Interview

»Nach dem Waffenembargo gibt es einiges zu kitten«

Roderich Kiesewetter ist Bundestagsabgeordneter für die CDU Foto: imago images/photothek

Interview

»Nach dem Waffenembargo gibt es einiges zu kitten«

CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter über den Antrittsbesuch des Bundeskanzlers in Israel, Siedlergewalt im Westjordanland und die Kooperation mit dem Mossad

von Joshua Schultheis  01.12.2025 12:46 Uhr

Herr Kiesewetter, wie bewerten Sie die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz, am Samstag zu seinem Antrittsbesuch nach Israel zu reisen?
Die Entscheidung des Bundeskanzlers ist absolut richtig. Schließlich wird es nach dem Waffenembargo auch einiges zu kitten geben. Gemeinsam mit Netanjahu gilt es, an der Umsetzung des Friedensplans für Gaza zu arbeiten, denn nur eine klare politische Perspektive, weg von den Terrorstrukturen der Hamas in Gaza, wird dauerhaft Sicherheit schaffen. Es gibt aber auch Punkte, die der Kanzler kritisch ansprechen muss.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Welche sind das?
Das ist insbesondere die Siedlergewalt im Westjordanland. Diese Gewalt ist inakzeptabel und gefährdet Israels eigene Sicherheit massiv. Zudem muss der Kanzler die richtigen Worte finden für die in Teilen Rechtsextremen in der israelischen Regierung. Er muss deutlich machen, dass wir an der Seite des demokratischen Israels stehen, aber eine Politik ablehnen, die rechtsstaatliche Prinzipien untergräbt. Er sollte zudem auch selbstkritisch auf die schwierige Lage von Jüdinnen und Juden auch in Deutschland eingehen, die zunehmendem Antisemitismus und Angriffen ausgesetzt sind.

»Israel muss sich gegen den Iran und seine Proxies wehren, die das Land vernichten wollen.«

roderich kiesewetter

Gegen Benjamin Netanjahu liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Finden Sie es dennoch richtig, dass der Kanzler ihn trifft?
Ich habe den Haftbefehl gegen den israelischen Ministerpräsidenten von Anfang an als heftigen politischen Skandal bezeichnet. Wie ich auch schon damals deutlich gemacht habe, ist es völlig inakzeptabel, dass ein demokratisch legitimierter Regierungschef, der sein Land gegen einen brutalen Terrorangriff verteidigt, auf eine Stufe mit den Schlächtern der Hamas gestellt wird. Der Internationale Strafgerichtshof verliert hier Maß und Mitte und betreibt eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr.

Wie meinen Sie das?
Man darf die Ursache-Wirkung-Kette nicht ignorieren: Israel muss sich gegen den Iran und seine Proxies wehren, die das Land vernichten wollen. Netanjahu wird hier fast so behandelt wie der Kriegsverbrecher Putin, obwohl Israel sich lediglich gegen den Iran und dessen Stellvertreter wehrt. Deshalb ist es richtig, dass der Kanzler sich nicht von dieser fragwürdigen Entscheidung beirren lässt. Alles andere wäre ein fatales Signal an die einzige Demokratie im Nahen Osten.

Welche sonstigen Erwartungen haben Sie an die Israelreise des Kanzlers?
Meine Erwartung ist, dass der Fokus auf den strategischen Realitäten liegt. Erstens muss der Gaza-Friedensplan nun endlich konsequent umgesetzt werden, um das Leid der Zivilbevölkerung zu lindern, die Terrorherrschaft der Hamas zu beenden und die verbliebenen ermordeten Geiseln freizubekommen. Zweitens dürfen wir den Blick nicht verengen: Israel ist auch in Syrien ein absoluter Schlüsselspieler, wenn es darum geht, für Damaskus eine nachhaltige politische Lösung umzusetzen.

Lesen Sie auch

Und drittens?
Drittens geht es um unsere eigene Sicherheit: Wir brauchen Israel als technologischen und militärischen Partner, um uns gegen die Bedrohung durch Russland zu wappnen. Systeme wie Arrow 3 oder die Kooperation mit dem Mossad sind essenziell für den Schutz Deutschlands und Europas. Ohne die Kooperation mit Israel wären wir hier deutlich verwundbarer.

Die Fragen an den CDU-Bundestagabgeordneten und Obmann im Auswärtigen Ausschuss stellte Joshua Schultheis.

Krieg

Medien: Trump fordert von Israel Verzicht auf Gegenschläge

Der US-Präsident fordert zugleich den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen abzuschließen

 07.06.2026

Krieg

Iran bricht die Waffenruhe und feuert Raketen auf Israel

Was bislang bekannt ist

 07.06.2026 Aktualisiert

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026

Justiz

Richterbund warnt vor Einfluss der AfD auf Justiz

Das Risiko gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die Strafverfolgung müsse minimiert werden

von Lukas Philippi  07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  07.06.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026