etabliert wurde, hat hier den Kontakt aufrechterhalten.

veranstaltungen Die Veranstaltungen haben mit den Vortragenden und Diskutierenden alleine auf der Bühne im weitgehend leeren Saal stattgefunden, per Video wurden sie aufgenommen und gestreamt. Von zu Hause aus konnten sich die Interessierten dann am Bildschirm die Übertragung ansehen und mitunter auch parallel dazu Fragen und Kommentare über einen anderen Kanal an die Veranstalter schicken. Die Akzeptanz wuchs mit dem Bekanntheitsgrad.

Vor allem aber konnten die meisten Veranstaltungen in der Mediathek nachgesehen werden und erreichten auch dort beachtliche Zuschauerzahlen. »Das finanzielle Engagement war und ist groß«, sind sich die Präsidiumsmitglieder zwar einig. »Aber wir wollen den Mitgliedern diese Verbindung ermöglichen – und die Digitalisierung hat uns dabei sehr geholfen.« Auch die konstituierende Sitzung nach der Wahl wurde in Teilen per IKG LIVE! übertragen.

Streaming wurde und wird auch auf weitere Weise genutzt. Konnten etwa Vorstandssitzungen nicht live stattfinden, so wurden sie per Zoom abgehalten – eine Technik, die beispielsweise im Wirtschaftsleben längst praktiziert wird. Man kann miteinander sprechen, sich sehen, und das notfalls auch von unterwegs aus mit dem Smartphone. Vizepräsident Peter Guttmann wies darauf hin, dass es auch weiterhin Überlegungen gibt, den öffentlichen Teil der Vorstandssitzungen den Mitgliedern über IKG LIVE! zugänglich zu machen.

unterstützung Wie kommen aber diejenigen Gemeindemitglieder mit der Technik zurecht, die nicht zu den sogenannten »digital natives« gehören, also der Generation, die nach etwa 1980 geboren und mit den neuen Medien aufgewachsen ist? Und wie diejenigen, die noch etwas älter sind? Charlotte Knobloch betont: »Wir sind sehr interessiert, dass auch ältere Mitglieder ihre Tablets bekommen. Diejenigen, die sich nicht auskennen, sollen dabei auf jeden Fall Unterstützung bekommen. Bei der letzten Vorstandssitzung wurden bereits entsprechende Kurse angesprochen.«

Die Präsidentin betonte zugleich, dass diese Aufgabe nicht eine der IKG allein sein könne, sondern auch in die Verantwortung der Gemeinschaft falle. Alle Vereine und Organisationen müssten angesprochen werden.

Gesundheitsvorsorge und Digitalisierung bleiben vorrangige Themen.

Gesundheitsvorsorge und Digitalisierung bleiben auch in der neuen Wahlperiode vorrangige Themen. Mit Blick auf die Pandemie gibt es seit zwei Jahren einen Krisenstab, der vor allem die Infektionsschutzmaßnahmen der Gemeinde koordiniert. Projekte wie das neue Seniorenheim und das zu Schuljahresbeginn in neue Räume umgezogene Gymnasium werden fortgeführt und ausgebaut, weitere Aufgaben stehen an. Auch das koschere Restaurant, so Vizepräsident Chmiel, »stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar«.

Charlotte Knobloch geht beim Blick auf künftige Aufgaben auch auf die Altersstruktur der Gemeinde ein: »Wir haben eine große Zahl von älteren Gemeindemitgliedern, aber es arbeiten in der IKG alle Altersstufen zusammen. Deshalb freue ich mich besonders, dass sich auch Jüngere entschließen, aktiv ihre Zukunft in München aufzubauen. Dass jetzt beispielsweise mehrere jüngere Menschen in den Vorstand gewählt wurden, unterstreicht das.«

Yehoshua Chmiel lobt diejenigen, »die einen Teil ihres Lebens der Gemeinschaft zur Verfügung stellen«. Das gilt für alle Bereiche, etwa für die vielen Ehrenamtlichen. Aber auch die Gemeindeverwaltung hat sich mit Geschäftsführer Steven Guttmann verjüngt. Keine leichte Aufgabe für ihn, so Chmiel weiter, denn er hat »die großen Fußstapfen seines jahrzehntelangen Vorgängers Chil Rackowski auszufüllen«.

familien Auf der jüngsten Vorstandssitzung wurde außerdem angesprochen, eine neue Kommission zu schaffen, die sich gezielt mit jungen Familien beschäftigen wird. Und Peter Guttmann weist noch auf ein weiteres Vorhaben hin: Man will auch die Israelis ansprechen, die in München leben, aber bislang mit dem Gemeinde­leben wenig zu tun haben.

Neben diesen zahlreichen internen Aufgaben repräsentiert das Präsidium die IKG auch nach außen. Hier betont Charlotte Knobloch: »Wir sind eine Kultusgemeinde, eine religiöse Gemeinschaft. Wir müssen sichtbar sein und geeint auftreten. Und: Wir müssen uns weiter gegen Antisemitismus und gegen antisemitische Anfeindungen wappnen, die leider auch durch die Pandemie ständig zunehmen.«

Vizepräsident Chmiel fasst die Aufgaben so zusammen: »Vorstand und Präsidium arbeiten weiter daran, dass eine Zukunft für die jüdische Gemeinschaft geschaffen wird, die es für alle möglich macht, hier gut zu leben.« Dazu gehört, nicht nur mit Blick auf die vielen Jahrhunderte jüdischen Lebens in Deutschland, auch die Zugehörigkeit jüdischer Menschen, ein Herzensanliegen der Präsidentin. Charlotte Knobloch betont immer wieder: »Wir als jüdische Gemeinschaft sehen uns als Teil der Gesellschaft und nicht als Minderheit. Wir sind Bürger dieses Landes – keine Mitbürger!«

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