Hamburg

So reagiert die Politik auf den Rücktritt Stefan Hensels

Beklagt mangelnden politischen Rückhalt: Stefan Hensel legt sein Amt zum Jahresende nieder. Foto: picture alliance/dpa

Stefan Hensels Entscheidung kam für viele überraschend. Nur wenige Monate zuvor hatte die zweite Amtszeit des Antisemitismusbeauftragten Hamburgs begonnen, als er Anfang Oktober ankündigte, die Position zum Jahresende vorzeitig aufgeben zu wollen. Als Grund gab Hensel die zunehmende Belastung durch das Amt sowie den mangelnden politischen Rückhalt für seine Arbeit an.

Der 45-Jährige übt das Amt des Antisemitismusbeauftragten ehrenamtlich aus und ist auf Landesebene bisher der einzige Jude in einer vergleichbaren Position. Sein Rücktritt und die schweren Vorwürfe gegen die Hamburger Politik haben landesweit Beachtung gefunden.

Thering (CDU): Senat ist »unentschlossen und träge«

Der Oppositionsführer in der Hamburgischen Bürgerschaft, Dennis Thering (CDU), bedauert den Rücktritt Hensels. »Es ist erschreckend und zeigt den Zustand unseres Landes, wenn ein Antisemitismusbeauftragter durch diese Umstände sein Amt niederlegt«, sagte er auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen. Thering wirft der rot-grünen Regierungskoalition unter dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor, nicht ausreichend hinter Hensel gestanden zu haben.

»Wenn es um die Unterstützung der Position des Antisemitismusbeauftragten ging, haben sich SPD und Grüne in der Bürgerschaft leider häufig als große Enttäuschung entpuppt«, so Thering. So hätten die Regierungsparteien zum Beispiel einen Antrag der CDU abgelehnt, den Beauftragten als hauptamtliche Stelle auszugestalten. »Der rot-grüne Senat agiert nach meinem Empfinden im Kampf gegen Antisemitismus häufig unentschlossen und träge.«

»Vieles, was mit diesem Amt einhergeht, kann ich nicht mehr hinnehmen.«

stefan hensel

Beispielsweise sei nicht konsequent gegen ein israelfeindliches Protestcamp in der Stadt vorgegangen worden. Thering fordert: »Antisemitische Straftaten müssen schneller erfasst, verfolgt und härter sanktioniert werden.«

Senat lobt die Zusammenarbeit mit Hensel

Dagegen erklärte ein Sprecher im Namen des Ersten Bürgermeisters, die Bekämpfung des Antisemitismus sei »ein zentrales Ziel« der Regierung Hamburgs. »Der Erste Bürgermeister, der Senat und die Behörden schätzen und unterstützen die Arbeit des Beauftragten für Jüdisches Leben in Hamburg sehr«, hieß es weiter. Man habe die Zusammenarbeit mit Hensel »stets als von beiden Seiten engagiert und konstruktiv erlebt«.

Ähnlich drückt sich Senatorin Maryam Blumenthal (Grüne) aus, an deren Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung die Stelle des Antisemitismusbeauftragten angegliedert ist. Auch sie habe die Zusammenarbeit mit Hensel »als konstruktiv und vertrauensvoll« erlebt. »Seine bisherige Arbeit wird der Stadt und dem Senat weiterhin Impulse geben. Für seinen engagierten Einsatz danke ich ihm sehr«, sagte Blumenthal dieser Zeitung. »Die Bekämpfung von Antisemitismus und der Schutz jüdischer Hamburgerinnen und Hamburger sind für mich und für den Senat insgesamt zentrale Aufgaben.«

Hensel: »Ich beiße ständig auf Granit«

Hensel selbst beklagt, als Antisemitismusbeauftragter immer weniger Gehör zu finden. »Weder die Verwaltung noch die Politik stehen hier an meiner Seite, obwohl sie doch eigentlich meine Verbündeten sein sollten«, sagte er vergangene Woche im Interview mit dieser Zeitung. Protest gegen seiner Meinung nach antisemitische Veranstaltungen in Hamburg sei ohne Folgen geblieben. »Ich beiße ständig auf Granit, wenn ich die Verantwortlichen darauf hinweise, dass sie ihrer Verpflichtung, Antisemitismus zu bekämpfen, nicht nachkommen.«

Lesen Sie auch

Zudem habe die Belastung durch das Amt zugenommen, so Hensel. »Seit den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023 ist meine persönliche Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.« Bei Veranstaltungen brauche er Personenschutz und es gebe »massiven Hass« gegen ihn. »Vieles, was mit diesem Amt einhergeht, kann ich nicht mehr hinnehmen«, begründet Hensel seinen Rücktritt. Dennoch betont er: »Ich verlasse das Amt nicht im Bösen.«

Barcelona

Flick distanziert sich von Yamals Palästina-Flaggen-Aktion

Jungstar Yamal sorgt meistens auf dem Platz für Aufsehen. Bei der Meisterparty des FC Barcelona setzt er nun auch abseits des Rasens ein Zeichen - ein politisches, das aber nicht allen gefällt

 13.05.2026

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026