Talmudisches

Dem Ewigen mit Freude dienen

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Der Talmud berichtet, dass das Buch Kohelet (Der Prediger Salomo) nicht ohne Bedenken in den Kanon der Heiligen Schrift aufgenommen worden ist: »Rabbi Jehuda, Sohn von Rabbi Schmuel bar Schilat, sagte im Namen Ravs: Die Weisen wollten das Buch Kohelet wegsperren, weil seine Worte einander widersprechen, und nur deshalb haben sie es nicht ausgeschlossen, weil das Buch mit Worten der Tora beginnt und mit Worten der Tora endet« (Schabbat 30b). Raschi (1040–1105) bemerkt in seinem Kommentar, dass man auch in der Mitte des Buches Worte der Tora finden kann.

Von welchen Widersprüchen im Buch Kohelet haben diejenigen Weisen gesprochen, die Bedenken gegen die Aufnahme des Werkes in die Bibel geäußert haben? Der Talmud bringt zwei Beispiele. Der erste Widerspruch lautet: »Es heißt: ›besser Zorn als Lachen‹ (7,3); doch heißt es auch: ›zum Lachen sprach ich: gepriesen‹ (2,2)«. Das zweite Beispiel: »Es heißt: ›Ich pries die Freude‹ (8,15); doch heißt es auch: ›und zur Freude – was kann die leisten‹ (2,2)«.

Widersprüche im Buch Kohelet

Der Talmud stellt fest, dass die genannten Widersprüche aufzulösen sind. »›Besser Zorn als Lachen‹: Besser ist der Zorn des Heiligen, gepriesen sei Er, über die Gerechten auf dieser Welt als das Lachen, das Er den Frevlern auf dieser Welt zuwendet. ›Zum Lachen sprach ich: gepriesen‹: Das ist das Lachen, das der Heilige, gepriesen sei Er, den Gerechten in der zukünftigen Welt zuwendet.«

Und zum zweiten Widerspruch lesen wir Folgendes: »›Ich pries die Freude‹ – das ist die Freude anlässlich einer gottgefälligen Handlung, einer Simcha schel Mizwa. ›Und zur Freude – was kann die leisten‹ – das ist die Freude nicht anlässlich einer gottgefälligen Handlung.«

Da man die Gegensätze auflösen kann, drängt sich die Frage auf: Was hat gegen die Aufnahme des Buches Kohelet in die Heilige Schrift gesprochen? Die Weisen, die für das Wegsperren waren, haben wohl befürchtet, dass etliche Leser von Kohelet durch die Widersprüche in diesem Werk nicht richtig belehrt, sondern eher verwirrt werden und falsche Schlüsse ziehen könnten.

Grenzen einige Ansichten von Kohelet an Häresie?

Rabbiner Jonathan Sacks (1948–2020) hat in seinem Buch Ceremony and Celebration auf die Tatsache hingewiesen, dass mehrere Midraschim einen weiteren Grund für die Ablehnung der Aufnahme von Kohelet in den Tanach nennen. Was ist der andere Grund? Er besteht darin, dass einige Ansichten von Kohelet an Häresie grenzen.

Zurück zu den Bemerkungen über das Lachen und über die Freude. Der Talmud zieht den Schluss: »Dies lehrt dich, dass die Göttlichkeit auf einem weder bei Traurigkeit noch bei Trägheit, noch bei Lachen, noch bei Leichtfertigkeit, noch bei Geschwätz, noch bei müßigem Geplauder ruht, sondern bei freudiger Stimmung anlässlich einer gottgefälligen Handlung, wie es heißt: ›Jetzt aber holt mir einen Saitenspieler! Jedes Mal, wenn der Saitenspieler spielte, kam über ihn der Geist Gottes‹« (2. Könige 3,15).

Man sollte jede Mizwa mit Freude erfüllen

Für unsere Lebensführung ist die Bemerkung über »Simcha schel Mizwa« von großer Bedeutung. Dieses Konzept spielt bei der Gebotserfüllung eine wichtige Rolle, wie Rabbiner Vidal Jom Tov aus Tolosa (14. Jh., Spanien) erklärt: »Kern der Sache ist, dass der Mensch die Mizwot der Tora nicht in erster Linie deshalb erfüllen sollte, weil eine Pflicht besteht und er sich deshalb zu der gebotenen Handlung gezwungen fühlt; vielmehr sollte man jede Mizwa mit Freude erfüllen … Freude bei anderen Gelegenheiten ist hingegen mit nichtigen Sachen verbunden, die keinen Bestand haben. Simcha bei der Ausübung einer Mizwa sowie beim Lernen von Tora und Weisheit ist die wahre Freude!« (Maggid Mischne zu Maimonides, Hilchot Lulav 8,15).

Auf die richtige Einstellung hat bereits der Psalmist aufmerksam gemacht: »Dienet dem Ewigen mit Freude« (100,2). Es ist bemerkenswert, dass Beter diesen Vers im Morgengebet sprechen. Die Tora erwartet von uns, dass wir Gott mit Freude dienen! Wie können wir diese These beweisen? Durch den Hinweis auf die Begründung für das Eintreffen der in Wochenabschnitt »Ki tawo« aufgelisteten Flüche: »Weil du dem Ewigen, deinem Gott, nicht in Freude und Herzenslust gedient hast« (5. Buch Mose 28,47).

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