Bundestag

Zentralrat verteidigt Weimers Gedenkstättenkonzept

Daniel Botmann ist seit 2014 Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland. Foto: picture alliance / SZ Photo

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bleibt dabei: Nur Erinnerungsorte an die NS-Zeit und an die SED-Diktatur sollen in die neue Gedenkstättenkonzeption des Bundes aufgenommen werden. Das Thema Kolonialismus werde getrennt behandelt werden, sagte Weimer am Mittwoch im Kultur- und Medienausschuss des Bundestags.

Forscher und Verbände kritisieren, dass die Verbrechen des deutschen Kolonialismus keinen Platz in dem Konzept fänden. Weimers Vorgängerin Claudia Roth (Bündnis90/DieGrünen) wollte den Themenbereich in das Konzept aufnehmen, stieß jedoch auf Widerstand.

Weimer sagte, Roths Ansatz habe zu Unruhe und Verletzungen geführt und sei letzlich auch deshalb gescheitert, weil es »natürlich diese Relativierungswahrnehmung gibt«. Dass Auschwitz nur noch eine von drei Säulen sein solle, habe Reaktionen hervorgerufen. »Ich möchte einen Befriedungsdienst leisten«, sagte Weimer.

»Singularität der Schoa«

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärte im Ausschuss, Roths Entwurf habe zu tiefen Verletzungen und Zerwürfnissen geführt. Die jüdische Gemeinschaft habe bereits sehr damit gerungen, als 2008 das Gedenken an die SED-Diktatur in eine gemeinsame Konzeption mit der Erinnerung an die Schoa aufgenommen worden sei. Letztlich habe es einen Konsens gegeben.

Lesen Sie auch

Dieser dürfe nun nicht aufgebrochen werden, sagte Botmann. »Die Singularität der Schoa ist zu würdigen, indem man es nicht erweitert um weitere Säulen.« Auch die Erforschung und Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus und der Verbrechen in den deutschen Kolonien in der Zeit des Kaiserreichs sei wichtig.

Sie müsse aber, so der Zentralrats-Geschäftsführer, wie von Staatsminister Weimer vorgesehen nicht in der Gedenkstättenkonzeption, sondern durch ein eigenen Konzept verwirklicht werden. Es gebe nämlich gewichtige Unterschiede zwischen dem »Zivilisationsbruch der Schoa und der deutschen Kolonialherrschaft«, sagte Botmann.

»Die Debatte über Kolonialismus hat gerade erst begonnen«

Der Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschungin Dresden, Jörg Ganzenmöller, betonte in der Anhörung, die Gedenkstättenkonzeption dürfe der gesellschaftlichen Debatte über den Kolonialismus nicht vorweggreifen. Diese habe aber gerade erst begonnen.

Die Gedenkstättenkonzeption des Bundes dient dazu, historische Orte der Erinnerung zu erhalten und ihre Arbeit weiterzuentwickeln. Mit der neuen Version reagiert der Bund auf aktuelle Entwicklungen: den wachsenden zeitlichen Abstand zur NS-Terrorherrschaft und zur SED-Diktatur, eine vielfältigere Gesellschaft, den digitalen Wandel und zunehmende Anfeindungen gegen die Gedenkstätten. dpa/ja

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Washington D.C.

Vize-Justizminister: Keine weiteren Anklagen in Epstein-Fall

Das veröffentlichte Material im Fall des Sexualstraftäters enthält viel Verstörendes. Für weitere Anklagen reicht es offenbar trotzdem nicht

 02.02.2026

Berlin

Staatsanwaltschaft: Hunderte neue antisemitische Straftaten

Für das Jahr 2025 werden 820 neue Vorfälle registriert. Antisemitische Parolen bei Demonstration sind eingerechnet

 02.02.2026

Düsseldorf

Terror-Sympathisantin an Kunstakademie: Stadt zieht Konsequenzen

Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) tritt nicht bei der traditionellen Werkschau auf, nachdem die palästinensische Terrorunterstützerin Basma al-Sharif Teil einer Veranstaltung der Akademie war

 02.02.2026

Schuldspruch

AfD-Politiker Halemba verurteilt

Der bayerische Landtagsabgeordnete wurde wegen leichtfertiger Geldwäsche und gemeinschaftlicher Nötigung verurteilt. Von zwei Vorwürfen wurde er freigesprochen

 02.02.2026

Berlin

Zentralrat der Juden würdigt Rita Süssmuth

Die frühere Bundestagspräsidentin habe sich als Bundestagspräsidentin nachdrücklich für eine lebendige Erinnerungskultur eingesetzt, so der Präsident des Zentralrates der Juden

 02.02.2026

Meinung

Teilzeit ist kein »Lifestyle«

Der Wirtschaftsflügel der CDU und Bundeskanzler Merz wollen, dass die Deutschen mehr arbeiten. Sie missachten damit die vielfältigen Lebenswirklichkeiten der Menschen

von Günter Jek  02.02.2026

Washington D.C.

USA und Iran: Gespräche in Ankara in Vorbereitung

Offenbar arbeiten mehrere Vermittler daran, noch in dieser Woche ein Treffen zu organisieren

 02.02.2026

USA

Trumps Ex-Grenzschutzchef soll »antisemitische Tirade« gehalten haben

Gregory Bovino soll wütend geworden sein, als ein orthodoxer Staatsanwalt wegen des Schabbats nicht an einer Telefonkonferenz teilnahm

 02.02.2026