Interview

»Wirtschaftsethik fördern«

Frau Rabbinerin, Sie haben kürzlich »Torat Hakalkala« gegründet, einen »Verein zur Förderung angewandter jüdischer Wirtschafts- und Sozialethik«. Wollen Sie mit der Weisheit des Talmuds die Eurokrise lösen?
Ich weiß nicht, ob man das so direkt kann, denn da liegen ja etliche Jahrhunderte dazwischen. Aber der Geist des Talmuds will heute neu erschlossen und weiterentwickelt werden. Ich bedaure, dass wir unser Erbe brachliegen lassen. Dadurch, dass Wirtschaft und Religion heute getrennt sind, haben wir viel zu wenig im Blick, dass die jüdische Tradition uns etwas zu den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zu sagen hat.

Was konkret beabsichtigen Sie mit Ihrem Verein?
Wir möchten Grundlagenwissen erschließen und zum Beispiel die talmudischen Traktate, die sich zu wirtschaftlichen Themen äußern, im Licht der Fragen von heute lesen. Zugleich wollen wir eine jüdische Sicht auf die Gegenwart, etwa zur Schuldenkrise, formulieren. Denn das Thema Schuld hat ja schon immer auch eine religiöse Dimension. Einige unserer Vereinsmitglieder arbeiten selbst in der Wirtschaft. Das ist wichtig, denn man kann die Quellen nur mit Sachverstand lesen. Man muss verstehen, wie die Wirtschaft im Detail funktioniert, um ihre religiöse Dimension – dazu gehören auch gleiche Chancen und soziale Gerechtigkeit – umsetzen zu können.

Sie wollen nach außen wirken. Wen möchten Sie ansprechen?
Natürlich wenden wir uns an die jüdische Öffentlichkeit, aber ebenso auch an die gesamte Gesellschaft. Wir planen öffentliche Veranstaltungen, Vorträge und die Erarbeitung von Materialien. Nicht zuletzt wollen wir auch in den Medien Stellung beziehen.

Wie viele Mitglieder hat Ihr Verein?
Im Augenblick sind es zehn. Wir haben aber schon viele Anfragen bekommen. Die Gründungsmitglieder stehen alle im jüdischen Leben und sind entweder stark an Wirtschaft interessiert oder direkt involviert. Zum Beispiel ist ein Mitglied Finanzmarktanalyst und ein anderes Wirtschaftsanwalt.

Warum fanden Sie es nötig, einen Verein zu gründen? Jüdische Antworten auf wirtschaftspolitische Herausforderungen lassen sich doch ebenso gut auch unter dem Dach der Gemeinde finden. Wir haben mit Schiurim im Egalitären Minjan der Frankfurter Gemeinde angefangen. Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise ab 2007 haben wir uns mit dem Zinsverbot in der jüdischen Tradition auseinandergesetzt und darüber diskutiert, was der Talmud wohl zur Bankenkrise sagen würde. Im Verlaufe erkannten wir, dass die Gesellschaft gerade auf Gebieten wie Wirtschaft und Politik viel von der jüdischen Tradition lernen kann. Die Gemeinde ist dafür aber ein zu begrenzter Rahmen und hat andere Aufgaben zu erfüllen. Deswegen haben wir einen Verein gegründet, in dem Juden und Nichtjuden eine jüdische Wirtschafts- und Sozialethik fördern wollen.

Mit der Rabbinerin des Egalitären Minjans in Frankfurt am Main sprach Tobias Kühn.

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Iran-Krieg

Katarische Unterhändler in Teheran zu Gesprächen

Inmitten von Spannungen und Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus mehren sich diese Woche diplomatische Besuche im Iran. Jetzt sind Vertreter aus Katar eingetroffen

 30.10.2026

Wahl in Israel

Josef Schuster: Regierungswechsel in Israel könnte förderlich sein

Äußerungen rechtsradikaler Minister in Israel sind nicht akzeptabel, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Was ein möglicher Regierungswechsel im Land für die deutsch-israelischen Beziehungen bedeuten könnte

von Leticia Witte  30.10.2026

SPIEGEL-Affäre

Eralp zu Angst-Eingeständnis: Nehme Rat von Behörden ernst

Mit schriftlichen Anmerkungen zu einem Interview sorgt die Berliner Linken-Frontfrau für Aufsehen. Nun bezieht sie selbst Stellung - und führt ihr Handeln auf den Rat der Sicherheitsbehörden zurück

 30.10.2026

Berlin

Thorsten Frei fordert Abbruch der Koalitionsverhandlungen mit Linken

»Wer in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Hamas-Sympathisanten duldet, kann nicht glaubwürdig Verantwortung für die Sicherheit von Millionen Berlinern übernehmen«, so der Fraktionschef der Bundestagsunion

 30.10.2026

Debatte

Nach Eralp-Veröffentlichung: Jetzt meldet sich der »Spiegel« zu Wort

 30.10.2026

Rheinland-Pfalz

CDU, SPD und Grüne fordern Schulterschluss gegen Antisemitismus

Nachdem in einem Brief an die Jüdische Gemeinde Speyer gedroht wurde, die Synagoge in die Luft zu sprengen, wollten die Fraktionen ein Zeichen setzen

 30.10.2026