Talmudisches

Von Pferden

Laut dem Talmud werden sechs Dinge über das Pferd gesagt: »Es liebt die Unzucht, es liebt den Krieg, es ist hochmütig, es verachtet den Schlaf, es isst viel und scheidet wenig aus. Und einige sagen: Es wird versuchen, seinen Herrn im Krieg zu töten« (Pessachim 113b). Foto: Getty Images/iStockphoto

Talmudisches

Von Pferden

Was unsere Weisen über das Zug- und Reittier lehrten

von Chajm Guski  03.02.2022 08:24 Uhr

Das Pferd war zunächst das Tier der »anderen«. Bei der ersten Nennung in der Tora (1. Buch Mose 47,17) spricht der Text von den Tieren der Ägypter, die auch von Josef versorgt wurden. An späterer Stelle liest man in der Tora, dass Pferde die Streitwagen des Pharaos zogen, als er den Kindern Israels auf ihrer Flucht nachsetzte. Wie das ausging, ist bekannt: »Also kamen die Pferde Pharaos mit seinen Wagen und Reitern in das Meer …« (2. Buch Mose 15,19).

Die Tora scheint das Pferd als ägyptisches Tier zu betrachten. Ein möglicher König der Israeliten wird davor gewarnt, viele Pferde zu halten, »dass er nicht zurückführe das Volk nach Ägypten, um viele Pferde anzuschaffen; denn der Ewige hat euch gesagt: Ihr werdet auf diesen Weg nicht zurückkehren« (5. Buch Mose 17,16). Der Import würde also dazu führen, sich nach Ägypten zu begeben.

ehrfurcht Der Tanach zeigt die Ehrfurcht vor diesem Tier recht eindrücklich. So heißt es bei Ijow (39, 19–20): »Gibst du dem Pferd seine Stärke? Bekleidest du den Hals des Pferdes mit der wallenden Mähne? Machst du es springen gleich der Heuschrecke, dass sein helles Schnauben Schrecken einflößt?«

Das Babylonische Exil hat diese Sichtweise erweitert, aber nicht vollständig umgekehrt. Das Pferd wurde im Laufe der Zeit zu einem geschätzten Nutztier – so weit, dass Raw im Talmud zu Raw Asi sagt: »Lebe nicht in einer Stadt, in der die Pferde nicht wiehern und die Hunde nicht bellen« (Pessachim 113a).

Pferde sind übrigens nicht koscher. Unter Juden können sie sich also absolut sicher fühlen.

Dass auf Pferden auch geritten wurde, erscheint uns heute normal, doch die Ägypter scheinen das Pferd nur mit einem Wagen genutzt zu haben. Da der Talmud diskutiert, was mit denjenigen geschieht, die am Schabbat reiten, kann man davon ausgehen, dass Pferde damals auch als Reittiere genutzt wurden: »Und es geschah, dass einer zur Zeit der Griechen am Schabbat auf einem Pferd ritt, und sie brachten ihn vor Gericht und steinigten ihn, nicht, weil er diese Strafe verdiente, sondern weil die Stunde es erforderte« (Sanhedrin 46a).

Offensichtlich hatte man das Halten des Schabbats so weit schleifen lassen, dass man für ein geringes Vergehen eine eindrückliche Strafe verhängen musste.

MISSTRAUEN Wir sehen, Pferde wurden aus praktischen Gründen geschätzt. Sie gaben eine gewisse Sicherheit und unterstützten bei der täglichen Arbeit. Dennoch ist die Mischung aus Ehrfurcht und Misstrauen auch im Talmud noch vorhanden. So wird ein Pferd mit folgenden Worten charakterisiert: »Sechs Dinge werden über das Pferd gesagt: Es liebt die Unzucht, es liebt den Krieg, es ist hochmütig, es verachtet den Schlaf, es isst viel und scheidet wenig aus. Und einige sagen: Es wird versuchen, seinen Herrn im Krieg zu töten« (Pessachim 113b).

Tatsächlich taucht das Thema Pferdeschlaf auch an anderer Stelle im Talmud auf. Im Traktat Sukka (26b) sagt Raw: »Ein Mensch darf am Tag nicht mehr als den Schlaf eines Pferdes schlafen. – Wie lang ist der Schlaf eines Pferdes? – Sechzig Atemzüge.« Verblüffenderweise ist diese Information nicht ganz falsch. Heute weiß man, dass Pferde nur etwa drei Stunden Schlaf benötigen.

Wenn Menschen schlafen und von einem Pferd träumen, ist wichtig, welche Farbe es hat. Von Raw Papa ist überliefert, dass ein weißes Pferd im Traum ein gutes Zeichen sei (Sanhedrin 93a). Anders als ein rotes Pferd – jedenfalls laut Rabbi Jochanan, der davon träumte: »Auf einem roten Pferd; der Heilige, gepriesen sei Er, wollte die ganze Welt in Blut verwandeln.«

widerspruch Im Talmud-Traktat Sanhedrin (21b) wird beschrieben, dass König Schlomo unvorstellbar viele Pferde besaß: »Und Schlomo hatte 40.000 Pferdestände für seine Wagen.« Laut dem Talmud sei dies kein Widerspruch zum Gebot der Tora, von dem wir eingangs lasen.

Solange die Pferde für einen speziellen Wagen und einen bestimmten Kämpfer gekauft werden und nicht, um das Ego des Herrschers zu befriedigen, sei es durchaus möglich, Pferde zu kaufen, auch in Ägypten.

Pferde sind übrigens nicht koscher. Unter Juden können sie sich also absolut sicher fühlen.

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