Tradition

Münzen machen’s möglich

Schekel aus Schokolade: Chanukkagelt Foto: Thinkstock

Nach der Halacha ist es verboten, aus den Lichtern der Chanukkia Nutzen zu ziehen. Um dieses Verbot zu illustrieren, nennt das jüdische Gesetz das Beispiel: »Du sollst dein Geld nicht zählen«. Es hätte sagen können: Schreib keinen Brief im Licht der Menora, oder lass deine Kinder nicht beim Licht der Chanukkia ihre Hausaufgaben machen. Nein, es heißt: Zähl nicht dein Geld im Licht der Menora.

Dabei ist Chanukka der einzige jüdische Feiertag mit einem Brauch, bei dem Geld eine Rolle spielt: dem Schenken von »Chanukkagelt«. Was ist die tiefere Bedeutung des Geldes? Und welche Beziehung besteht zwischen Chanukka und Geld?

Eine Welt ohne Geld können wir uns nicht mehr vorstellen. Früher, als es noch kein Geld gab, tauschte man Waren. Aber es war umständlich und mitunter langwierig, und so wurde das Geld erfunden. Der Unterschied zwischen Geld und tatsächlichen Waren besteht darin, dass Waren einen immanenten Wert haben, während Geld von symbolischem Wert ist. Ein Rasenmäher ist wertvoll, weil er Gras schneidet. Ein 20-Dollar-Schein, ein Scheck oder eine Kreditkarte aus Kunststoff sind an sich zu nichts zu gebrauchen. Aber man kann sie in vieles, was man sich wünscht, verwandeln. Geld an sich hat keinen praktischen Wert, aber es hat Potenzial.

Jabbok Im 1. Buch Mose lesen wir von Jakow. Er hatte einen Bruder, der Esaw hieß und ein brutaler Kerl war. Mit der Zeit wurde die Situation zu Hause so schlimm, dass Jakow vor seinem Bruder, der ihn töten wollte, fliehen musste. Viele Jahre später holten Esaw und seine Helfer Jakow aber doch noch ein. In der Nacht vor dem schicksalhaften Wiedersehen führte Jakow seine ganze Familie heimlich über den Fluss Jabbok Dann ging er zurück ans andere Ufer.

Der Midrasch sagt dazu zwei verblüffende Dinge. Erstens: Jakow ging zurück, weil er einige kleine Krüge vergessen hatte. Dies lehrt uns, dass sich die Gerechten mehr um ihr Geld als um ihr Leben sorgen. Und zweitens: Gott sagte: »Weil du das Risiko auf dich genommen hast, wegen ein paar Krügen zurückzugehen, werde ich deine Kinder mit einem kleinen Krug belohnen, den eines Tages die Makkabäer finden werden.«

Jakow geht zurück, um ein paar kleine Krüge zu holen – und diese Tat ist so bedeutend, weil sie den Makkabäern 2000 Jahre später ermöglicht, den einen übrig gebliebenen Krug mit Öl, die Quelle des Chanukkawunders, zu finden. Außerdem lernen wir aus dieser Episode, wie wichtig Geld für die Gerechten ist: Jakow, der Vater der zwölf Stämme, verstand, wie viel Potenzial darin liegt.

Oberflächlich gesehen war es absurd, dass die Juden den Griechen Widerstand leisteten. Dem Hellenismus gehörte die Zukunft, und niemand konnte die militärische Macht der Griechen brechen, schon gar nicht ein Trupp rebellischer Juden.

Mission Doch das jüdische Volk wusste, dass es ein ewiges Volk war, das ewige Werte verkündete, die der Welt ihren Stempel aufdrücken. Es war zwar ein winziges und schlecht ausgerüstetes Volk, aber bereit, sich mit der Supermacht jener Tage anzulegen, denn es glaubte an das Potenzial des jüdischen Schicksals. Ganz gleich, wie schlimm die Situation aussah, die Juden glaubten daran, dass die jüdische Seele in der Lage ist, auch den mächtigsten Feind zu besiegen. Und sie waren überzeugt von ihrer Mission, »ein Licht unter den Völkern« zu sein.

Wenn wir die Kerzen unserer Menora anzünden, blicken wir konzentriert auf die winzigen Flammen und denken über das Potenzial nach. Wo andere Menschen Dunkelheit sehen, sind wir berufen, Licht zu sehen. Wenn wir unsere Kinder ansehen, erkennen wir über alle Probleme und Streitigkeiten hinweg ihr Potenzial. Wenn wir das Leben betrachten, sehen wir jenseits aller Schmerzen und Kämpfe das Potenzial.

Wenn wir unser Volk betrachten, sehen wir jenseits der Gespaltenheit und des Hasses sein Potenzial. In allem, was uns begegnet, muss unser Blick die Oberfläche durchdringen, um die Seele zu entdecken und das Potenzial zu verwirklichen. Das ist das Chanukkagelt.

Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung von www.aish.com

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