Potsdam

Anne Frank mit Kufiya: Jüdische Gemeinde fordert Ausstellungs-Stopp

Das Museum »Fluxus+« in Potsdam Foto: picture alliance / imageBROKER

In Potsdam sorgt eine aktuelle Ausstellung des Privatmuseums Fluxus+ auf dem Kulturstandort Schiffbauergasse für Kontroversen. Wie die »Märkische Allgemeine« und der »Tagesspiegel« berichten, haben die Jüdische Gemeinde der Stadt Potsdam und Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner die Schau scharf kritisiert und fordern, sie in der derzeitigen Form nicht weiterzuführen und sie notfalls zu schließen.

Unter dem Titel »Comune – Das Paradox der Ähnlichkeit im Nahostkonflikt« zeigt der italienische Künstler Costantino Ciervo eine Serie handgemalter Doppelporträts. Mithilfe künstlicher Intelligenz transformierte er Bilder von Palästinensern in ihre »Zwillinge« aus Israel, wobei nur Merkmale wie Davidstern oder Kufiya-Tuch sie unterscheiden. In einem besonders kontroversen Werk ist das Holocaustopfer Anne Frank mit einem palästinensischen Tuch dargestellt.

Die Gemeinde und Büttner sehen darin eine problematische Gleichsetzung von Opfern und Tätern: »Die Ausstellung verwischt Täter- und Opferrollen, relativiert den Terroranschlag vom 7. Oktober und stellt legitime israelische Selbstverteidigung als Teil eines vermeintlichen ›beidseitigen Extremismus‹ dar. Solche Deutungsmuster sind in antizionistischen Narrativen gut dokumentiert und wissenschaftlich nicht haltbar«, heißt es in einer vom »Tagesspiegel« zitierten Erklärung.

»Verzerrte Wahrnehmung«

Auch die historische und politische Kontextualisierung fehle weitgehend. Israel als demokratischer Staat, der seit Jahrzehnten um seine Existenz kämpfe, werde in ein Schema mit Organisationen eingeordnet, die offen seine Vernichtung forderten. Dies führe zu einer verzerrten Wahrnehmung des Nahostkonflikts und verschiebe die Verantwortung, warnen die Kritiker.

Lesen Sie auch

Ciervo verteidigte seine Arbeit: »Das ist schon eine politisch klare Aussage von mir«, sagte er laut »Märkischer Allgemeiner«. Er kritisiere den Zionismus und die Politik Israels, betone aber: »Ich verwechsle nicht Judentum und Zionismus. Für mich ist der Zionismus der Kolonialismus.« Seine Vision für den Nahostkonflikt sei ein gemeinsames Territorium, in dem beide Völker gleiche Rechte und Freiheiten hätten.

In der postkolonialen Linken gilt Israel als »koloniales Projekt«, obwohl Juden bereits vor 3000 Jahren auf seinem heutigen Territorium lebten. In Israel haben arabische Einwohner, die gut ein Fünftel der Bevölkerung darstellen und andere Minderheiten die gleichen Rechte wie die jüdische Mehrheitsbevölkerung.

Podiumsdiskussion und Dialogangebote

Das »Fluxus+«-Museum äußerte sich bisher nur zurückhaltend. Geschäftsführer Tamás Blénessy konnte aufgrund von Krankheit keine ausführliche Stellungnahme abgeben, betonte jedoch, dass bereits vor Ausstellungseröffnung eine Podiumsdiskussion zum Thema geplant war. Laut »Tagesspiegel« hat er dem Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner zuvor mehrfach Dialogangebote übermittelt.

Die Ausstellung läuft seit dem 15. November. im

Jerusalem

Netanjahu: »Stellen Sie sich vor, jemand würde Deutschland vernichten wollen«

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz lobte der Premierminister Bundeskanzler Merz als verständigen Gesprächspartner und rechtfertigte Israels hartes Vorgehen gegen die Hamas

 07.12.2025 Aktualisiert

Israel

Berichte: Netanjahu traf Blair heimlich zu Gaza-Zukunft

Bei einem Treffen zwischen Netanjahu und Blair soll es um Pläne für die Zukunft des Gazastreifens gegangen sein. Für Blair ist eine Rolle in Trumps »Friedensrat« vorgesehen

 07.12.2025

Justiz

Gericht bestätigt Verbot der Parole »From the river to the sea«

Ein von der Stadt Bremen erlassenes Verbot sei rechtmäßig, entschied nun das Verwaltungsgericht Bremen

 07.12.2025

Yad Vashem

Merz: »Wir werden die Erinnerung lebendig halten«

Es ist einer der wichtigsten Antrittsbesuche für Kanzler Merz. Der zweite Tag in Israel beginnt für ihn mit dem Besuch eines besonderen Ortes

 07.12.2025

Umfrage

KAS-Studie: Antisemitische Vorurteile nehmen bei Türkeistämmigen zu

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat eine neue Studie zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft vorgelegt. Dabei wurden auch Einstellungen zu Juden abgefragt

 07.12.2025

Simi Valley

»Vorbildliche Verbündete«: Hegseth nennt Israel und Deutschland

Die Signale, die jüngst aus den USA in Richtung Europa drangen, waren alles andere als positiv. Der US-Verteidigungsminister findet nun allerdings nicht nur Lob für den jüdischen Staat, sondern auch für einige EU-Staaten

 07.12.2025

Soziale Medien

Musk nach Millionenstrafe gegen X: EU abschaffen

Beim Kurznachrichtendienst X fehlt es an Transparenz, befand die EU-Kommission - und verhängte eine Strafe gegen das Unternehmen von Elon Musk. Der reagiert auf seine Weise

 07.12.2025

Jerusalem

Merz: Deutschland wird immer an der Seite Israels stehen

Der Bundeskanzler bekräftigt bei seiner Israel-Reise die enge Partnerschaft. Am Sonntag besucht er die Yad Vashem und trifft Premierminister Netanjahu

von Sara Lemel  07.12.2025 Aktualisiert

Diplomatie

»Dem Terror der Hamas endgültig die Grundlage entziehen«

Es ist eine seiner bisher wichtigsten Auslandsreisen, aber auch eine der schwierigsten. Kanzler Merz ist für zwei Tage im Nahen Osten unterwegs

 06.12.2025