Konsultationen

Zweistaatentreffen

Gruppenbild mit Raute: Bundesregierung und israelisches Kabinett bei den Konsultationen in Berlin Foto: dpa

Am Dienstag kamen unter der Leitung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin die Regierungen von Israel und Deutschland zu ihren bereits sechsten Konsultationen zusammen.

Neben dem Austausch zwischen den beiden Regierungschefs trafen sich die Minister aus Israel mit ihren jeweiligen Amtskollegen aus Deutschland zu bilateralen Gesprächen. Auf israelischer Seite waren unter anderem Einwanderungsminister Zeev Elkin, Energieminister Yuval Steinitz und Justizministerin Ayelet Shaked dabei, auf deutscher Seite Innenminister Thomas de Maizière, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas.

Merkel begleitete, ohne dass dies angekündigt war, am Dienstag Netanjahu auch, als er sich die Ausstellung »Kunst aus dem Holocaust« im Deutschen Historischen Museum ansah. Kunstwerke, die in KZs und Ghettos entstanden, sind hier zu sehen.

kritik Doch auch kritische Fragen gehörten zu den Gesprächen, etwa die Zweistaatenlösung oder das Verhältnis zum Iran. Dennoch gaben sich Merkel und Netanjahu letztlich betont harmonisch. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel sei von gewachsener Partnerschaft und intensiver Freundschaft geprägt, unterstrichen beide. Dass dieser Austausch 50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen »in dieser Breite der Themen« stattfinde, gehöre nach der Schoa zu den »Wundern der Geschichte«, betonte Merkel. Netanjahu sagte: »Wenn wir in Deutschland sind, dann wissen wir, wir sind unter guten Freunden.«

Die Gespräche zwischen den Ministern standen unter dem Thema »Herausforderungen und Zukunftsthemen offener Gesellschaften«. So gehören zu der langen und detaillierten Liste der vereinbarten Kooperationen gemeinsame Projekte auf den Gebieten der Digitalisierung, Nanotechnologie, Cybersicherheit oder des Klimaschutzes. Im Mittelpunkt standen jedoch Sicherheitsaspekte, der Friedensprozess, der Syrien-Konflikt und seine Auswirkungen sowie das Atomabkommen mit dem Iran.

iran So bekräftigte Bundeskanzlerin Merkel zum Abschluss der Konsultationen, dass es keine »normalen, freundschaftlichen Beziehungen« zum Iran geben könne, solange dieser das Existenzrecht Israels nicht anerkennt. Die Bundesregierung werde Teheran darauf in allen künftigen Gesprächen hinweisen. Die Haltung des Iran in dieser Frage bezeichnete Merkel als »völlig inakzeptabel«. Israel lehnt eine Annäherung des Westens an Teheran ab.

Die Bundeskanzlerin erkannte auch die Bedrohungen durch den Terrorismus an, die »Israel auszuhalten« hat. Andererseits habe Merkel dem israelischen Regierungschef aber auch klargemacht, dass sein Land »im Prozess friedlichen Zusammenlebens vorankommen« müsse. Dieser Prozess baue nach Meinung Deutschlands »auf einer Zweistaatenlösung« auf. Die Minister hätten darüber gesprochen, was »auf dem Weg dorthin die nächsten Schritte sein könnten«, sagte Merkel. Es sei »sicherlich nicht der richtige Zeitpunkt für umfassenden Fortschritt«, stellte sie klar. Es seien aber Verabredungen getroffen worden, wie Deutschland etwa in Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung helfen kann.

Man müsse »immer im Gespräch bleiben«, sagte Merkel, das gelte auch für den Dialog zwischen Israel und der Europäischen Union. Daher freue sie sich, dass auf Deutschlands Initiative hin Gespräche zwischen Netanjahu und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zustande gekommen sind. Dabei sprechen die beiden Politiker auch über die Kennzeichnungspflicht für israelische Produkte.

kooperation Außerdem waren sich Merkel und Netanjahu darin einig, dass Deutschland, Europa und Israel derzeit »die gleichen Herausforderungen zu bewältigen« haben – sowohl bei der Bekämpfung des IS wie auch bei der Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. So warb Netanjahu dafür, Israel im Kampf gegen den Islamismus zu unterstützen. Indem Israel sich schütze, verteidige es auch »die gemeinsamen westlichen Werte«, sagte der israelische Ministerpräsident. Durch seine bloße Existenz verhindere das Land, dass noch mehr Menschen in die Hände eines militanten Islam fallen, so Netanjahu.

Merkel betonte, dass in einer Zeit, in der Europäer »die Auswirkungen des Bürgerkrieges in Syrien hautnah durch die Flüchtlinge zu spüren« bekämen, »geografische Distanzen schwinden«. Israel als Demokratie in einer instabilen Region trage daher auch zu unserer Sicherheit bei. Damit seien Fragen der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet »von allergrößter Bedeutung«.

Deutschland unterstützt Israel unter anderem mit der Lieferung von U-Booten. Die nächsten Regierungskonsultationen sind für 2017 in Jerusalem geplant.

Berlin

Ahmad Mansour: Müssen schneller sein als Islamisten

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD fordert der Psychologe und Extremismus-Experte umfassende Präventionskonzepte gegen Radikalisierung. Einen Vorschlag des Bundesinnenministers sieht er allerdings kritisch

 28.07.2026

Berlin

CSD-Anschlag: So überschneiden sich Islamismus und Rechtsextremismus

Der Berliner Konfliktforscher Jannis Grimm nennt Gemeinsamkeiten bei den beiden Phänomenen - und sieht eine Doppelmoral

von Daniel Zander  28.07.2026

Terror

Berlin am Tag zwei nach dem CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag: Kanzler Merz kündigt Konsequenzen an, Herkunft des Todesopfers bekannt, verletzten Opfern geht es besser

 27.07.2026

Berlin

Neuköllns Integrationsbeauftragte: Härter gegen Islamismus vorgehen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des CSD in Berlin erklärt Güner Yasemin Balci, dass es in ihrem Bezirk sowohl mit Homophobie als auch mit Islamismus ein massives Problem gebe

 27.07.2026

New York

Angehörige von Opfern des 11. September wollen Mamdani von Gedenkfeier ausschließen

Die Betroffenen werfen dem Politiker vor, sich in der Vergangenheit nicht ausreichend von Terrorismus distanziert zu haben

 27.07.2026

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Berlin

Felix Klein: »Brandmauer muss aufrechterhalten werden«

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung wendet sich gegen eine Öffnung der CDU zur AfD. Zur Begründung nennt er das AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

 27.07.2026