Deutschland

Massive Proteste gegen neuen AfD-Nachwuchs 

Foto: picture alliance / SvenSimon

Zehntausende haben gegen den Gründungskongress der neuen AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland (GD) in Gießen demonstriert. Gut 5.000 Polizisten waren im Einsatz. An einigen Orten gab es gewalttätige Auseinandersetzungen von Demonstranten und Polizei, die Proteste blieben dennoch zumeist friedlich.

Die Polizei zählte mehr als 25.000 Menschen bei den Demonstrationen in der Stadt mit ihren rund 92.000 Einwohnern. Das Bündnis »Widersetzen« sprach von mehr als 50.000 Teilnehmern. 

»Widersetzen« warf der Polizei massive Gewaltanwendung vor. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) berichtete, in den Reihen der Demonstranten habe es erhebliches Gewaltpotenzial gegeben.

Unter den Augen der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla wurde Jean-Pascal Hohm zum ersten Vorsitzenden gewählt. Im Gegensatz zur vorangegangenen Jungen Alternative, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte, soll die GD eng an die AfD angebunden sein. Mitmachen können alle AfD-Mitglieder unter 36 Jahren.

Den politischen Ton gab beispielsweise der Baden-Württemberger Mio Trautner vor, der forderte, »dass die Abschiebungen im Land endlich starten, dass die Startbahnen in Deutschland glühen«. Vorstandsmitglied Julia Gehrckens sagte: »Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder!« 

Remigration bedeutet in rechtsextremistischen Kreisen, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - unter Umständen auch unter Zwang.

Die Generation Deutschland soll nach Angaben von AfD-Chefin Weidel fähigen Nachwuchs für die Mutterpartei hervorbringen: »Also das ist eine Kaderschmiede für die Regierungsverantwortung.«

Das Bündnis »Widersetzen« bezeichnete die Aktionen gegen die Gründung der AfD-Jugendorganisation als »riesigen Erfolg«. Rund 15.000 Menschen hätten an Blockaden teilgenommen und Zugänge zu dem Gründungskongress versperrt. 

Das Bündnis kritisierte die Polizei und beklagte den Einsatz von Wasserwerfern bei niedrigen Temperaturen sowie von Schlagstöcken und Pfefferspray. In Gießen hätten »Polizisten den Faschisten den Weg freigeprügelt«, sagte Laura Wolf, Sprecherin des Bündnisses.

Einige Gruppen hatten Straßen in der Umgebung der Messehallen blockiert, um die Anreise zu dem Gründungskongress mit letztlich etwa 800 Teilnehmern zu verhindern. Die Veranstaltung begann dann mit zwei Stunden Verspätung. 

Zahlen zu Verletzten unter den Demonstrierenden oder zu Personen, die in Gewahrsam genommen wurden, lagen dem Bündnis zunächst nicht vor. Das Uniklinikum Gießen-Marburg sprach zunächst von rund 15 leicht verletzten Demonstranten mit ambulanter Behandlung.

Hessens Innenminister Roman Poseck wertet den Polizeieinsatz als Erfolg. »Ohne die Polizei wäre es in Gießen zu schwersten Gewalttaten und bürgerkriegsähnlichen Zuständen gekommen«, teilte der CDU-Politiker am Tag nach dem Großeinsatz mit. »Auch wenn der überwiegende Teil der Demonstranten friedlich war, war das Gewaltpotenzial sehr erheblich.« Mit Stand Samstagabend hatte die Polizei Kenntnis von zehn leicht verletzten Beamten.

Der Einsatz mit bis zu 5.000 Beamtinnen und Beamten gleichzeitig zählte zu den größten in Hessen überhaupt. Die Polizei schirmte den AfD-Veranstaltungsort weiträumig ab und löste Straßenblockaden - auch mit Wasserwerfern - auf. 

Ein Auftritt von Alexander Eichwald, der sich ebenfalls für den Vorstand bewarb, aber nicht gewählt wurde, sorgte in der Halle in Gießen für Kritik. Eichwald trat mit rollendem »R« und einer im Ton an NS-Reichskanzler Adolf Hitler erinnernden Rede ans Pult. Er sprach die Teilnehmer mit »Parteigenossen und -genossinnen« an und rief in den Saal: »Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam«.

Die AfD-Spitze prüft nun nach Angaben von Chrupalla den fragwürdigen Auftritt. »Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen«, sagte Chrupalla der Deutschen Presse-Agentur.

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026

Extremismus-Bericht

Auschwitz Komitee macht AfD für gestiegenen Rechtsextremismus verantwortlich

Die Zahl der Extremisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz weiter gestiegen. Dafür macht das Komitee vor allem die AfD verantwortlich

 01.07.2026