Einspruch

Zwischen Hilfe und Ermittlung

Olaf Sundermeyer Foto: dpa

Einspruch

Zwischen Hilfe und Ermittlung

Olaf Sundermeyer zweifelt am Sinn staatlicher Programme für Nazi-Aussteiger

von Olaf Sundermeyer  10.08.2015 17:50 Uhr

Bei der Aufgabe, Menschen den Weg aus der rechtsextremen Szene zu ebnen, versagt der Staat. Daran hat sich seit dem Auffliegen der NSU-Terrorzelle nichts geändert. Auch weil es nicht gelungen ist, die rechtsextreme Bewegung maßgeblich zu schwächen, rollt jetzt eine Welle von Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt durch das Land, auch durch Sachsen.

Dass es dem Landesverfassungsschutz dort in den vergangenen vier Jahren lediglich gelungen ist, bei 19 Rechtsextremisten einen Ausstieg einzuleiten, zeigt die Wirkungslosigkeit des Staates im Umgang mit diesen Menschen: Nur vier von 2500 Rechtsextremisten in Sachsen werden jährlich zur Umkehr in die demokratische Gesellschaft bewegt. In anderen Bundesländern ist es ähnlich.

verfassungsschutz
Das ist bemerkenswert, weil Politik und Sicherheitsbehörden die Bürger glauben lassen, dass man auch durch Ausstiege rechte Gewalt wirksam bekämpfen kann. So vergeht keine öffentlich geführte Debatte über die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus ohne den Hinweis von staatlicher oder regierungsparteilicher Seite, dass man sich intensiv darum kümmere, Leute aus der Szene zu holen. Wie das genau funktioniert, und mit welchem Erfolg – bei solchen Fragen wird stets auf den Verfassungsschutz verwiesen, dem beispielsweise in Sachsen diese wichtige Aufgabe zugeschrieben wurde.

Aber dort endet die Transparenz. Schließlich ist dem Erfolg in dieser Sache eine natürliche Grenze gesetzt. Denn Sicherheitsbehörden interessieren sich nicht für Menschen, also für alternative Lebensperspektiven ausstiegswilliger Rechtsextremisten. Sie interessieren sich lediglich für verwertbare Informationen über die Szene, die ihnen potenzielle Aussteiger liefern können. Das wiederum ist in der rechtsextremen Szene bekannt.

Die – gar nicht so wenigen – Zweifler aber werden den Schutz ihrer ideologischen Gruppe nicht aufgeben, solange ihnen die Demokratie keine Gewissheiten bietet. Darin liegt das Dilemma.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

Berlin

Israel-Kurs: Streit in der SPD eskaliert

Adis Ahmetović, der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, kritisiert Außenminister Wadephul, weil dieser Sanktionen gegen Israel ablehnt. Das sorgt für Ärger in der Partei

 24.04.2026

Antisemitismus im Alltag

Angefeindet wegen einer Kippa

Zwei Studenten der JSUD werden in Berlin-Mitte angefeindet – weil sie Kippa tragen. Viele Jüdinnen und Juden verstecken aus Angst ihre religiöse Identität

von Jan Feldmann  24.04.2026

Bündnis-Streit

Spanien reagiert auf Bericht über mögliche Nato-Suspendierung

Planen die USA Maßnahmen gegen »schwierige« Nato-Partner? Madrid jedenfalls betont nun die Zusammenarbeit mit Bündnispartnern

 24.04.2026

Fördergeldaffäre

»Evident rechtswidrig«

Kein einziges der 13 vom Berliner Senat mit staatlichen Zuschüssen bedachten Projekte gegen Antisemitismus sei »bescheidungsreif« gewesen, so der Prüfbericht des Rechnungshofes. Die Hintergründe

von Michael Thaidigsmann  24.04.2026

London/Washington

Giuffres Vermächtnis: Epstein-Opfer warten auf Gerechtigkeit

Ihre Berichte brachten den Skandal um Epstein vor Jahren ins Rollen. Doch nach wie vor kämpfen die Opfer des Sexualstraftäters um Gerechtigkeit. Bleibt ihr Kampf am Ende vergeblich?

von Patricia Bartos  24.04.2026

Österreich

Neuer Höchststand an antisemitischen Vorfällen

Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben die Anfeindungen stark zugenommen. Der Konflikt droht auch den ESC in Wien zu überschatten. Warum sich die jüdische Gemeinde dennoch auf den ESC freut

 24.04.2026

Berlin

Wegner entlässt Berliner Kultursenatorin Wedl-Wilson

Nach dem die Vergabe von Fördergeldern gegen Antisemitismus als rechtswidrig gerügt wurde, hat Kultursenatorin Wedl-Wilson ein Rücktrittsgesuch eingereicht

 24.04.2026

USA

18-Jährige wollte Anschlag auf Synagoge in Houston verüben

Angelina Han Hicks aus Lexington (North Carolina) befindet sich in Gewahrsam. Der Vorwurf gegen sie: Verschwörung zur Planung eines Massenangriffs auf die Gemeinde Beth Israel

 24.04.2026

Jerusalem

Katz: Israel zu neuer Offensive gegen Iran bereit

Die Armee warte auf grünes Licht aus Washington, sagt der Verteidigungsminister. Die Streitkräfte seien sowohl für Verteidigung als auch für Angriffe vorbereitet. Sämtliche Ziele seien bereits markiert

 24.04.2026